Rennen auf dem Wasser Aufgeweicht ins Ziel

Bei Sonnenschein kämpfen die Besatzungen von 21 selbst gebauten Papierbooten um den Sieg. So manche Konstruktion kommt nur in Teilen an. Hunderte Besucher verfolgen das Gaudi-Rennen von der Starnberger Seepromenade aus und wetten eifrig mit

Von Carlotta Cornelius, Starnberg

"Auf die Plätze, fertig, los!", ruft Moderatorin Anna Möll, dann schwingen die Ruderer ihre Paddel und los geht die Fahrt. Bereits zum siebten Mal fand am Samstag das Papierbootrennen an der Starnberger Seepromenade statt, veranstaltet vom Eltern-Kind-Programm (EKP) Stockdorf und der Starnberger Wasserwacht.

Unter dem Motto "Bau mit - fahr mit!" tüftelten Jugendgruppen, Familien und Vereine teils monatelang an ihren Werken. Diese wurden im Verlauf des Rennens nicht nur auf ihre Schnelligkeit geprüft, sondern vorab auch in Sachen Optik von einer Kinder- und Erwachsenenjury bewertet. Ganz besonders beeindruckte hier das Schiff "The Old Legend of Krailling" des Teams "Kraillinger Jungs", das mit seinem "Zuckerbäcker-Aufbau auf stabilem Untergrund" einen Kinderpreis der Jury absahnte. Kurz nach dem Start legte die "Legend" jedoch einen filmreifen Abgang hin, als sie, ähnlich der schwedischen Prunkgaleone Vasa, bereits nach wenigen Metern Jungfernfahrt kippte und daraufhin titanisch-dramatisch in den Fluten versank.

Tatsächlich schnitten die weniger spektakulären Boote in diesem Jahr mit besonders guten Ergebnissen ab, wie etwa der bojenartige "Kesselsessel" der Wasserwacht Starnberg, der es mit nur einem Mann Besatzung immerhin auf den vierten Platz der Altersklasse 13+ schaffte.

21 Boote gingen bei strahlendem Sommerwetter an der prall gefüllten Promenade an den Start. Zahlreiche Besucher ließen es sich nicht nehmen, Wetten auf ihre Favoriten abzuschließen und diese vom Ufer aus lauthals anzufeuern. Mit Traumschiff-Darsteller Herbert Ulrich wurde das Rennen außerdem von einem echten Stargast begleitet, der auch die Pokale an die Podestplatzierten vergab. Ulrich zeigte sich von der Handwerkskunst der jungen Seepioniere schwer beeindruckt: "Ihr habt euch hier kreativ und sportlich total verausgabt", lobte er die Besatzungen. "Im nächsten Jahr komme ich auf jeden Fall wieder!"

Im Spaceshuttle können künftige Raumfahrer schon einmal schweben.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die Boote, die mit denkwürdigen Namen wie "Kenterprise", "Bin Baden" oder "Enton" an den Start gingen, lieferten sich teils dramatische Duelle. Während wundersamerweise keines der aus Papier und Kleister gebastelten Gefährte zerbrach, weichten viele während der Fahrt zusehends auf. So zog "Blitz" etwa eine meterlange Zeitungsspur hinter sich her und konnte nach guter Fahrt nur noch in Teilen aus dem Wasser gefischt werden. "Wer den Sportteil von vor drei Wochen braucht, muss nur noch ins Wasser springen", scherzte Moderator Leon Morelli. Auch zu erwähnen das Rennen "Rüdiger-Agata" versus "Bin Baden": Ersteres, von der Jury als glitzerndes "Transgender Einhorn" gelobt und ebenfalls mit dem Kinderpreis ausgezeichnet, zeigte sich zwar stabil, scheiterte jedoch an den zu kurzen Rudern, die vom Aufbau kaum bis hinab ins Wasser reichten. Der Name "Bin Baden" dagegen bewahrheitete sich nicht, sodass das Boot der Wasserwacht Wörthsee II schließlich weit vor Rüdiger-Agata ins Ziel rauschte.

Zu den großen Siegern des Tages zählten neben "Enton" der Mittagsbetreuung EKP Stockdorf (erster Platz in der Alterskategorie bis zehn Jahre) und "RK Gauting 79/2" der Bereitschaftsjugend Gauting (erster Platz Altersklasse 13+) vor allem das Boot "Aloha" der Jugendgruppe WaWa Buch in der Altersklasse zehn bis 13. Dieses gewann nicht nur einen Kinderpreis der Jury, sondern ging mit einer beeindruckenden Zeit von einer Minute und zwölf Sekunden zudem als Gesamtsieger aus dem Rennen hervor.