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Prozess:Mieter greift Vermieterin an

Amtsgericht verurteilt den Starnberger zu Bewährungsstrafe

Von Christian Deussing, Starnberg

Ein rabiater Mieter ist nach Attacken gegen seine Vermieterin in Starnberg wegen vorsätzlicher Körperverletzung in zwei Fällen zu einer siebenmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Der vielfach, aber nicht einschlägig vorbestrafte Angeklagte hatte vor dem Amtsgericht die Vorwürfe zunächst beharrlich geleugnet, sie schließlich aber halbherzig eingeräumt. Der arbeitslose Security-Mitarbeiter muss zudem 360 Euro an ein Kinder- und Jugenddorf zahlen.

Der Anklage zufolge hatte der Starnberger im Dezember 2019 seine damals 74-jährige Vermieterin von hinten gestoßen, als sie nach einem von ihm ausgeliehenen Bügeleisen fragte. Bei dem Schubser sei die Rentnerin mit ihrem Gesicht frontal auf den Flurboden vor dem Zimmer des Mieters aufgeschlagen. Sie habe dabei eine blutende Nasenprellung und Schürfwunden erlitten, so der Staatsanwalt. Nach mietrechtlichem Streit habe der Angeklagte der Frau Monate später auf ihrer Terrasse die Arme auf den Rücken gedreht und sie am Nacken niedergedrückt. Der Ankläger wollte den 42-Jährigen für sechs Monate ins Gefängnis schicken, weil er keine günstige Sozialprognose des "Bewährungsversagers" mit seinen massiven, insgesamt 15 Vorstrafen habe erkennen können.

Dagegen hielt die Verteidigerin eine Geldstrafe für angemessen. Denn es habe sich um einen "internen Streit" gehandelt, bei dem sich ihr Mandant von der Mieterin auch bedrängt gefühlt habe. Zudem habe er sie nur aus dem Zimmer "hinausgeschoben", wobei sie eventuell über die Tierschwelle gestolpert sei, sagte die Anwältin.

"Er hat mich gestoßen und wollte mich kleinkriegen", erzählte die Vermieterin, die dem bulligen Sicherheitsmann körperlich hoffnungslos unterlegen war. So auch beim zweiten Vorfall, als er auf ihrer Terrasse stur sitzen geblieben war, während sie die Blumen goss. Plötzlich habe er ihre Arme gepackt und sie mit einem "entsetzlichen Griff" am Nacken mit dem Kopf nach unten gedrückt. "Ich sah die Steine im Blumentopf immer näher kommen, es tat wahnsinnig weh", schilderte die Vermieterin die bedrohliche Situation. Der Hausbewohner habe erst losgelassen und sei verschwunden, als ihr Enkel auf der Terrasse erschienen sei.

Die Richterin sprach von erniedrigender Gewalt des Mannes, der nicht mehr in dem Haus wohnt. Und sie missbilligte, dass er ohne Reue und Einsicht die Taten gestanden habe.

© SZ vom 05.03.2021
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