Herbst 1944, alliierte Bomber attackieren den Luftwaffen-Flugplatz in Oberpfaffenhofen mit Sprengbomben. Mindestens zwei weitere Male fliegen die gegen Nazi-Deutschland verbündeten Mächte Angriffe rund um den Stützpunkt und zielen dabei auch auf die Bahngleise rund um den Flugplatz.
Mehr als 80 Jahre später stellen die Bombenabwürfe von damals die Deutsche Bahn vor Probleme. Seit Jahren will der Konzern den Abschnitt der S-Bahn-Linie 8 zwischen Seefeld-Hechendorf und Steinebach zweigleisig ausbauen. Wegen der Fliegerangriffe im Zweiten Weltkrieg aber musste die Bahn das betroffene Areal zunächst auf Kampfmittel untersuchen. Und weil in der Nähe des Wörthsees vor einigen Jahren eine der größten Keltensiedlungen in Bayern gefunden wurde, waren zudem archäologische Grabungen notwendig.
Nun aber kann die Bahn vermelden: Auf dem Areal sind weder Überreste aus dem Krieg noch aus der Antike gefunden worden. Das Unternehmen ist dem Beginn der eigentlichen Bauarbeiten damit „einen entscheidenden Schritt nähergekommen“, erklärt Projektleiter Michael Bauer, der dafür verantwortlich ist, die mehr als 100 Jahre alte Strecke „fit für das 21. Jahrhundert“ zu machen, wie er sagt. Im kommenden Jahr sollen die Baufahrzeuge anrollen. Davor wird die Bahn noch Ersatzhabitate für Amphibien wie Frösche und Eidechsen anlegen, die wegen der Bauarbeiten weichen müssen.
Die Freude der Bahn über diese Entwicklung teilt so mancher Anwohner allerdings nicht. Denn das zusätzliche Gleis verringert mancherorts den Abstand der Trasse zu den Wohnhäusern. Auch gibt es Unmut über Lärmschutzwände, die zwar den Geräuschpegel verringern, aber die Aussicht beeinträchtigen. Die Bahn verweist jedoch auf gesetzliche Vorgaben, die sie zum Aufstellen der Wände zwingen.
Bis 2028 soll der Gleisausbau abgeschlossen sein
Der zweigleisige Ausbau zwischen Seefeld-Hechendorf und Steinebach ist unter anderem notwendig, um den auf einer hoffentlich irgendwann fertiggestellten zweiten Stammstrecke avisierten 15-Minuten-Takt der S 8 halten zu können. Auch für einen zusätzlichen Halt in Weichselbaum, den Kommunalpolitiker seit Jahren fordern, um den Wirtschaftsstandort in Oberpfaffenhofen besser an München anzubinden, sind zwei Gleise zwischen Hechendorf und Steinebach die Grundvoraussetzung. Zudem sollen beide Bahnhöfe barrierefrei werden.
Ursprünglich hat die Bahn damit gerechnet, das zweite Gleis bereits in diesem Jahr in Betrieb nehmen zu können. Allerdings hat sich der Ausbau immer weiter verzögert. Ziel sei es nun, „die Maßnahme bis 2028 abzuschließen“, teilt das Unternehmen mit. Zu den Kosten macht der Konzern keine Angaben und verweist darauf, dass die Arbeiten Teil der zweiten Stammstrecke sind. Das Großprojekt hat sich in den vergangenen Jahren ebenfalls immer wieder verzögert.
Eine Folge davon: eine enorme Kostensteigerung. Laut dem Fahrgastverband Pro Bahn hieß es zu Beginn des Jahrtausends noch, 500 Millionen Euro könnten reichen. Nach jüngsten Zahlen aber ist aufgrund der Teuerungsrate im Baugewerbe mit bis zu elf Milliarden Euro zu rechnen, vor 2035 werden die Arbeiten wohl kaum abgeschlossen sein. Immerhin: Das zweite Gleis zwischen Seefeld-Hechendorf und Steinebach dürfte deutlich schneller verlegt sein.

