Pöcking:Sisi für Gehörlose

Pöcking: Wie der Video-Guide für Gehörgeschädigte funktioniert, lassen sich (von links) Landrat Stefan Frey, Anna Krott, Rosemarie Mann-Stein, Martin Langscheid und Bürgermeister Rainer Schnitzler von Maximilian Mayer erläutern.

Wie der Video-Guide für Gehörgeschädigte funktioniert, lassen sich (von links) Landrat Stefan Frey, Anna Krott, Rosemarie Mann-Stein, Martin Langscheid und Bürgermeister Rainer Schnitzler von Maximilian Mayer erläutern.

(Foto: Arlet Ulfers)

Das Kaiserin-Elisabeth-Museum in Possenhofen hat einen Guide mit Gebärdensprache

Von Cora Krüger, Pöcking

Ein kurzer, leichter Wischer über die Wange: Das ist die Gebärde für Kaiserin Elisabeth. Im Pöckinger Ortsteil Possenhofen ist ihr ein eigenes Museum gewidmet. Liebhaber können dort zahlreiche Bilder und Gegenstände der Kaiserin bestaunen und sich dabei von einem Audio-Guide führen lassen. Seit kurzem gibt es auch eine Version für Gehörlose.

Etwa 83 000 Menschen in Deutschland sind gehörlos, Angebote in Gebärdensprache sind jedoch Mangelware. "Barrierefreie Kommunikation wird immer noch oft vergessen", sagt Anna Krott von der Selbsthilfegruppe Gilchinger Ohrmuschel. Durch die Masern hat sie in ihrer Kindheit einen Hörschaden erlitten. Oft habe sie sich gewünscht, dennoch spontan und flexibel am Leben teilhaben zu können. Im Kaiserin-Elisabeth-Museum ist das kein Problem mehr. Neben einem Audio-Guide in den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch und Ungarisch gibt es für Besucher nun auch die Möglichkeit einer Videoführung in Gebärdensprache. Sie wurde von der Museums-Vorsitzenden Rosemarie Mann-Stein sowie Martin Langscheid und Anna Krott entwickelt. Die ursprüngliche Idee hatte Krott und hat damit bei Mann-Stein "offene Türen eingerannt". Die Museums-Vorsitzende hat von Anfang an einen großen Wert auf Barrierefreiheit gelegt. Um es rollstuhlgerecht zu machen, hat sie die Schwellen am Boden abmontieren lassen. Neben den normalen Guides auch einen in Gebärdensprache zu entwickeln, war deshalb naheliegend. "Ich finde es ganz wichtig, dass wir Barrierefreiheit im Sinne von Inklusion wirklich ernst nehmen", so Mann-Stein.

Drei unterschiedliche Stimmen standen für den Guide Auswahl. Um diejenige auszuwählen, die am besten für Gehörgeschädigte zu verstehen ist, haben Krott und Langscheid stundenlang Probe gehört. "Ein Genuss", findet Krott, die Liebhaberin der Kaiserin Elisabeth ist.

Auch der Behindertenbeauftragte für den Landkreis, Maximilian Mayer, wurde in die Entwicklung einbezogen. Vor drei Jahren habe die Zusammenarbeit mit Mann-Stein und Krott begonnen, erzählt er. Beim Video-Guide handle es sich aber nur um eines von vielen Projekten in der Region, die Barrierefreiheit ermöglichen sollen, verspricht Mayer.

Um den Guide verwenden zu können, müssen sich Besucher vorab die kostenlose App Hearonymus auf ihr Handy laden. Dort kann die Führung dann abgerufen werden. Das sei auch für das Museum eine "ideale Lösung", sagt Mann-Stein. Herkömmliche Audioguide-Systeme seien sehr teuer, durch die App könne jeder sein eigenes Gerät für den Rundgang nutzen. Sollten Besucher kein Smartphone besitzen oder die App aus einem anderen Grund nicht nutzen können, liegen im Museum drei Handys bereit. Diese können kostenlos ausgeliehen werden. Für einen Euro gibt es dazu auch Einweg-Kopfhörer.

Der Guide in Gebärdensprache ist bis jetzt noch nicht von Museumsbesuchern genutzt worden, sagt Mann-Stein. Zumindest die mehrsprachigen Audio-Touren kommen aber gut an. Das wünscht sie sich auch für den Video-Guide: "Ich hoffe, dass das Angebot von Barrierefreiheit gut angenommen wird."

Um das Museum zu besuchen, ist eine Anmeldung notwendig. Weitere Informationen und Öffnungszeiten unter www.kaiserin-elisabeth-museum-ev.de.

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