Wenn Daniel Pichlmeier sich auf den Weg in die Arbeit macht, dann schwingt er sich erst einmal aufs Fahrrad. Zwar nicht für den ganzen, knapp 32 Kilometer weiten Weg von seinem Wohnort mit dem zauberhaften Namen Neuhimmelreich im Landkreis Dachau bis nach Starnberg, aber immerhin zur S-Bahn. Ein Start, der zu seinem Job passt: Der 35-Jährige ist der neue Radwegbeauftragte im Landratsamt und hat damit im Januar einen Job übernommen, der fast ein Jahr lang verwaist war. Die zuständige Stabsstelle für Mobilitätsprojekte leitet die 38-jährige Isabella Weber. Der Aufgabenbereich wurde personell umgebaut. Wer den beiden eine Weile zuhört, gewinnt den Eindruck, dass dort Aufbruchstimmung herrscht.
Pichlmeier hat in München Geographie studiert, nach dem Bachelor-Abschluss zunächst in einem Planungsbüro für Glasfaserausbau gearbeitet und war zuletzt bei der Bahn. Er ist selbst gerne mit dem Rad unterwegs, hat zum Beispiel Tegernsee und Starnberger See umrundet, erkundet gern den Ammer-Amper-Radweg, der direkt an seinem Wohnort entlang führt, und nimmt bei Ausflügen seine zweijährige Tochter im Anhänger mit. Nun soll er das Radeln im Landkreis Starnberg attraktiver machen.
Das Landratsamt hat sich beim Radverkehr einiges vorgenommen
Eigentlich gilt der Landkreis in dem Bereich ja schon als vorbildlich - offiziell jedenfalls. Die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern (AGFK) hat ihm im Januar jedenfalls zum zweiten Mal das entsprechende Zertifikat verliehen. "Das ist nicht so einfach, dass man das bekommt", sagt Weber. Voraussetzung sei, dass man Personal und Finanzen zur Verfügung stellt. Als erste Gemeinde bewerbe sich nun Weßling. Beim Landkreis legte die Bewertungskommission besonderes Augenmerk auf das Konzept für ein Alltagsroutennetz, die Machbarkeitsstudie für einen Radschnellweg, die Pläne für neue Routen entlang von Kreis- und Staatsstraßen sowie die Realisierung weiterer Schutzstreifen an Fahrbahnen. Mit der erneuten Auszeichnung sind Hausaufgaben verbunden. Das heißt: Das Landratsamt hat sich beim Radverkehr einiges vorgenommen, nachdem lange Bus und Bahn im Vordergrund gestanden waren.
Beim Gesprächstermin auf einer Bank in der Sonne beim Landratsamt zaubert Abteilungsleiterin Weber eine Idee nach der anderen hervor, viele Pläne, die zum Teil schon bald verwirklich werden sollen: neue Wege bauen, mehr Radständer anbieten, Hindernisse beseitigen und Routen besser beschildern. Noch in den kommenden Ferien geht es los. Radler sind am Oster-Wochenende aufgerufen, sich an einer Suchaktion zu beteiligen. Landrat Stefan Frey soll die Aktion am Samstag, 16. April, zusammen mit dem Kraillinger Bürgermeister Rudolph Haux und der Starnberger Vizebürgermeisterin Angelika Kammerl, die sich um das Stadtradeln kümmert, am Kirchplatz starten. Ein Suchspiel ist kombiniert mit der Möglichkeit, Verbesserungsvorschläge bei der Beschilderung für Radfahrer zu melden.

Beim Mobilitätsmanagement im Landratsamt ist das nur eines von vielen Vorhaben. Auch neue Wege sind in Planung. So soll noch im Frühjahr ein Interimsradweg zwischen Etterschlag und Mauern im Nachbarlandkreis Fürstenfeldbruck hergerichtet werden. An der Kreisstraße zwischen Unering und Hochstadt soll ebenfalls ein Radweg entstehen. Allein für Grunderwerb und Planung sind dort knapp eine halbe Million Euro im Kreishaushalt vorgesehen. Neue Verbindungen zwischen Unering und Hochstadt sowie Andechs und Fischen befänden sich in der Planungsphase, berichtet Stabsstellenleiterin Weber. Die Evangelische Kirche in Bayern arbeitet außerdem an einem Jakobus-Radpilgerweg, der zum Teil durch das Fünfseenland führt, berichtet Pichlmeier. Bei der Routenführung ist daher auch er involviert. Federführend ist dabei Pfarrer Jürgen Nitz aus Landsberg, der zudem beim dortigen Fahrradclub ADFC aktiv ist.
Im Landkreis sollen "Mobilitätsstationen" entstehen
Außerdem soll eine ganze Reihe sogenannte Mobilitätsstationen im Landkreis entstehen, wo es Fahrräder, Autos oder auch E-Scooter zum Ausleihen gibt. Geld dafür könnte es aus einem Programm des Verkehrsministeriums mit dem Titel "Radoffensive Bayern" geben; der Förderantrag ist gestellt. Im Herbst soll eine neue Auflage der Radlkarte für den Landkreis veröffentlicht werden. In der aktuelleren Version sollen dann auch die Routen nach Mauern und von Gauting nach Neuried eingezeichnet sein.
Probleme gibt es gerade mit dem Radschnellweg, der eine hindernisfreie Verbindung zwischen München und Starnberg werden sollte: Die Gemeinden Krailling und Gauting halten ihn auf der vorgesehenen Trasse nicht für machbar, auch Starnbergs Bürgermeister Patrick Janik äußert sich ablehnend. So steht ein besonders ambitioniertes Vorhaben aus dem Ressort von Pichlmeier und Weber bereits vor dem Scheitern.
