Kulturaffine und entsprechend qualifizierte Menschen haben viel zu selten politische Ambitionen. Das Kulturreferat wird dann meistens mit dem Gemeinderatsmitglied besetzt, das den geringsten Widerstand leistet. In Pöcking war es anders: Es traf 1990 den Richtigen, als der damalige Bürgermeister Konrad Krabler bei der konstituierenden Sitzung des frisch gewählten Gemeinderats den Neuling von der PWG (Parteilose Wählergruppe Pöcking), Albert Luppart, zum Kulturreferenten ernannte. Nun hat dieser den Posten geräumt und hinterlässt eine große Lücke. „Mein Rückzug als Kulturreferent begründet sich auf der Tatsache, dass nun junge Kräfte in Pöcking wirken, die auch einen Wechsel wollen und insofern ist es an der Zeit, nach 36 Jahren auch hier loszulassen“, sagt der 64-Jährige.
Dass Luppart Kulturreferent wurde, war kein Zufall, setzte sein Weg zur Kultur doch auf einem hohen Niveau an. Der Bankkaufmann lernte schon 1981 Peter Maffay als Bankkunden kennen und beriet ihn in Finanzsachen. Vor allem, nachdem er an Maffays Wohn- und Wirkungsort Tutzing Filialleiter wurde. Trotz einer steilen Bankkarriere, die noch ein Stück darüber hinausführte, wurde die Zusammenarbeit mit Maffay enger, bis sie gemeinsam 2000 die Peter-Maffay-Stiftung konzipierten und Luppart nach ihrer Gründung deren Geschäftsführer und vor allem Netzwerker wurde. Nicht nur, weil er ein guter Finanzmann ist, sondern weil er bereits zehn Jahre lang in der Gemeinde sein Organisationstalent unter Beweis gestellt hatte. Es gelang ihm sogar, zur Eröffnung des Pöckinger Sportparks 1992 die Fußballmannschaft des FC Bayern für ein Freundschaftsspiel auf den Platz zu bringen. Luppart gründete den Faschingsverein und organisierte die Faschingsbälle. 1998 rief er das erste Straßenfest Pöckings ins Leben, das schnell einen hervorragenden Ruf genoss und im zweijährigen Turnus bis heute stattfindet.
In Pöcking rührte sich gewaltig viel, denn Luppart erwies sich als geschickter Netzwerker, Anstifter und Kommunikationsgenie, was dazu führte, dass er nicht alles selbst realisieren musste, sondern mit Idee, Anstoß, Unterstützung und unermüdlichem Dranbleiben die Dinge ins Rollen brachte. So kaufte die Gemeinde 2004 die Sammlung Heinemann, für die sich Luppart zusammen mit der Kunsthistorikerin Julianne Reister das Kaiserin-Elisabeth-Museum im Bahnhof Possenhofen einfallen ließ. Mit Susanne Seerieder (Bund Naturschutz und Gartenbauverein Pöcking) ersann er 2008 die „Nacht der langen Tafel“, die heute schon legendär ist.
„Aber natürlich auch sein Einsatz für das Beccult, mit der Überzeugung, dass Pöcking einen Ort braucht, wo sich die Menschen treffen, wo sie miteinander kommunizieren können, feiern können, wo Kultur gelebt werden kann. Die Gründung der Stiftung für Pöcking ist auch auf seine Initiative hin hervorgegangen, die heute aus dem kulturellen und sozialen Leben in Pöcking nicht mehr wegzudenken ist“, betont Pöckings Bürgermeister Rainer Schnitzler – nicht ohne daran zu erinnern, dass Luppart weiterhin Vorsitzender des von ihm gegründeten Fördervereins Beccult, des Gemeinde- und Kulturhauses, bleibt.
Das Profil des Tausendsassas schärfte Albert Luppart nicht nur als Kulturreferent, sondern erarbeitete es sich auch im Berufsleben und politischen Engagement. Und dies mit einer schier unglaublichen Effizienz. Nach 24 Jahren als Zweiter Bürgermeisters hat er zwar diesmal nicht mehr für diesen Posten kandidiert. Er bleibt aber auf Landkreisebene stellvertretender Vorsitzender und Kassier im Kreisvorstand der Freien Wähler und im Kreistag, in dem er 2008 sogar für einige Jahre zum ersten Stellvertreter des Landrats gewählt wurde.
