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Prozess:Drängler vor Gericht

Fahrer will Frauen mit Pferd zum Ausweichen zwingen

Der Fahrer war in Rage geraten: Auf der einspurigen Straße beim Starnberger Hundesportverein konnte er mit seinem Kastenwagen auf etwa 50 Metern zwei Frauen nicht überholen, die ein Pferd an den Zügeln führten. Weil der Starnberger den Ermittlungen zufolge auf das Tier und dessen Begleiterinnen zu dicht auffuhr, um sein Überholen zu erzwingen, kassierte der Mann wegen Nötigung einen Strafbefehl von 1600 Euro und einen Monat Fahrverbot. Zudem habe er die jüngere Frau beleidigt, erklärte die Staatsanwältin am Montag im Prozess vor dem Amtsgericht Starnberg. Doch der 77-jährige Angeklagte stritt die Vorwürfe vehement ab.

Die beiden Frauen seien in der Mitte gelaufen, nicht zur Seite gegangen und hätten sich unterhalten, schilderte der Unternehmer dem Gericht den Vorfall vor einem Jahr. Das Pferd sei dann rückwärts gelaufen und habe mit dem Hinterteil sein Auto berührt. Die Jüngere der beiden Frauen habe zweimal auf die Motorhaube gehauen, erzählte der Angeklagte, der anhand von Fotos auch die Situation auf der Nebenstraße schildern sollte. Doch seine Aussagen blieben vage und widersprüchlich, was Richterin Christine Conrad in der Verhandlung schnell auffiel.

Weinend und aufgeregt beschrieb die jüngere Reiterin die damalige Situation - und zwar deutlich anders. "Der Wagen ist von hinten immer näher gekommen und hat uns vor sich hergetrieben", sagte die 27-jährige Zeugin. Der Fahrer habe gehupt und sich wahnsinnig aufgeregt - bis sein Auto das Sprunggelenk des Pferdes touchiert habe, und sie mit ihrem Hintern kurz auf der Motorhaube gelandet sei. Danach habe der Mann mit "brachialer Gewalt rechts über einer Wiese überholt", erinnerte sich die Studentin an den Vorfall, bei dem ihre Mutter dabei gewesen war und gleich die Polizei alarmierte. Das Pferd und ihre Tochter blieben unverletzt.

Diese Version erschien dem Gericht glaubwürdig, zumal weitere Fußgänger die Sache wohl so ähnlich gesehen hätten, wie die Richterin betonte. Deshalb kam für sie jetzt eine härtere Strafe in Betracht, denn das Verhalten des Transportfahrers könne auch als gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr gewertet und mit sechsmonatigem Fahrverbot sowie Führerscheinentzug geahndet werden. Zudem hätte das angefahrene Pferd scheuen und aufsteigen und dies zu tödlichen Verletzungen führen können, sagte die Richterin. Sie riet dem Angeklagten, diese Konsequenzen zu bedenken, und erwähnte, dass er mit dem Strafbefehl noch glimpflich davon gekommen sei.

Dies verstand der Angeklagte offenbar und nahm nach zehnminütiger Rücksprache mit seinem Verteidiger den Einspruch gegen den Strafbefehl zurück.

© SZ vom 26.05.2020

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