Prozess vor dem Starnberger Schöffengericht Suchtkranker Mann bedroht Tennisspieler mit Axt

Der Vorfall endet glimplich. Weßlinger muss aber in Entziehungsanstalt

Von Christian Deussing, Weßling

Die Szenen, die sich vor zwei Jahren auf dem Weßlinger Tennisplatz abgespielt haben, erinnern an einen Horrorfilm: Ein Mann war wegen seiner Pöbeleien und Beleidigungen des Clubgeländes verwiesen worden, er kommt aber mit einem gestohlenen Fahrrad kurz darauf zurück und droht zwei Tennislehrern und vier Kindern laut Anklage mit erhobener Axt, ihnen "die Köpfe abzuschlagen". Die Buben und ein Mädchen lassen panisch ihre Schläger fallen und rennen schreiend davon. Einer der Trainer flüchtet zur Straße, hält ein Auto an und alarmiert die Polizei. Der Angeklagte ist ein arbeitsloser Weßlinger, der sich am Mittwoch vor dem Schöffengericht Starnberg wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung, Beleidigung sowie wegen Hausfriedensbruchs und Diebstahls verantworten musste.

Der 53-Jährige räumte die Taten im Prozess weitgehend ein, ohne sich aber an alle Details erinnern zu können. Der Mann sei damals erheblich alkoholisiert gewesen, habe unter Drogeneinfluss gestanden und einer Psychose gelitten, erklärte dazu eine psychiatrische Sachverständige. Sie hielt es für sehr wahrscheinlich, dass der Weßlinger an dem Tag "völlig in seinem Wahnsystem gefangen" und daher schuldunfähig gewesen sei. Dieser Erkenntnis folgte auch das Gericht und sprach daher den Angeklagten frei. Es wurde jedoch eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet - dieser Maßregelvollzug für den seit langem schwer alkoholkranken Mann, der einige Therapien schon abgebrochen hatte, könnte bis zu zwei Jahren dauern.

Richterin Christine Conrad und die Gutachterin versuchten zu ergründen, warum es zu dem gefährlichen Ausraster gekommen war - von dessen Folgen die Tenniskinder teilweise noch heute traumatisiert seien, wie die Staatsanwältin betonte. "Es tut mir vor allem wegen der Kinder alles unendlich leid", sagte der ehemalige Musiker mit leiser Stimme und schämte sich. Er habe damals noch unter der Scheidung, Depressionen und Wahnvorstellungen gelitten und geglaubt, dass der "Geheimdienst und Scientology ihn verfolgen" würden. Zudem habe er vermutet, dass "Kinder am Weßlinger See entführt und von Oberpfaffenhofen aus in die Schweiz geflogen werden, um sie dort zu vermitteln oder zu verkaufen", erzählte der Angeklagte. Und er sei überzeugt gewesen, dass der Tennisplatz in Weßling hierfür als "Drehkreuz" gedient habe.

Auch die Trainer, die den Mann nicht kannten, sollten sich vor Gericht an den furchterregenden Vorfall auf dem Clubareal erinnern. So berichtete der erste Übungsleiter, dass er den Besucher wegen seines unflätigen Benehmens zunächst von der Terrasse verwiesen habe, dieser aber wenige Minuten später wiedergekommen sei. "Er kroch mit der Axt durch das Gebüsch auf den Platz, grinste komisch und ging auf mich zu", sagte der 46-jährige Trainer. Er habe es mit der Angst bekommen und im Sprint die Flucht ergriffen. Der zweite Coach befand sich auf der anderen Seite eines hohen Metallzauns, der ihn vor einem Axtangriff schützte. Der Zeuge erwähnte auch einen Schraubenzieher, mit dem der "geistesgestört" wirkende Mann ihn habe abstechen wollen. Danach sei der Unbekannte verschwunden.

Im Prozess kam auch zur Sprache, dass der Angeklagte nur elf Tage vor diesen Attacken alkoholisiert in einem Germeringer Spielcasino einen Mann provoziert und ihm mit nacktem Oberkörper Faustschläge angedroht habe. Daraufhin soll der Kontrahent den Weßlinger mit einem Bierglas auf den Hinterkopf geschlagen haben. Bei diesem Vorfall ging das Gericht davon aus, dass der Angeklagte den Streit mutwillig ausgelöst und sich dabei auch in einer "psychotischen Phase" befunden habe.