SZ-Autoren:Der Wind der Freiheit

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Renate Greil hat nach zwei Krimis unter Pseudonym nun ihren ersten Roman veröffentlicht: Auf 480 Seiten schildert sie im Roman "Die Kranichfrauen" das Schicksal von drei mutigen Frauen am Ammersee in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. (Foto: Nila Thiel/Nila Thiel)

Renate Greil präsentiert mit "Die Kranichfrauen" einen bemerkenswert spannenden Roman, der von den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkriegs handelt.

Von Patrizia Steipe, Utting

Es ist ein Buch für die Strandtasche und den Liegestuhl, für kurzweilige Lesestunden, am besten mit dem Blick auf ein Gewässer. Denn beim Schmökern der "Kranichfrauen" spürt man förmlich eine Brise um die Nase wehen und hört die Segel im Wind flattern. "Die Kranichfrauen - der Wind der Freiheit" heißt das 480 Seiten starke Werk von Renate Greil, das vor wenigen Tagen erschienen ist. Die Autorin lebt selbst am Ammersee, dem Schauplatz ihrer Geschichte. Das Buch zählt zwar als historischer Roman, reicht aber gar nicht einmal so weit in die Vergangenheit, sondern in die Nachkriegszeit des Sommers des Jahres 1947. Eine wenig beachtete, aber hochinteressante Epoche, zu der die Autorin historische Fakten recherchiert hat und den Lesern so ganz nahebringt.

Die Nazizeit ist nicht ganz abgeschüttelt, die Traumata des Kriegs wiegen schwer. Am See sind amerikanische Soldaten stationiert, es herrscht Mangel an allem. Jüdische "Displaced Persons" warten im Dießener Kibbuz, im Hotel Neue Post, auf ihre Auswanderung. "Die Menschen sitzen im Wartesaal zwischen gestern und morgen", schreibt Greil in ihrem Nachwort. Um der Jugend den Wert der Demokratie zu vermitteln, veranstalten die Amerikaner "German Youth Activities" (GYA).

Im Mittelpunkt des Buchs stehen Paula und ihre Freundin Anna, die einen Sommerjob in einem GYA übernommen haben. Es gibt Romanzen, und außerdem ist da Tante Hedi, die darauf wartet, dass ihr Mann aus dem Krieg zurückkommt. Alle drei haben ihre Träume, sind aber den Zwängen der Zeit unterworfen, in der Frauen sich dem Willen der Familienpatriarchen zu fügen haben. Anna träumt von einer Lehre als Bootsbauerin, stößt damit aber auf Unverständnis: "Soso, das werte Fräulein will Boote bauen! Da gibt es aber nur Lehrstellen für Buben, das weißt du genau. Schlag dir solche Rosinen ein für alle Mal aus dem Kopf!" schimpft die Mutter im Roman, der so spannend und leicht geschrieben ist, dass man ihn gar nicht mehr aus der Hand legen möchte.

Wird es den Frauen gelingen, sich von den Konventionen zu befreien? Und was ist mit dem stolzen Segelschiff "Kranich" im fiktiven Yachtclub Ammersee, das für die drei Frauen eine ganz besondere Bedeutung hat und das sie in einem waghalsigen Manöver vor dem Zugriff der Besatzer retten wollen?

"Die Kranichfrauen - der Wind der Freiheit" von Renate Greil ist im Ullstein Taschenbuch Verlag erschienen und kostet 13,99 Euro.

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