Mit der Zeit wuchs Luppart in den „Inner Circle“ des Unternehmens Peter Maffay hinein und ist nicht nur für die Stiftung, sondern auch fürs „Family-Office“, Personal der Stiftung sowie für Abrechnungen und Verträge zuständig. Darüber hinaus ist er Geschäftsführer der Rea-Garvey-Stiftung „Saving an Angel“ (Kindernothilfe) und der Thomas-Haffa-Stiftung (Hilfe in schwierigen Lebenslagen) – beide mit Sitz in Tutzing – sowie Berater des Musikers Michael Patrick Kelly. Um nur die wichtigsten Posten zu nennen. „Mein Privatleben hat sich immer im Rahmen meiner aktiven Tätigkeit befunden“, bestätigt Luppart, was ohnehin schon zu ahnen war.


Das Aufgabengebiet des Kulturreferenten ist in der Regel nicht genauer definiert, erschloss sich daher für Luppart proaktiv aus den Interessen der Menschen, den Bedürfnissen der örtlichen Vereine und den infrastrukturellen Möglichkeiten, die er allerdings auch selbst zu optimieren bemüht war. Er hat stets ein offenes Ohr für seine Mitbürger und immer auch viele Ideen, wie sich ihre Wünsche erfüllen ließen. „Ich habe immer gesagt, wir müssen die Vielfalt des Hauses zeigen“, bringt er sein Anliegen im Beccult auf den Punkt. Das Erstaunliche: Er hatte keinen Etat. „Die Finanzierung seiner Aktivitäten war sehr projektbezogen“, erklärt Schnitzler. „Wir haben immer geschaut, dass wir bei entsprechenden Highlights Kommunalmittel zur Verfügung gestellt haben. Er hat auch immer versucht, durch Sponsoren seine Projekte mitzufinanzieren. Und darin ist er gut, was das Aktivieren von Sponsoren betrifft.“
Luppart sagt dazu: „Das hat man sich über viele Jahrzehnte aufgebaut. Das kann nicht ein anderer übernehmen, das geht nicht. Es gibt jetzt eine Veränderung, aber die neuen Leute müssen fleißig sein, müssen auch hingehen.“ Letzteres meint er in Hinblick auf die Veranstaltungen, die er alle stets bemüht war, selbst zu besuchen. Präsenz gehört zu seinem Erfolgsrezept, vor allem aber das Einfordern von Eigeninitiative, die in Pöcking erstaunlich bereitwillig übernommen wird.

Dort will allerdings niemand freiwillig in seine großen Fußstapfen treten. „In der konstituierenden Sitzung, wo wir die Referate besprochen haben, hat sich keiner gefunden, der das Kulturreferat als solches übernehmen würde“, bestätigt Bürgermeister Schnitzler. Der Posten des Kulturreferenten blieb daher unbesetzt. Die damit verbundenen Aufgaben wurden dem Dritten Bürgermeister Christian Fries (Grüne) übertragen, der bereits Leiter des Amts für Kultur und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Starnberg ist und als Historiker dort im Stadtarchiv arbeitet. Schnitzler zeigt sich optimistisch, dass Fries die nötigen Kompetenzen mitbringt. „Da muss er jetzt reinwachsen. Und wie er das ausfüllen wird, muss sich herausstellen.“ Albert Luppart zeigt sich hingegen eher enttäuscht: „Für mich ist es für Pöcking wichtiger, dass man ein Referat besetzt. Wir haben ein Kulturhaus und haben keinen Referenten. Das ist ein bisschen ein Armutszeugnis.“
Ob Peter Maffay noch einmal 14 Tage lang mit Anastacia im Beccult proben wird, oder Jonas Kaufmann mit dem Grandseigneur der Klavierbegleitung Helmut Deutsch sowie Michael Patrick Kelly samt Mannschaft dort CDs aufnehmen werden, bleibt abzuwarten. Zu den namhaften Pionieren im Pöckinger Kulturhaus gehörten auch Amelie Fried mit einer Lesung, die Iberl-Bühne und Jamaram. Die Weichen für einen erfolgreichen Kulturbetrieb sind also gestellt – und Lupparts Angebot für seine Nachfolger steht: „Dann gebe ich jedem auch die Hilfe für den Einstieg.“ Einen guten Rat hat er auch für den Posten: „Da darfst Du nie nach Wertschätzung buhlen oder Eitelkeit haben.“ Mit dem Förderverein bleibt Luppart dem erfolgreichen Kulturmontag mit Künstlern aus der Gegend als Organisator erhalten. Und einen Projektwunsch hat er auch noch: den „Watzmann“ von Wolfgang Ambros auf die Bühne bringen.


