NepomukEin Hauch von Strauß

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Nichts ist so spannend wie die Vergangenheit: Im einzigartigen Raistinger Industriedenkmal Radom ist ein exklusives Möbelstück zu sehen, das Bayerns Geschichte entscheidend geprägt hat.

Von eurem Nepomuk, Raisting

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Leute, heut' habe ich einen echten Geheimtipp für Euch: Ich verspreche euch einen wunderbaren Ausflug, ja, wenn nicht sogar eine regelrechte Wallfahrt. Ich hab' mich jedenfalls ganz erleuchtet gefühlt. Einziger Haken an der Sache: Die Gelegenheit, eine womöglich wundertätige Reliquie zu bestaunen, besteht nur noch diesen Sonntag. Denn danach begibt sich die Pilgerstätte in den Winterschlaf - und dann ist zu befürchten, dass das anbetungswürdige Objekt im nächsten Frühling wieder im Archiv verschwindet.

Jetzt aber hat es noch einen Ehrenplatz in einer lichtdurchströmten Kathedrale mit 40 Meter hoher Kuppel, in der unter anderem den Astronauten der ersten Mondlandung gehuldigt wird. Genau: Ich spreche vom Radom, der Dreiviertelkugel an der Schnittstelle von Fünfseenland und Pfaffenwinkel, Monument des Aufbruchs ins Weltall. Erinnert ihr euch noch an den CSU-Slogan "Laptop und Lederhose"? Nichts hätte die Allianz von Technik und Tradition auf Wahlkampfplakaten treffender symbolisieren können als das Bild der Raistinger Erdfunkstelle neben der Kapelle St. Johann. Die war übrigens auch mal Wallfahrtstätte, aber das nur nebenbei.

Das wahre Mirakel aber wartet im Radom. Dort ist heuer nämlich die überaus sehenswerte Ausstellung "50 Jahre Landkreis Weilheim-Schongau" aufgebaut. Da gibt es Feldhäcksler und ein Sportcoupé, einen ausgestopften Uhu, ein Faschingsprinz-Kostüm und einen Blasenkatheter. Die Sensation aber, eine neuzeitliche Reliquie, verbirgt sich in einem nachgestellten Amtszimmer: Der Original-Bürosessel, auf dem der selige Franz Josef, unser späterer Ministerpräsident, gehockt hat, als seine Karriere 1946 als Schongauer Landrat begann! Da staunt ihr, oder? Gut, es geht jetzt nicht um ein Fingerglied oder eine Hostie, wie sie etwa in Andechs auf dem Heiligen Berg im Heiltumsschatz verehrt werden. Aber was könnte das segensreiche Wirken eines Politikers besser verkörpern als dessen Schreibtischstuhl? Zumal er zur Statur des vormaligen Besitzers passt: Untersetzt und bullig wirkend geht das Möbelstück mehr in die Breite als in die Höhe. Eine mit Nieten fixierte Sitzfläche aus speckigem, aber unverwüstlich zähem, dunkelbraunen Leder. Da wird sich der Strauß so richtig wohl gefühlt haben.

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