Prozess:Wortgefecht endet mit Faustschlag

Autofahrer verletzt Radler. Vor Gericht einigen sich die Beiden

Von Christian Deussing, Starnberg

Wegen eines Faustschlags ins Gesicht eines Radlers vor knapp drei Jahren bei Leutstetten hatte ein Autofahrer einen Strafbefehl von 120 Tagessätzen zu je 40 Euro (4800 Euro) kassiert. Zudem war dem heute 33-jährigen Münchner wegen vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr die Fahrerlaubnis entzogen worden. Dagegen wehrte sich der Informatiker am Montag vor dem Amtsgericht Starnberg und konnte mit seinem Einspruch zumindest einen Teilerfolg verbuchen. Denn nach Rechtsgesprächen einigten sich die Parteien darauf, den lange zurückliegenden Fall gegen eine Geldauflage von 4000 Euro einzustellen. Überdies erhält der Angeklagte nach mehr als zwei Jahren seine Fahrerlaubnis zurück. Die damalige Radfahrer-Gruppe sowie die Lebensgefährtin des Angeklagten, die als Beifahrerin dabei gewesen war, mussten im Prozess nicht mehr als Zeugen aussagen.

Laut Anklage hatte der Autofahrer beim Überholen einen Radler touchiert und ihn von der Straße in eine abschüssige Wiese abgedrängt. Danach lieferten sich die beiden Männer ein Wortgefecht, wobei der Angeklagte dem Radfahrer mit einem Hieb einen Bluterguss und eine Prellung an der linken Augenhöhle zugefügt habe, so die Staatsanwältin. Davon ging auch Richterin Christine Conrad weiterhin aus.

Allerdings hielt sie dem 42-jährigen Opfer vor, sich bei dem Streit auf der Straße genauso aggressiv wie der Autofahrer und nicht friedfertig verhalten zu haben. Das habe auch ein Handyvideo demonstriert, das im Gericht vorgespielt wurde. Darauf ist auch zu hören, dass der Diplom-Kommunikationswirt aus München seinem jüngeren Kontrahenten damit drohte, "ihn nass zu machen".

Der Faustschlag des Autofahrers sei also "nicht aus heiterem Himmel" erfolgt, betonte die Richterin. Darunter leide die Glaubwürdigkeit der Aussagen des Radlers. Er war in dem Verfahren als Nebenkläger aufgetreten.

© SZ vom 21.07.2021
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