bedeckt München 12°
vgwortpixel

Porträt:Maler in Dießen, Archäologe in Germering

Franz Srownal

Auch im Ruhestand gut beschäftigt: Der ehemalige Germeringer Archivar und leidenschaftliche Maler Franz Srownal bei der Arbeit daheim in Dießen.

(Foto: Privat)

Franz Srownal, erster Stadtarchivar und freischaffender Künstler, feiert seinen 70. Geburtstag

Mit Franz Srownal hat in Germering vieles angefangen. In den 20 Jahren als Mitarbeiter im Kulturamt betrieb er die Gründung des Zeit-Raum-Museums, baute das städtische Archiv auf und leitete Ausgrabungen, die ganz neue Erkenntnisse über die Geschichte der Stadt hervorbrachten. An diesem Donnerstag feiert er seinen 70. Geburtstag in Dießen, wo er zu Hause ist und als freischaffender Künstler arbeitet, seine Leidenschaft gilt der Malerei.

Dass Srownal zum Pionier der Germeringer Archäologie werden sollte, lag nach seinem Kunststudium bestimmt nicht nahe. Der Künstler aus Neuburg an der Donau, der in Berlin und Augsburg studiert hatte, kam nach Germering, weil dort ein Leiter für die Kindermalschulen gesucht wurde. Srownal, der auch Pädagogik und Kunsttherapie studiert hatte, bewarb sich gemeinsam mit seiner Frau Angelika erfolgreich um die Position. Das war im Jahr 1990, Germering befand sich im Aufbruch, im Jahr darauf sollte die Stadterhebung erfolgen. Die Gemeinde, die 1978 aus zwei Orten zusammengelegt worden war, baute sich mit der Stadthalle und der Bibliothek ein Zentrum. Srownal wechselte ins Rathaus und wurde mit kulturellen Angelegenheiten betraut.

Günter Mayr, Leiter des Kulturamts, habe ihn mit dem Aufbau eines Archivs beauftragt, erzählte Srownal später. Die Bestände, auf die der Archivar zurückgreifen konnte, waren allerdings überschaubar. Der neue Mitarbeiter begab sich daher auf die Suche, im Staatsarchiv wurde er fündig. Außerdem fotografierte er selbst, befragte Einwohner und bat um alte Fotos. Aus Anlass der Stadterhebung unternahm Srownal die erste archäologische Grabung: "Ich wusste, dass 1971 und 1973 auf dem Krippfeld viele frühmittelalterliche Bestattungen zerstört worden waren." Dort setzte er an. Die Grabungen brachten ein frühmittelalterliches Amulett zum Vorschein, das als Vorlage des neuen Stadtwappens diente. Und nicht nur wegen des Amuletts war diese Grabung etwas Besonderes: Sie markierte zudem einen Wandel in der Erforschung der Germeringer Geschichte.

In den etwa 20 Jahren bei der Stadt schätzt Srownal die Zahl archäologischen Schürfungen auf etwa 50. Fotos davon finden sich im Buch "Leben in Germering", das Srownal und Ingeborg Schöchlin im Jahr 2004 herausgegeben haben. Darin enthalten sind auch viele Aufnahmen aus den Jahren 1904 bis 2004. Auf die Frage, was ihn als bildenden Künstler an Grabungen interessiere, sagte Srownal einmal, sie hätten viel mit dem Wesen der Kunst zu tun: "Man weiß zunächst nicht, was zu erwarten ist. Jedes Mal kommt ein völlig neuer Aspekt heraus."

Die Funde aus Germeringer Boden sollten nicht im Lager verstauben, sondern der Öffentlichkeit präsentiert werden. Diese Ansicht stand am Anfang der Gründung des Stadtmuseums. Nach einigen Debatten wurde beschlossen, der Ortsgeschichte im alten Feuerwehrhaus neben dem Rathaus Platz zu geben. Objekte aus etlichen tausend Jahren sind dort zu sehen. Freilich kann nur ein Ausschnitt dessen gezeigt werden, was bislang gefunden worden ist. Das Museum hat für Srownal aber auch noch eine zweite Aufgabe: Es diene der Identifikation der Bürger mit ihrem Wohnort. "Bei Germering denkt jeder an eine Trabantenstadt", sagte er in einem Interview zu seinem Abschied von der Verwaltung, "aber sie hat ganz alte Wurzeln."

Bei so viel Engagement für Germerings Geschichte musste die Kunst während der Berufsjahre zurückstehen. Das ist mittlerweile nicht mehr so: Seit mehr als sieben Jahren ist Srownal im Ruhestand. Er malt und stellt aus, oft zusammen mit seiner Frau, die Malerin und Bildhauerin ist. Im Sommer haben beide ihre Werke in Germering gezeigt, als Mitglieder der Ateliergruppe 27. "Ein Quantum Kunst" lautete der Titel der Ausstellung auf dem ehemaligen Wifo-Gelände. Für seine Arbeit ist Srownal auch ausgezeichnet worden. Die Grabungen brachten ihm bereits 1994 die bayerische Denkmalschutzmedaille ein. Seine Malerei und Grafik wurde im Jahr 2005 mit dem Johann-Georg-Fischer-Kunstpreis prämiert.

© SZ vom 28.11.2019
Zur SZ-Startseite