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S-Bahn-Ausbau:In einer halben Stunde von Herrsching nach München

Erstmals hat die Bahn ihre Pläne für den zweigleisigen Ausbau der S 8 vorgestellt, bei dem entlang der Schienen hohe Lärmschutzwände nötig werden. Die Bürgermeisterin von Wörthsee ärgert sich über eine "Chinesische Mauer".

Von Christine Setzwein

Verspätungen, Zugausfälle, zu dünner Takt, zu volle Züge - die Kritik an der S-Bahn ist laut und anhaltend. Veraltete Technik und steigende Fahrgastzahlen sind Gründe dafür. Mit der zweiten Stammstrecke in München soll alles besser werden. Zum Beispiel mit einem 15-Minuten-Takt auf den Linien S 6 und S 8. Dazu kommen neue Express-S-Bahnen. Von 2028 an zum Beispiel soll die Fahrtzeit von Herrsching zum Marienhof mit der S 18X über die zweite Stammstrecke nur noch 35 Minuten dauern, heute sind es noch 53 Minuten. Doch damit das auch klappt, muss die S 8 zwischen den Bahnhöfen Steinebach und Hechendorf zweigleisig ausgebaut werden. Wie und in welchem Zeitraum das passieren soll, stellte Alexander Rutz von der DB Netz am Mittwoch in Wörthsee vor.

Dass dies eine "einschneidende Maßnahme" ist, räumte Rutz gleich zu Beginn der Informationsveranstaltung ein. Vor allem die Bewohner von Auing, aber auch Anlieger in Steinebach und in Hechendorf werden lange Zeit mit Baulärm zu tun haben. Und mit neuen Anblicken. Aus Lärmschutzgründen werden entlang der Gleise Schallschutzwände gebaut. Die erste von der Weßlinger Straße in Steinebach Richtung Bahnhof wird 381 Meter lang und zwei Meter hoch. Die zweite an der Auinger Straße soll 364 Meter lang und ebenfalls zwei Meter hoch werden, die dritte am Damm Richtung Hechendorf soll bis zu drei Meter hoch und 368 Meter lang werden, die Anwohner am Ortseingang von Hechendorf schließlich sollen mit einer fast ein Kilometer langen Wand mit drei Metern Höhe geschützt werden. Die Trasse selbst wird 10,80 Meter breit, der Abstand zwischen den Gleisen beträgt 3,80 Meter.

Die hohen Lärmschutzwände gefielen nicht allen der etwa 70 Zuhörer in der Grundschulaula. Eine "Chinesische Mauer" wollen die Wörthseer nicht haben, sagte Bürgermeisterin Christel Muggenthal (SPD). Ob denn nicht passiver Schallschutz wie Schallschutzfenster oder gedämmte Außenwände und Dächer ausreichten, wollte sie wissen. Das sei gesetzlich nicht möglich, sagte Rutz. Freilich könne man im Gutachten zum Planfeststellungsverfahren "spielen", heißt: Eventuell sei es möglich, die Wände da und dort einen halben Meter niedriger oder Gabionen zu bauen. Rutz: "Wenn ich die Möglichkeit hätte, Schallschutzwände zu vermeiden, würde ich es tun."

Umgebaut werden muss auch der Bahnhof Steinebach. Dort wird es künftig zwei Außenbahnsteige geben, eine Unterführung, zwei barrierefreie Rampen und - zum Bedauern der Zuhörer - insgesamt vier "Wetterschutzanlagen". Diese Wetterhäuschen sind klein und bieten wesentlich weniger Schutz vor Regen oder Schnee als das jetzige große Dach.

Völlig neu gestaltet wird mit dem zweigleisigen Ausbau auch die Bahnunterführung in Auing. Sie wird insgesamt 10,5o Meter breit, bekommt einen Geh- und Radweg. Kritik kam natürlich wegen des Eingriffs in ökologisch wertvolle Bereiche entlang der Trasse. Das sei richtig, sagte Rutz, die Bahn werde und müsse aber Ausgleichsflächen schaffen.

Der Gemeinderat Wörthsee hat sich bereits mit dem Vorhaben beschäftigt und weitere Forderungen aufgestellt. So soll die Fußgängerunterführung am Bahnhof breiter werden, der Bahnhof auch von der Auinger Seite aus zugänglich sein, und an der Weßlinger Straße soll aus Sicherheitsgründen noch eine Unterführung gebaut werden, damit etwa Schüler am Morgen nicht über die Gleise rennen. Rutz ließ keinen Zweifel daran, dass die Bahn die Kosten übernehmen könnte: "Das bekomme ich nicht finanziert."

Dass nur wegen der Verkürzung des Takts von 20 auf 15 Minuten so eine teure, aufwendige und naturzerstörende Maßnahme sein müsse, konnten viele Wörthsee nicht nachvollziehen. "Wir brauchen das zweite Gleis für den Begegnungsverkehr", erklärte Rutz. Der sei nötig, um den Takt im gesamten S-Bahngebiet einzuhalten. "Wir wollen den Takt verbessern, um die Leute vom Auto auf die Schiene zu bringen." Laut Bayerischer Eisenbahngesellschaft können nach Inbetriebnahme der zweiten Stammstrecke fast doppelt so viele S-Bahnen fahren wie derzeit. Für Bürgermeisterin Muggenthal geht es darum, Naturschutz, Schutz der Anlieger und Fahrgast-Interesse unter einen Hut zu bringen.

© SZ vom 15.11.2019
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