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Protest:Widerstand gegen Kiesabbau

Kieswerk in Gräfelfing, 2018

Die Würmtaler wollen ihn nicht mehr, sie sehen den Wald und ihre Gesundheit in Gefahr: Kiesabbau der Firma Glück auf dem Martinsrieder Feld.

(Foto: Catherina Hess)

Die Bürgerinitiative "Rettet den Würmtaler Wald" kündigt Aktionen an

In den Würmtal-Gemeinden und den angrenzenden Stadtteilen von München formiert sich neuer Widerstand gegen Kiesabbau: Unter dem Sammelnamen "Rettet den Würmtaler Wald" hat sich eine orts- und parteiübergreifende Bürgerinitiative gegründet, die schon in dieser Woche mit einer ersten Großaktion in die Öffentlichkeit gehen will (www.rettet-den-würmtaler-wald.de). Vorbild der ersten Aktionen sind die erfolgreichen Demonstrationen und Sit-ins für den Erhalt des Hambacher Walds in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr.

Im Grunde geht es um zwei große Kies-Abbaugebiete: Um 42 Hektar am Grünzug Forst Kasten, hier wäre vor allem die Gemeinde Neuried direkt betroffen. Der Grundbesitzer - die Münchner Heilig-Geist-Stiftung - führt gerade mit der Gräfelfinger Firma Glück einen Rechtsstreit um Auskiesungsrechte bei Neuried. Glück, einer der größten deutschen Kiesunternehmer, pocht auf alte Rechte zur Auskiesung, die Stiftung dagegen will das noch nicht ausgekieste Gebiet europaweit ausschreiben, vermutlich zur Gewinnmaximierung. Alle relevanten Naturschutzverbände haben für den Kiesabbau hier negative Stellungnahmen abgegeben - mit wenig Aussicht auf Erfolg allerdings: Denn bei der riesigen Erholungsfläche handelt es sich um eine so genannte Vorrangfläche für den Kiesabbau, die Rechte dafür wurden schon vor Jahrzehnten vergeben.

Eine ganz andere Dimension bietet die zweite, bisher unangetastete Fläche, die die Firma Glück nun abbauen will: Das so genannte "Planegger Holz", auch Dickwiese genannt. Hier geht es - vorläufig - um 24 Hektar eines als Regionaler Grünzug und Erholungsfläche ausgewiesenen Gebiets am westlichen Ortsrand von Planegg - nicht weit von Maria Eich - bis hin zur Lindauer Autobahn. Das Gebiet wird vom Planegger Baron von Hirsch bewirtschaftet, aus seinem Umfeld ist zu hören, die Fläche sei wohl eher ein "Stangerlwald". Das empört Naturschützer um den Planegger Gemeinderat Herbert Stepp (Gruppe 21), seine Kollegin und Planegger Bürgermeisterin Anneliese Bradel und die Aktivistin Astrid Pfeiffer, eine Tochter des früheren Planegger Bürgermeisters Alfred Pfeiffer (SPD): Ein von Bürgern intensiv genutztes Naherholungsgebiet mit Tausenden von Laubbäumen und Gehölzen, Lebensraum auch für seltene Tierarten, sagt der Bund Naturschutz über das riesige Waldstück.

Im Regionalen Planungsverband sieht man dagegen eher "stark beschädigte Fichten". Es abzuholzen und wieder aufzuforsten sei eher ein Gewinn. "Für wen?", fragt die Bürgerinitiative und zeigt sich besonders erbost von der trickreichen Art und Weise, wie die Antragsteller die Genehmigung rechtlich durchsetzen wollen: Denn ab einer Fläche von 25 Hektar gibt es eine unbedingte Pflicht zu einer Umweltverträglichkeitsprüfung. Im Fall der Dickwiese wurden aber nur 24,4 Hektar beantragt. Hier hat das Landratsamt München als Genehmigungsbehörde nun weitgehend freie Hand: "Ein Schwarzseher, wer da keine Absicht dahinter vermutet?", fragen Astrid Pfeiffer und Anneliese Bradel.

Große Sorgen plagen auch die Anwohner der Germeringer Straße in Planegg. Schon heute fahren hier täglich mehr als 16 000 Pkw und immer mehr Lkw, sagt Martin Stübner, Sprecher einer bisher sehr erfolgreichen Bürgerinitiative gegen den zunehmenden Verkehr auf der heute schon völlig überlasteten Tangente quer durchs Wohngebiet. 352 zusätzliche Schwerlastwagen sollen nun täglich dazu kommen, hat der Bund Naturschutz errechnet. Glück spricht nur von 82. Auch wenn das Unternehmen sagt, der Verkehr werde über die Lindauer Autobahn das mitten in Gräfelfing liegende Kieswerk anfahren - glauben tun das nur wenige. Denn es ist kaum vorstellbar, dass sich die Gemeinde Gräfelfing mit einer derart hohen Zahl von zusätzlichen Lastern quer durch den Ort auf der Staatsstraße 2063 einverstanden zeigen wird. Also, fürchten die Planegger, wird der Verkehr wieder bei ihnen landen, zumal in Zeiten von Navigationsgeräten, die den kürzesten Weg anzeigen. Der Planegger Gemeinderat wird nach der Sommerpause eine Sondersitzung zum Thema Kiesabbau abhalten. Und am Sonntag, 7. Juli, startet die erste gemeinsame Aktion gegen weiteren Kiesabbau im Würmtal: Unter dem Motto "Die Hambacher Buche zieht in den Forst Kasten" trifft man sich um 11 Uhr am Parkplatz Waldkindergarten in Neuried. Gepflanzt werden soll symbolisch der Baum, der den "parents for future" als Auszeichnung für ihr Engagement geschenkt wurde.

© SZ vom 02.07.2019
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