Süddeutsche Zeitung

Schondorf:Sammersee-Festival im Pausenmodus

Führungsriege sagt Veranstaltung ab und will sich neu orientieren. Von "Kommunikationsschwierigkeiten" ist die Rede.

Eines steht nach diesem Montagabend fest: Das Sammersee-Festival wird es in dieser Form in diesem Jahr nicht geben - weder in Schondorf noch in Breitbrunn. Der Veranstalter, der gemeinnützige Verein Sammersee, in dem sich lauter junge Leute ehrenamtlich für den guten Zweck engagieren, hat überraschend seinen Antrag für eine Veranstaltung im Frühsommer in den Streuobstwiesen der "Ammersee Getränke GmbH" zurückgezogen. Als Grund nannten die gerade neu gewählten Vorsitzenden Jonathan von der Hoeden und Leonie Schaffhauser "Kommunikationsschwierigkeiten".

Und davon gab es tatsächlich jede Menge. Denn eigentlich wollten die Vereinsvorsitzenden im Gespräch mit dem Herrschinger Bürgermeister Christian Schiller einfach mal ausloten, unter welchen Umständen sie eine völlig neue Veranstaltung unter neuem Namen am Ostufer des Ammersees in Breitbrunn etablieren könnten. Der Gedanke entstand, weil für sie die Rahmenbedingungen in Schondorf nicht mehr stimmten: Der Verpächter des Café Forster im Strandbad soll eine höhere Miete verlangt haben, mit den Auf- und Abbauzeiten gab es Probleme, und dazu kamen die vielen Veranstaltungen, die heuer im Juli in Schondorf geplant sind, dem Monat, in dem auch immer das "Sammersee"-Festival stattgefunden hatte - wie zum Beispiel die 100-Jahr-Feier des TSV Schondorf vom 17. bis 20. Juli.

Die Neuwahl des Vorstands und all die anderen schwierigen Gegebenheiten habe den Verein auf die Idee gebracht, sich neu zu orientieren, wie Schaffhauser und von der Hoeden sagen. Deshalb dachten sie daran, die beiden Seeseiten durch eine neue Veranstaltung mit Musik, Workshops und einer Präsentationsplattform für junge Start-ups und regionale Unternehmen miteinander zu verbinden und stellten dafür einen entsprechenden Antrag.

In Herrsching wurde dieser allerdings gründlich missverstanden: Denn dort ging man davon aus, dass das Sammersee-Festival die Seeseite wechseln würde und dass das zu allerlei Problemen führen könnte - zum Beispiel, wo Autos parken oder wie die Besucher überhaupt zum Veranstaltungsort kommen könnten: "Das hätte auch das Perger-Gelände betroffen", sagt Schiller. In der Beschlussvorlage tauchte daher auch das Areal des Saftherstellers, das mittlerweile dem Unternehmer Josef Schernthaner gehört, auf - zum Entsetzen der jungen Leute, die ihre Veranstaltung dort ja nicht geplant hatten: "Wir haben nirgendwo in unserem Konzept vom Perger-Gelände gesprochen", sagt Schaffhauser. Daher hätten sie auch gar nicht mit Schernthaner Kontakt aufgenommen - wohl aber auch nicht mit dem Chef der Ammersee Getränke GmbH, Timo Friesland, auf dessen Wiesen die neue Veranstaltung stattfinden sollte: "Ich habe davon erst aus der Zeitung erfahren."

Nun sind aber ohnehin alle Pläne vom Tisch: Der Verein will nun intern entscheiden, in welcher Form, wo und wie er künftig Veranstaltungen abhalten will. Eines sei aber bereits gewiss, sagt von der Hoeden: "Das Sammersee-Festival wird es heuer im Juli im Café Forster sicher nicht geben."

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Quelle:
SZ vom 19.02.2020
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