Die am 13. Dezember 1962 in Cape Canaveral in den USA gestartete Thor-Delta-Rakete trug an ihrer Spitze einen kleinen Satelliten ins Weltall, über den knapp zwei Jahre später die erste Fernsehsendung zwischen den USA und der Bundesrepublik Deutschland zustande kam. Zwar gab es zu dieser Zeit schon seit hundert Jahren unterseeische Transatlantikkabel. Doch über diese Verbindungen konnten anfangs nur Telegrafiesignale und erst weit nach Beginn des 20. Jahrhunderts Telefongespräche übertragen werden. Für die wesentlich breitbandigeren Fernsehkanäle reichte deren Kapazität nicht aus. Denn neben dem Ton müssen noch Helligkeitswerte und vom Jahr 1967 an Farbinformationen transportiert werden.
Man behalf sich damals mit Videoaufzeichnungen, die in einem Flugzeug den Atlantik überqueren mussten. Die schweren, zwei Zoll breiten Bänder, wurden zum Beispiel für das ZDF anfangs noch von Frankfurt aus mit einem Hubschrauber zum 1963 gegründeten zweiten deutschen Sender in Eschborn geflogen. Bei schlechtem Wetter warf man sie in rote Säcke verpackt aus dem Fenster, und der Produktionsleiter sammelte sie ein. Erst einen Tag danach konnten die Fernsehzuschauer die Aufzeichnungen aus der Neuen Welt sehen. Live-Aufnahmen aus anderen Kontinenten waren damit also ein Wunschtraum.
Mit der ersten Großantenne Deutschlands, der Antenne 1 in Raisting im Süden des Ammersees, wurden am 7. Oktober 1964 erstmals erfolgreich Fernseh-Testbilder aus Amerika empfangen. Die Sendestation der Nasa stand damals in der Mojave-Wüste in Kalifornien. Zwei Tage später konnte eine erste Versuchssendung übertragen werden. Und zum offiziellen Beginn der ersten Übertragungen von Fernsehbildern aus Amerika fanden sich am 21. Oktober 1964 in dem nur 1200 Einwohner zählenden landwirtschaftlich geprägten Dorf zahlreiche Journalisten aus dem In- und Ausland ein.
Bei der Pressekonferenz im Zentralgebäude der Erdfunkstelle erwarteten die geladenen Gäste und Reporter mit Spannung den Zeitpunkt, zu dem sich der Satellit so weit über den Atlantik bewegt hatte, bis er von der 25 Meter großen Parabolantenne unter ihrer Schutzhülle ins Visier genommen werden konnte. Dicht zusammengedrängt blickten sie auf den extra aufgestellten Monitor, der anfangs nur graues Rauschen zeigte. Doch plötzlich ging ein Raunen durch den Raum, als die ersten Bilder gut zu erkennen waren. Ein kurzer Filmbericht der Nasa zeigte den ein Jahr vorher ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy bei der Einweihung der amerikanischen Bodenstation. Das Bild soll klar und der Ton gut gewesen sein, hieß es in Zeitungsberichten. Wenige Minuten später war die Verbindung unterbrochen. Der Satellit war bereits aus dem Sichtfeld verschwunden. Der 21. Oktober gilt auch als offizielle Inbetriebnahme der Antenne 1 sowie der Erdfunkstelle Raisting, deren Teil sie ist.
„Relay“ wurde der Satellit genannt, der Ende 1962 auf eine Umlaufbahn von einigen tausend Kilometern über der Erde ausgesetzt wurde. Eineinhalb Jahre später leitete er die Bilder der Olympischen Spiele aus Tokio nach Europa weiter. Er erhielt sie von „Syncom“, dem ersten geostationären Satellit über dem Pazifik nach einer Zwischenlandung in der Mojave-Bodenstation. Relay, der „Übertrager“, hat schon lange ausgedient, wird aber noch die nächsten Jahrzehnte im Weltall seine Kreise ziehen.

