bedeckt München 26°

Projekt Seehof in Tutzing:Zurück zum Hotel

Auf dem Filetgrundstück am See soll nach jahrzehntelangem Tauziehen nun doch ein kleines Vier- oder Fünf-Sterne-Haus entstehen. Der Gemeinderat spricht sich einstimmig für die Pläne des Architekten Burgstaller aus, die Bürgermeisterin spricht von einem "Meilenstein"

Das Projekt "Hotel Seehof" ist eine unendliche Geschichte in Tutzing. Der jahrzehntelange Streit um die Nutzungspläne auf dem 7000 Quadratmeter großen Filetgrundstück am Starnberger See mit zwei Bürgerentscheiden und vielen Eigentümerwechseln führte immer wieder in Sackgassen - trotz des dringenden Bedarfs an Hotelbetten in Tutzing und in der Region. Jetzt hat der Gemeinderat mit einstimmigem Votum sein Ziel bekräftigt, das Areal für ein Vier- bis Fünf-Sterne-Hotel mit 70 bis 80 Zimmer nutzen zu wollen.

Tutzing Seehof

Das alte Hotel, das Mitte April 2003 noch stand.

(Foto: Georgine Treybal)

Damit dürften die Pläne für eine Wohnbebauung und ein Boardinghaus endgültig vom Tisch sein. Dieses Vorhaben hatte der jetzige Eigentümer, die Schlosshotel Tutzing GmbH, offenbar bislang verfolgt. Eine Stellungnahme der Eigentümer-Geschäftsführung zur Entscheidung der Gemeinderäte, die auf ein Hotel pochen, war am Mittwoch nicht zu erhalten.

Die positive Entscheidung des Gremiums sei ein "Meilenstein", freut sich Bürgermeisterin Marlene Greinwald (FW). Sie wirkt erleichtert, dass es in puncto "Seehof" nun endlich einmal vorangehen könnte. Die Pläne, die der beauftragte Architekt, Professor Florian Burgstaller, vorgelegt habe, seien zu begrüßen. Denn die von ihm vorgesehenen drei- bis vierstöckigen Gebäude würden die Sicht von der Hauptstraße zum See nicht behindern. Auch das Hotel-Konzept sei plausibel und könnte funktionieren, ist die Rathauschefin überzeugt. Der Standort sei ohnehin optimal, zumal Tutzing auch mit der S-Bahn eine sehr gute Verkehrsanbindung habe und der Bedarf an Hotelbetten vorhanden sei.

Simulation Seehof

Deutlich schmäler wirkt die Fassade des geplanten neuen Seehofs in Tutzing. Simulation: Florian Burgstaller

Von der Toplage schwärmt auch Christoph Winkelkötter, Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung im Landkreis Starnberg. Dieses neue, einstimmige Votum der Lokalpolitiker sei ein "Superzeichen", die Hotelvariante jetzt weiterzuverfolgen und damit klare planungsrechtliche Vorgaben für mögliche Betreiber und Investoren anbieten zu können.

Winkelkötter denkt an ein Vier-Sterne-Hotel mit öffentlichem Restaurant, Wellness- und Fitnessbereich, Läden und Galerien im Erdgeschoss. Somit hätte der Hotelier weitere Standbeine, damit der Betrieb auch mit etwa 75 Zimmern rentabel ist und sich lohnt. Eine "Eiswerkstatt" wie in Starnberg und eine Imbissstation unter anderem für Radfahrer würden sich in diesem Fall womöglich anbieten, meint der Wirtschafts- und Tourismusexperte, der die Gemeinde beim Thema "Seehof" berät.

Wechselvolle Geschichte

Einst war der "Seehof" in Tutzing das Prachtstück der Gemeinde, eine vornehme Adresse, in der viel Prominenz verkehrte: Der Kunstmaler Anton Leidl zum Beispiel, die Pianistin Elly Ney, die Politiker Rudolf Hanauer, der damals junge Franz Josef Strauß, oder auch der Schauspieler und Sänger Hans Albers, der in Garatshausen wohnte und sich regelmäßig im Hotel ans Klavier setzte. Der Seehof war zuvor, im 19. Jahrhundert, mehrmals umgebaut worden. So soll er ein drittes und viertes Geschoss im Jahre 1899 bekommen haben - offenbar keine gute Idee. Denn der langjährige Besitzer des Hauses, Hermann Glotz, hatte bereits vor 20 Jahren diese Aufbauten als "zu schwer für das Gebäude" bezeichnet. 70 Jahre lang hatte seine Familie das Haus besessen. Während des Zweiten Weltkriegs mussten sie es schließen, das Heeres-Bekleidungsamt und die Wehrersatzinspektion waren darin untergebracht, 1945 wurde es ein Lazarett und dann eine Flüchtlingsunterkunft. Von 1947 wurde es wieder zum Hotel und sukzessive modernisiert. Die Familie Grotz verkaufte es 1988, anschließend diente es wieder als Flüchtlingsunterkunft. Im Jahre 2000 wurde es geräumt, drei Jahre später abgerissen. Abec

Winkelkötter verspürt nun wieder Rückenwind. Er verweist darauf, dass Tutzing bei Urlaubern, aber auch Tagestouristen und Ausflüglern einen guten Ruf hat. Dieses Potenzial müsse man nutzen. Ein Hotelbetreiber sollte auch Tagungsräume anbieten - schließlich sind die Evangelische- und die Politische Akademie am Ort. Winkelkötter betont, auch nachdem das Luxus-Hotelprojekt in Seeshaupt offenbar gescheitert ist: "Ein Vier-Sterne-Hotel am See wird bei einem richtigen Konzept sicher funktionieren."

Burgstaller hat ein Konzept vorgelegt, bei dem sich das Hotel in die Umgebung einfügt. Er zeigt auf, wie der Weg von der Ortsmitte entlang der Evangelischen Akademie zur Schiffsanlegestelle zum attraktiven Boulevard werden könnte.

  • Themen in diesem Artikel: