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Pöcking:Sisis Mama - verrufen und verkannt

Der Historiker Christian Sepp hat die erste Biografie über Ludovika in Bayern verfasst. Entgegen dem herrschendem Vorurteil schildert er die Herzogin als sympathische Person

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Pöcking

Ludovika in Bayern, Mutter der Kaiserin Elisabeth, hat keinen guten Leumund. Es heißt von ihr, sie habe wegen ihrer Renommiersucht eine rigorose Heiratspolitik betrieben und ihre Töchter allen möglichen Herrschern angedient. In den Sissi-Filmen mit Romy Schneider wird Ludovika hausbacken dargestellt und suggeriert, sie habe zunächst Sisis Schwester Helene als Gemahlin für Kaiser Franz Joseph I. vorgesehen. Sisi und ihre Geschwister sollen eine viel engere Bindung zum Vater Herzog Max gehabt haben, als zur Mutter.

Das alles aber sind "falsche Behauptungen", betont der Historiker Christian Sepp: Heiratspolitik habe Ludovika nie im Sinn gehabt. Im Gegenteil, sie machte sich sogar Sorgen, ob die damals 15-jährige Sisi die Funktion einer Kaiserin ausfüllen könne. Auch dafür, dass eigentlich Helene als Hochzeitskandidatin vorgesehen war, gebe es laut Sepp keine Beweise. Fest stehe allerdings, dass keines der acht Kinder zum Vater eine gute Beziehung hatte; denn der Lebemann habe sich nie für sie interessiert. Sepp hat mit "Ludovika, Sisis Mutter und ihr Jahrhundert" die erste Biographie geschrieben, die seit dem Tod der Herzogin erschienen ist. In einem kurzweiligen Vortrag mit Lichtbildern, den Sepp in der Gemeindebücherei Pöcking hielt, revidierte er viele der Vorurteile, die sich seit Ludovikas Tod im Jahr 1892 hartnäckig halten.

Sepp referiert über Sisi Mutter

Christian Sepps Vortrag über das Leben der Herzogin Ludovika in Schloss Possenhofen fand in der Pöckinger Bücherei reges Interesse.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Das Leben von Ludovika könnte Vorbild sein für das Lied von den Königskindern, die nicht zusammenkommen konnten. Die Tochter des Bayerischen Königs Maximilian I. Joseph hatte sich in den portugiesischen Königssohn Dom Miguel von Braganca verliebt. Doch ihr Vater lehnte diese Beziehung ab. Ihren Cousin Herzog Max in Bayern wollte sie nie heiraten und auch er wollte Ludovika nicht haben. Dennoch wurden sie 1828 gegen ihren Willen verheiratet. Nur fünf Tage nach der Hochzeit traf ein Brief von Dom Miguel ein, der inzwischen König von Portugal war und um die Hand von Ludovika bat. Die Familie beschloss, ihr nichts davon zu erzählen. Doch Ludovika soll sich zeit ihres Lebens gefragt haben, was gewesen wäre, wenn sie Dom Miguel geheiratet hätte.

Fest steht, dass die Ehe mit Herzog Max nie glücklich war. Als er acht Wochen nach dem Tod des zweiten Sohnes seinen Zirkus im Münchener Herzog-Max-Palais eröffnete, zog Ludovika zu ihrer Mutter. Und als Max 1834 die Hofmarke Garatshausen und Possenhofen erwarb, "hatten sie genügend Platz, sich aus dem Weg zu gehen", erklärt Sepp. Ludovika verbrachte die meiste Zeit des Jahres in Possenhofen, das "zum Ort ihrer persönlichen Heilung" geworden sei. Ihr Gemahl lebte in München oder war auf Reisen. Dennoch gingen aus der Beziehung acht Kinder hervor. Als der österreichische Kaiser 1837 um Sisis Hand bat, soll Ludovika nur zugestimmt haben, "weil man einem Kaiser keinen Korb gibt".

Sepp referiert über Sisi Mutter

Herzogin Ludovika mit ihrer 1841 geborenen Tochter Marie.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die Hochzeit habe allerdings das Leben des relativ unbedeutenden Zweiges der bayerischen Adelsfamilie grundlegend verändert, meint Sepp. Denn "der Wert auf dem Heiratsmarkt" von Sisis Geschwistern stieg jetzt beträchtlich. Doch nicht nur Sisi, auch ihre Geschwister taten sich schwer mit ihrer neuen gesellschaftlichen Stellung und sorgten für Skandale. Marie wurde von ihrem Liebhaber geschwängert und Sophie Charlotte wollte sich scheiden lassen. Dennoch hielt Ludovika zu ihren Kindern, "egal was sie anstellten", urteilt der Historiker. Er bezeichnet Sisis Mutter als "sehr sympathische Person", mit der man gerne seine Zeit verbrachte.

Das Buch "Ludovika, Sisis Mutter und ihr Jahrhundert" von Christian Sepp ist im August Dreesbach Verlag erschienen und im Handel oder im Kaiserin Elisabeth Museum in Possenhofen erhältlich.

© SZ vom 25.06.2019
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