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Pöcking:Rettungsschwimmer auf dem Trockenen

Weil das Hallenbad die Hygieneregeln nicht einhalten kann und geschlossen ist, fällt das Wintertraining der DLRG aus

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Starnberg

Die Schwimmbäder haben derzeit geschlossen. Während das Seebad Starnberg nach dem Teil-Lockdown aber wieder öffnet, bleibt das Ozonhallenbad in Pöcking zu. Der Grund: Die Hygienevorschriften können nicht eingehalten werden. Das trifft die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft Pöcking (DLRG) hart; denn die Rettungsschwimmer sind auf regelmäßiges Training im Winter angewiesen. Und sie sitzen jetzt auf dem Trockenen. "Das ist ein Riesenproblem für uns", sagt DLRG-Sprecher Walter Kohlenz.

Sport in der Coronakrise - Schwimmtraining

Ins Seebad Starnberg kann nur die Jugendgruppe der Lebensretter ausweichen, so es wieder öffnet.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Nach der Schließung des Ozonhallenbads in Pöcking im Frühjahr hatte die DLRG in Starnberg nach Trainingsmöglichkeiten im Seebad gefragt. Die Kreisstadt sei dem Verein auch entgegengekommen, so Kohlenz. Nun dürfe dort die Jugendgruppe trainieren, doch damit seien die Kapazitäten des Seebads erschöpft.

Wie Stadtsprecherin Lena Choi bestätigt, hatte es Anfragen aus Pöcking und aus dem Landkreis gegeben. "Aber wir sind an unseren Kapazitätsgrenzen." Die Vergabe von weiteren Trainingszeiten ginge auf Kosten der privaten Besucher. Im Seebad trainieren laut Choi regelmäßig zehn Vereine und zehn Schulen zu speziell vorgegebenen Zeiten. Wegen des Teil-Lockdowns müssten die Vereine zwar eine Zwangspause einlegen. Die Sprecherin versichert aber: "Wir machen auf jeden Fall wieder auf, sobald von der Regierung grünes Licht gegeben wird." Chio zufolge gilt nach dem Frühjahrslockdown eine Einbahnregelung, um die Besucherströme zu lenken, und eine Obergrenze für Saunabesucher. Auf der Homepage gibt es eine Anzeige, die über die Auslastung von Bad und Sauna informiert, damit Besucher nicht eventuell vor verschlossen Türen stehen. Sollten die Vorschriften verschärft werden, könne das Bad dennoch geöffnet werden, ist sich Choi sicher. Denn die zugeführte Frischluft kann nach ihren Angaben aufgeheizt werden. Es sei sogar Querlüften möglich.

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Das Training der Rettungsschwimmer in Pöcking fällt derzeit flach, für DLRG-Sprecher Walter Kohlenz ist das ein Riesenproblem.

(Foto: DLRG/oh)

In Pöcking kann die Lüftungstechnik nicht auf die gesetzlichen Vorgaben umgestellt werden, wonach der Außenluftanteil 100 Prozent betragen muss. Die Gemeinde hatte dies im Frühjahr untersuchen lassen. Das Ergebnis: Frischluft kann erst ab einer Außentemperatur von 15 Grad zugeführt werden. Damit fällt der Betrieb des Schwimmbeckens zumindest in den Wintermonaten aus. "In Pöcking sind die Anforderungen nicht erfüllbar", sagt Gemeindeleiter Sven Neumann. Die Gemeinde habe deshalb das Wasser schon nach dem ersten Lockdown abgelassen und auf "Stillbetrieb" umgestellt. Das bedeutet, dass lediglich die Technik regelmäßig gewartet wird, damit sich keine Keime bilden. Die Schließung ist laut Neumann mit Schulen und Vereinen abgesprochen worden. "Begeistert waren sie nicht, aber wir haben keine andere Wahl." Das jahrzehntealte Bad war 2007 aufwendig saniert worden.

Bei der DLRG indes ist man besorgt. Während der Schließung in den Sommermonaten habe man auf den See ausweichen können, sagt Kohlenz. Doch jetzt "liegt unser komplettes Rettungsschwimmtraining brach". Der Aufbau habe Jahre in Anspruch genommen, ohne Training würden die Helfer weit zurückgeworfen. Weil die Nachwuchsausbildung flachfällt, "können ganze Jahrgangsgruppen fehlen", befürchtet der Sprecher. Auch die Kinder-Schwimmkurse fallen aus. Die Pöckinger Ortsgruppe bietet daher Online-Kurse für Eltern an, um Kinder ans Wasser zu gewöhnen. Auch die Jugend trainiert derzeit online. Doch diese Angebote ersetzen laut Kohlenz nicht das echte Schwimmen. Die DLRG hat nun angeboten, Pöcking bei der Ausarbeitung eines Hygienekonzepts fürs Hallenbad zu unterstützen, um wenigstens für das notwendige Training "ein Mindestmaß an Betrieb" zu ermöglichen.

© SZ vom 20.11.2020
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