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Prozess:Komplexe Beziehung

Zeugin entlastet Angeklagten, der seine Frau vergewaltigt haben soll

Was passierte wirklich in der Hochzeitsnacht vor elf Monaten in einem Starnberger Hotel, in dem laut Anklage ein Afghane eine Landsfrau nach angeblich erzwungener Heirat viermal vergewaltigt und im Hotelzimmer eingesperrt haben soll? Der 23-jährige Angeklagte, der seit Ende September 2018 in Untersuchungshaft sitzt, bestreitet vor dem Landgericht München II die Taten - und auch die Anschuldigungen, vor der Hochzeit nach islamischen Ritus schon längere Zeit die 21-jährige Braut verfolgt und bedroht zu haben. Nun sagte am Mittwoch am dritten Prozesstag eine Asylhelferin aus, die den Angeklagten bis zu seiner Verhaftung betreut hatte.

Sie beschrieb den 23-Jährigen als einen "sehr schüchternen, einfach gestrickten und hilfsbereiten Mann", dem von der Familie der Frau noch vor der gemeinsamen Flucht aus Afghanistan hier die Ehe versprochen worden sei. "Nur wegen ihr ist er nach Deutschland gekommen", so die Zeugin vor Gericht. Doch der Asylbewerber sei von dem Vater der späteren Braut mit der Heirat zunächst immer wieder vertröstet und die Ehe hinausgezögert worden, erinnerte sich die Betreuerin vor Gericht. Es sei auch darum gegangen, womöglich die Verlobung aufzulösen und die Dinge über "Geld, Gold und solche Sachen" zu klären und abzuwickeln. Die Zeugin konnte nicht bestätigen, dass der Angeklagte die 21-Jährige bedroht und die verhängte Kontaktsperre umgangen habe. Es sei eher umgekehrt gewesen, denn die Frau tauchte an einer Bushaltestelle in Andechs, in einem Bus nach Hechendorf und in Seefeld auf - um wohl selbst den Kontakt zu provozieren und ihn somit belasten zu können.

Diese Aussagen scheinen den angeklagten Mann ein wenig zu entlasten. Und auch eine andere Flüchtlingshelferin berichtete davon, in dieser Familiengeschichte irgendwann nicht mehr gewusst zu haben, "wem man noch glauben kann und wer lügt". Die Zeugin gab an, von den Ängsten der jungen Frau gewusst zu haben, und dass diese keinerlei Gefühle für diesen Mann gehegt habe. Jedoch habe die 21-Jährige nach der Heirat und der Hochzeitsnacht "nicht wie eine gebrochene Frau gewirkt, die vergewaltigt worden ist", sagte die Zeugin, die auch keine äußeren Verletzungen erkannt und nichts von Ohnmachtsanfällen auf der Hochzeitsfeier und im Starnberger Hotel gehört habe.

Auch eine weitere Zeugin kannte als Arbeitgeberin die Braut sehr gut. Diese habe den Angeklagten als künftigen Ehemann abgelehnt und auch keinen Sex mit ihm haben wollen, zudem zeitweise eine andere Beziehung gehabt, erzählte die Zeugin. Es sei ihr nach der Hochzeitsnacht von der Afghanin geschildert worden, dass der Beischlaf nicht einvernehmlich gewesen sei. Sie habe ihr klar gemacht, dass in Deutschland auch in der Ehe die Partnerin nicht zum Geschlechtsverkehr gezwungen werden dürfe. Später sei die 21-Jährige aber wieder zur Polizei gegangen, um ihre Strafanzeige gegen den Bräutigam zurückzunehmen. Denn sie habe damit "einen großen Fehler gemacht", habe die Braut ihr gesagt.

An diesem Donnerstag werden die Eltern der Vermählten vernommen. Das Urteil fällt vielleicht noch am selben Tag.