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Pöcking:Zur Kaffeestunde ins Waschhäusl

Pöcking, Wiedereröffnung Literaturcafé Waschhäusl

Wenigstens gibt's wieder Kaffee: Carola Krone (links) und Angela Stimmer vom Waschhäusl-Verein.

(Foto: Georgine Treybal)

Ein Jahr lang war das Literaturcafé geschlossen - nun gibt es sonntags To-Go-Betrieb

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Pöcking

In der Grünanlage hinter dem Alten Pfarrhaus in Pöcking herrscht ein Kommen und Gehen. Bei schönstem Frühlingswetter stehen die Spaziergänger Schlange und holen sich Kuchen oder Kaffee im Literaturcafé Waschhäusl. In gelöster Stimmung schlendern sie dann durch den Literaturgarten, um bei Bekannten stehen zu bleiben und sich zu unterhalten. Alle halten sie den vorschriftsmäßigen Abstand ein, die meisten tragen Maske.

Nach einem Jahr Corona-Zwangspause hat das Literaturcafé wieder geöffnet, allerdings nur im To-Go-Betrieb. Der Andrang ist groß. Offenbar hungern die Leute danach, dass sie endlich wieder einen Treffpunkt haben. Manche holen sich auch ein Buch aus dem Bücherschrank und setzen sich auf eine Bank, um zu schmökern.

Die Einrichtung wird ehrenamtlich vom Verein Literaturcafé Waschhäusl betrieben. Eigentlich habe man nie einen To-Go-Betrieb haben wollen, sagt die Vereinsvorsitzende Angela Stimmer. Schließlich ist das Café auf Lesungen, Gesprächsabende und Konzerte abonniert und soll Treffpunkt und Anlaufstelle für die Pöckinger sein. Doch wegen Corona ging ein Jahr lang nichts mehr, das Häusl war sogar im Sommer 2020 geschlossen. Nun habe man ein Zeichen setzen wollen, sagt Stimmer. "Wir wollen den Mitgliedern etwas bieten, damit sie sehen, es geht weiter."

Da der Verein Müll vermeiden will, war die Bedingung, dass es kein Wegwerfgeschirr beim To-Go-Betrieb gibt. Es wurde das Recup-System eingeführt. Man zahlt einen Euro Pfand für den Becher, kann ihn aber mitnehmen und in anderen Recup-Betrieben abgeben, wie in der Eiswerkstatt Starnberg oder im Café Max II. in Feldafing. Der Verein braucht Einnahmen aus dem Café dringend, denn die Beiträge der 163 Mitglieder dürfen laut Satzung nur für Kunst und Kultur verwendet werden. Zwar ist die Gemeinde großzügig, der Verein muss derzeit keine Miete zahlen. Aber es fallen dennoch laufende Kosten an.

Derzeit verwaltet der Verein nur den Bücherschrank im Literaturgarten. Im vergangenen Jahr mussten alle kulturellen Veranstaltungen ausfallen, sogar die Feier zum fünfjährigen Bestehen. Doch die Künstler hatten einen Teil der Gage als Vorauszahlung erhalten unter der Bedingung, dass sie auftreten werden, sobald dies wieder möglich ist. Das soll in diesem Jahr nachgeholt werden. Man müsse spontan planen nach den jeweils geltenden Hygienebedingungen, sagt Stimmer. Darüber hinaus soll es ein alternatives Kunstprojekt geben: Während eines Spaziergangs durch die Gemeinde können an bestimmten Stationen Texte und Gedanken von Pöckinger Bürgern über einen QR-Code aufs Smartphone heruntergeladen werden (Info: www.literaturcafe-waschhäusl.de). Der To-Go-Betrieb im Café Waschhäusl wird jeden Sonntag in der Zeit von 13 bis 17 Uhr angeboten.

© SZ vom 03.03.2021
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