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Tutzing:Polizist soll Jugendliche missbraucht haben

Polizeiskandal in München

Im Landkreis Starnberg sieht sich ein Polizist heftigen Vorwürfen ausgesetzt. Er ist vom Dienst suspendiert und sitzt laut Landeskriminialamt in Untersuchungshaft.

(Foto: dpa)
  • Der Mann, der nach SZ-Informationen seit knapp 20 Jahren bei der Starnberger Polizei beschäftigt war, ist vom aktiven Dienst suspendiert worden und sitzt in Untersuchungshaft.
  • Offenbar sollen mehrere Jugendliche geschädigt worden sein. Die Zahl mutmaßlicher Opfer könnte sich noch erhöhen.
  • Der Polizist war längere Zeit Jugendwart bei der Feuerwehr.

Ein Polizist ist wegen des Verdachts, Jugendliche sexuell missbraucht zu haben, vor Kurzem in Tutzing verhaftet worden. Zudem soll die Wohnung des Tatverdächtigen durchsucht worden sein. Der Beamte, der nach SZ-Informationen seit knapp 20 Jahren bei der Starnberger Polizei beschäftigt war und Ende fünfzig sein soll, sitzt laut Landeskriminalamt (LKA) in Untersuchungshaft. Er ist bereits vom Polizeipräsidium Oberbayern Nord vom aktiven Dienst suspendiert worden, wie das LKA berichtet. Bereits im März hat den Angaben der Ermittlungsbehörde zufolge ein Vater der Polizei mitgeteilt, sein Sohn habe während eines Schülerpraktikums bei der Polizei einen Beamten kennengelernt, der ihm nach der Hospitanz pornografische Fotos und Filme geschickt habe. Laut LKA handelt es sich um denselben Polizisten.

Das Dezernat 13 des LKA - zuständig für interne Ermittlungen bei Straftaten von Polizisten - hat die fortlaufenden Ermittlungen übernommen. Demnach sei bekannt geworden, dass offenbar weitere Jugendliche geschädigt worden seien. Es sei nicht auszuschließen, das sich die Zahl der mutmaßlichen Opfer noch erhöhe, sagt ein Sprecher des Landeskriminalamtes. Die Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern, Jugendlichen und Schutzbefohlenen würden weiter laufen. Zudem werde geprüft, ob der Tatverdächtige noch mehr pornografische Schriften verbreitet habe. Er sei dazu weiter vernommen worden, erklärt der LKA-Sprecher, ohne weitere Details zu nennen. Auch der direkte Vorgesetzte des Beschuldigten, Starnbergs Polizeichef Bernd Matuschek, wollte sich mit Hinweis auf die Ermittlungen nicht äußern.

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Deren Auslöser war die Strafanzeige einer Rechtsanwältin im Februar diesen Jahres gegen den Hauptkommissar wegen sexueller Handlungen an einem Jugendlichen vor mehr als 15 Jahren. Die Kripo ging daraufhin dem Hinweis nach. Laut LKA soll sich der Verdacht sowie der weiterer sexueller Übergriffe bestätigt haben. Daraufhin wurde der Familienvater am 14. März festgenommen. Einen Tag später erging der Haftbefehl.

Der Polizeibeamte hatte sich in vielen Vereinen in Tutzing engagiert, war auch längere Zeit Jugendwart bei der örtlichen Feuerwehr und ist seit mehr als zehn Jahren Vorsitzender des Feuerwehrvereins. Er wurde für seine Verdienste und sein langjähriges Engagement ausgezeichnet. Der Starnberger Kreisbrandrat Peter Bauch und sein Vorgänger Markus Reichart beschreiben den Tutzinger als "sehr loyal, umgänglich und zuvorkommend". Sie haben erst am Montag von der Verhaftung des Mannes erfahren, der auch beim Kreisjugendring aktiv gewesen sein soll.

Geschockt reagiert hat auch der Kommandant der Tutzinger Feuerwehr, Markus Kuisl. "Wir sind entsetzt, das hat uns wie der Blitz getroffen", sagte er auf Nachfrage der SZ. Es habe nie einen Hinweis auf verdächtiges Verhalten gegeben, betont Kuisl. Er wolle mit den Mitgliedern der Feuerwehr und den Eltern transparent mit dem Fall umgehen und diesen aufarbeiten - und auch die Prävention mit Hilfe des Jugendamtes Starnberg stärken, damit sich solche Fälle nicht wiederholten. Es gehe darum, weitere Regeln einzuführen, um derartige Straftaten in der Zukunft zu verhindern, die auch den Ruf der Feuerwehr beschädigten, so Kuisl.

Einen Vertrauensbruch zwischen Eltern und Vereinen befürchtet nun auch die Tutzinger Bürgermeisterin Marlene Greinwald, nachdem der Fall in der Gemeinde ruchbar geworden ist. Auch die Rathauschefin zeigt sich betroffen - vor allem, dass ein Polizist als Tatverdächtiger verhaftet worden sei, der im Ort durch seine vielen Aktivitäten im Vereinsleben bekannt sei. Greinwald will sich weiter mit dem Fall beschäftigen. Wie es in dieser Sache weitergeht, ist unklar. Es gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung.