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Psychosomatik im Kloster Dießen:Wenn die Seele schmerzt

Depressionen, Angstzustände, Internetsucht: In der neuen Klinik sollen bis zu 98 Patienten in mehrwöchigen Aufenthalten behandelt werden. Dazu gehört auch die Therapie mit Schafen, Hunden und Eseln.

Nach zweieinhalbjähriger Bauzeit ist am Mittwoch die neue psychosomatische Klinik im ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift Dießen offiziell eröffnet worden. Zum Festakt konnten die Artemed-Geschäftsführer Professor Rainer Salfeld und Clemens Guth etwa 70 geladene Gäste begrüßen; Chefarzt Professor Bert te Wildt stellte das medizinische Konzept des Hauses vor, in dem bis zu 98 Patienten aufgenommen werden können. In vier- bis sechswöchigen Aufenthalten sollen Depressionen, Angst- und Erschöpfungszustände, Essstörungen oder Verhaltenssüchte wie Internetabhängigkeit behandelt werden - aber auch somatoforme Störungen, also körperliche Beschwerden, für die sich keine organische Erkrankung finden lässt.

Dießen

In der neuen psychosomatischen Klinik im Kloster Dießen werden unter anderem Depressionen, Angstzustände und Internetsucht behandelt.

(Foto: Privat/oh)

Die ersten Privatpatienten werden nächste Woche erwartet. Das Konzept sehe aber auch vor, gesetzlich Versicherte aufzunehmen, man strebe an, "ein vollwertiges Akut-Krankenhaus" zu werden, sagt Guth. Am 9. Mai steht die Klinik erstmals allen interessierten Bürgern offen, wenn um 18 Uhr te Wildt über das Behandlungsspektrum der psychosomatischen Medizin referiert. Diese kostenfreien Patientengespräche sollen in Zukunft einmal monatlich angeboten werden. Außerdem wolle man das "Kunst- und Kulturleben in Dießen nicht nur nutzen, sondern auch bereichern" und etwa Ausstellungen und Filmabende veranstalten. Für ein Fachpublikum findet am 9. Juni ein Symposium statt, zu dem bereits 700 Anmeldungen eingingen: "So viele hatten wir noch nie", sagt Guth, der nicht nur das Haus in Dießen leitet, sondern auch als einer von drei Geschäftsführern der Artemed-Gruppe fungiert. Mittlerweile führt die Muttergesellschaft deutschlandweit 13 Kliniken, darunter auch die Benedictus-Krankenhäuser in Tutzing und Feldafing.

Chefarzt Bert te Wildt, Priorin Schwester Reinholda und Geschäftsführer Clemens Guth freuen sich auf ihre neuen Aufgaben in Dießen.

(Foto: Arlet Ulfers)

Wie diese beiden Einrichtungen soll auch die psychosomatische Klinik in Zusammenarbeit mit dem Klinikum Rechts der Isar ein Lehrkrankenhaus werden. In Tutzing habe man mit dem internistischen Arbeitsschwerpunkt den großen Bedarf für Psychosomatik erkannt, sagt Guth: "In der Schmerztherapie sind dort heute schon fünf Psychologen beschäftigt."

Noch aber ist hinter den vormaligen Klostermauern der Innenausbau nicht überall fertiggestellt. Michael Kneis, der zweite Dießener Geschäftsführer, hofft, das bis Juli alle Arbeiten abgeschlossen sind. Der Klinikbetrieb soll stufenweise aufgenommen werden, entsprechend der drei Stationen in den drei Obergeschossen des Gebäudetrakts. Das Erdgeschoss ist Einzel- und Gruppentherapien vorbehalten: Besonderes Schmuckstück ist ein lichtdurchfluteter Raum für Körpertherapie, dort fand am Mittwoch auch der feierliche Empfang statt. Aus diesem ehemaligen Nähzimmer der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul wird man künftig auf den Patientengarten und eine Schafweide blicken, denn auch die Therapie mit Schafen, Hunden und Eseln gehört zum Klinikkonzept. Die neue Priorin der Vinzentinerinnen, Schwester Reinholda Rast, sieht das räumliche Erbe ihrer Kongregation in guten Händen: "Wir freuen uns sehr, diese Räume für die Klinik zur Verfügung stellen zu können, das Menschenbild der Artemed-Gruppe stimmt mit unseren Vorstellungen von Würde und Spiritualität überein." Am 8. März hatten 60 Vinzentinerinnen aus dem neuen Haupthaus in Augsburg die künftige Klinik besichtigt, viele von ihnen hatten wie Schwester Reinholda in Dießen ihr Noviziat verbracht. Die Vizentinerinnen sollen die Klinik künftig seelsorgerisch unterstützen. Auch der erste von schließlich etwa 100 Mitarbeitern im Krankenhaus gehörte ursprünglich zum Kloster: Gärtner Johann Sailer wollte nicht mit nach Augsburg umziehen - "für uns war das in der Bauphase segensreich", sagt Kneis.