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Orkan "Sabine":Sturm reißt Zirkuszelt nieder

Pöcking: Dominique Montelli vom Zirkus Montelli

Orkan Sabine hat das Stallzelt von Zirkuschefin Dominique Montelli niedergerissen und stark beschädigt.

(Foto: Nila Thiel)

Das Artisten-Duo Montelli strandet auf einer Wiese in Pöcking. Weil der Wind die Plane des Stalls beschädigt hat, müssen Ponys, Ziegen, Lamas und Esel notdürftig in einem Anhänger unterkommen.

Ein eingestürztes Zelt, schlammiger Boden und eisiger Wind: Auf einer Wiese an der Weilheimer Straße in Pöcking herrscht Durcheinander. Die Tiere des Zirkus Montelli stehen in einem Anhänger, da der Orkan Sabine am Montag das Stallzelt niedergerissen und stark beschädigt hat. Neun Tiere - Ponys, Ziegen, Lamas und Esel - stehen auf engem Raum in dem Transporter. "Man schaut zu, wie die eigene Existenz am Boden liegt und kann nichts dagegen tun", sagt Zirkusinhaberin und Artistin Dominique Montelli.

"Momentan ist es zu windig, um das Ausmaß des Schadens zu prüfen. Wir haben das Zelt vorerst auf dem Boden fixiert, damit es nicht wegfliegt und mehr Schaden entsteht. Den Tieren ist nichts passiert", berichtet die 34-Jährige. Eigentlich wollte sie zusammen mit ihrem 29-jährigen Mann Kevin Montelli an diesem Dienstag schon in Farchant bei Garmisch sein und dort Vorstellungen geben. Diese Station auf der Tournee des Wanderzirkus' fällt nun aus, weil sich das Ehepaar um die Reparatur kümmern muss. "Das Gestänge ist verbogen, und die Seitenplanen sind eingerissen; dafür brauchen wir die Hilfe von Zeltbauern, die auf Zirkusmaterial spezialisiert sind", sagt die Artistin. "Ich schätze die Kosten im vierstelligen Bereich. Wir fühlen uns hilflos, die finanzielle Lage ist erdrückend." Zudem hat sich Kevin Montelli beim Versuch, das Zelt zu retten, an der Schulter verletzt. "Man steht da und kann nichts tun, das ist das Schlimmste," sagt die Zirkusbesitzerin, "wir können den armen Tieren wegen des Winds nicht mal eine Koppel bauen." Schon seit zehn Tagen habe der Zirkus keine Vorstellungen mehr geben können. "Um keine Zuschauer zu gefährden, mussten wir unsere letzte Vorstellung in Pöcking ausfallen lassen", erzählt Montelli. Das bedeute aber auch, dass Einnahmen ausbleiben, während die Kosten weiterhin anfallen.

Ein festes Winterquartier hat das Ehepaar nicht. Beide Artisten kommen aus Zirkusfamilien und pflegen den Lebensstil ihrer Kindheit weiter. Vor sechs Jahren haben sie den Zirkus von Dominique Montellis Eltern übernommen. "Unsere Angehörigen touren selbst, da können wir mit keiner Hilfe rechnen." Auch sonst ist das Duo auf das Wohlwollen Dritter angewiesen, beispielsweise lässt sie ein Pöckinger Landwirt kostenlos auf seiner Wiese stehen. "Das Zirkusleben ist hart, wir haben selten mal die Chance, Rücklagen zu bilden." Die sieben Anhänger des Zirkus' muss Kevin Montelli mit einer Zugmaschine nacheinander zum nächsten Spielort fahren.

Pöcking: Dominique Montelli vom Zirkus Montelli

Die Tiere müssen in der Zwischenzeit im Anhänger ausharren.

(Foto: Nila Thiel)

Im Vorbeigehen sah Sabine Schmidt das eingestürzte Zelt des Zirkus' und wurde aufmerksam. "Es tat mir von Herzen leid, zu sehen, dass der Zirkus in Not geraten ist, und ich möchte die beiden auf jeden Fall unterstützen", sagt die Pöckingerin. "Ich war in einer Vorstellung, und das Programm der beiden ist super. Hut ab, was zwei Menschen leisten können."

Auf die Frage, warum man sich dieses harte Leben antue, sagt die Zirkusinhaberin: "Wir sind mit diesem Lebensstil großgeworden, und wir wollen diese aussterbende Tradition weitergeben. In der Zeit von Smartphone und Playstation ist es wichtig, etwas aufrechtzuerhalten."

Das Duo hat mehr als zehn Artistennummern im Programm. Von Feuerspucken über Drahtseilartistik bis zu Verbiegungskunst ist alles dabei. "Wir haben schon die umliegenden Schulen kontaktiert, vielleicht können wir dort ja ein Sondergastspiel ohne Tiere geben", so die 34-Jährige, "damit wäre uns sehr geholfen und gleichzeitig könnten wir Unterhaltung liefern."

© SZ vom 12.02.2020
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