Prozess "Freizügig mit Geld umgegangen"

77-Jähriger wirft Ex-Partnerin Betrug vor, sie wird freigesprochen

Von Christian Deussing, Gilching

Der 77-jährige Mann war in die recht attraktive und um 25 Jahre jüngere Pflegerin verliebt. Doch dann fühlte sich der wohlhabende Rentner ausgenutzt. Nach einem Streit und bereits verfasstem Ehevertrag hatte sich das Gilchinger Paar im Mai 2016 getrennt. Danach zeigte der Mann seine Ex-Partnerin wegen Betrugs an, weil sie ihm seine Darlehen von jeweils 10 000 Euro nicht zurückgezahlt und auf seine Kosten unbefugt mit ihrem Bruder für insgesamt 863 Euro seine Tankkarte benutzt habe.

Wegen dieser Vorwürfe musste sich die Pflegerin, die aus Osteuropa stammt, am Donnerstag vor dem Amtsgericht Starnberg verantworten - und wurde freigesprochen. Laut Anklage soll sie ihrem Lebensgefährten vorgetäuscht haben, dass ihre Familie in der Heimat von der "Kreditmafia" bedroht sei und sie das Geld daher dringend an ihre Mutter überweisen müsse. Stattdessen soll die Pflegerin jedoch das Geld für sich verwendet haben. Die weiteren 10 000 Euro überwies der einstige Unternehmer an eine Bank. Mit dem Deal habe er die aufgelaufenen Schulden seiner Partnerin von 25 000 Euro ablösen wollen, sagte der 77-Jährige als Zeuge vor Gericht. Er berichtete zudem davon, dass die Frau gleich nach dem Ehevertrag "nur noch über Geld gesprochen" habe. Er sei dann misstrausch geworden und habe an eine "Heiratsschwindlerin" gedacht.

Die Angeklagte stritt die Vorwürfe ab und betonte, das Geld nie erhalten zu haben. Und die Überweisung an die Bank sei nicht auf ihr Konto gegangen. Die 52-Jährige räumte aber ein, nach der Trennung seine Tankkarte genutzt zu haben - was allerdings von ihrem Ex-Partner limitiert erlaubt worden sei. Der konnte aber im Prozess keine Belege und Abmachungen vorlegen, die den Betrugsverdacht erhärtet hätten. Er bezeichnete aber ihre Geschichte von der Not der Familie im Ausland als "Schweinerei" und erzählte, dass die Angeklagte ihr abgemeldetes Auto aus der Tiefgarage gefahren habe. Doch den Wagen habe er als "Pfand" behalten wollen.

Selbst der Staatsanwalt plädierte schließlich auf Freispruch, weil betrügerisches Handeln nicht nachzuweisen war. Er sprach von einer Beziehung, in der "recht freizügig mit Geld umgegangen" worden sei. Das bewertete der Amtsrichter ähnlich und sprach im "Zweifel für die Angeklagte" die Frau frei. Sie fasste ihrer Verteidigerin freudig an den Arm und ging dann sofort aus dem Saal.