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Sisis Vater:Ein Mann der Künste

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"Fahrt auf dem See" heißt das Bild von Gerasch mit Herzog Max, Prinzessin Elisabeth und Kaiser Franz Josef im Kahn vor Possenhofen.

(Foto: Treybal)

Herzog Max in Bayern, der Vater Sisis, war gut aussehend, vermögend, geistreich und gebildet. Er dichtete und diskutierte gern, trat zuweilen als Kunstreiter auf und war wie seine Tochter ständig auf Reisen

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Pöcking

In den Sisi-Filmen von 1955 und 2009 ist Herzog Maximilian in Bayern stets als warmherziger Vater der späteren österreichischen Kaiserin Elisabeth dargestellt worden. Doch die Realität sah anders aus. Die Familienidylle auf Schloss Possenhofen gab es nie. In seinem Vortrag "Sisis Vater - Herzog Maximilian in Bayern" zeichnete der promovierte Historiker, Kunstwissenschaftler, Buch- und Drehbuchautor sowie Regisseur beim Bayerischen Rundfunk, Bernhard Graf das Bild einer äußerst vielschichtigen historischen Persönlichkeit, die seiner Meinung nach eine ähnlich große Beachtung verdient hätte, wie König Ludwig II. Graf war am Samstag auf Einladung des Vereins Kaiserin Elisabeth Museum nach Pöcking gekommen. Nach seinem interessanten und sehr kurzweiligen Vortrag in der brechend vollen Gemeindebücherei zeigte Graf seinen Film über Sisis Vater, der zum Teil im Kaiserin Elisabeth Museum im Bahnhof Possenhofen gedreht und im Dezember vergangenen Jahres im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt worden ist.

Herzog Max war gut aussehend, sehr vermögend, geistreich, gebildet und charmant. Laut Graf erfüllte er damit alle Voraussetzungen, um das Multitalent zu entwickeln, das ihm nachgesagt wird. Sein Reichtum ermöglichte es ihm in München den Palast "Herzog Max Palais" zu bauen. Laut Graf war es ein "Spitzenbau" des Hofarchitekten Leo von Klenzes und mit einem eigenen Theater, Zirkus, Café sowie einer umfangreichen Bibliothek wesentlich prunkvoller, als die Münchener Residenz. Er war Dichter und verfasste unter dem Pseudonym "Phantasus" eine Reihe von Büchern. In seinem Café traf er sich mit Freunden, dichtete und diskutierte. In seinem eigenen Theater wurden seine selbst verfassten gesellschaftskritischen Revolutionsstücke aufgeführt. In seinem Zirkus trat er als Kunstreiter auf und in seiner Bibliothek las er viel und betrieb wissenschaftliche Studien. Zudem erwarb er zahlreiche Schlösser, darunter Garatshausen und Possenhofen, das zum Lieblingssitz seiner Familie wurde. Er indes bevorzugte Schloss Unterwittelsbach, auf dem er ausgedehnte Jagden veranstaltete.

Herzog Max war auch frei von jeglichem Standesdünkel und zeigte echtes Interesse für die Kultur und die Menschen. Dies machte ihn beliebt beim Volk, aber nicht bei seiner Familie. Mit ihr kam er nicht zurecht. Weil seine Mutter kränklich und sein Vater ein Misanthrop war, der keine Beziehung zu ihm aufbauen konnte, kümmerte sich sein Großvater um ihn. Sein Leben lang sehnte er sich danach, mit den Eltern in Harmonie zu leben. Auch seine Ehe mit Ludovika war unglücklich. Beide waren zu dieser Beziehung gezwungen worden und Max hielt stets Ausschau nach bürgerlichen Schönheiten. Neben seinen zehn Kindern mit Ludovika hatte er zahlreiche uneheliche Kinder, um die er sich kümmerte, was damals nicht üblich war. Er mutete Ludovika sogar zu, dass ihn die unehelichen Kinder besuchen durften. Ebenso wie später seine Tochter Sisi war er ständig auf Reisen. Er mischte sich aber genauso gerne inkognito unters Volk. Er war ein virtuoser Zitherspieler, komponierte und sammelte Volksweisen, was ihm den Titel "Zither-Max" einbrachte. Er spielte gerne in Tracht in Wirtshäusern auf und machte das Kegeln hoffähig. Seine Lieblingstochter Sisi durfte ihn zuweilen begleiten. Wenn er spielte, tanzte sie im Dirndl dazu und fing mit ihrer Schürze die Münzen auf, die ihr zugeworfen wurden. Später soll sie gesagt haben, das sei das einzige Geld gewesen, das sie ehrlich verdient habe. Sisi wendete sich später von ihm ab und kam nicht einmal zu seiner Beerdigung. Graf hat ein Buch über Herzog Maximilian geschrieben. Der Bildband wird im Herbst erscheinen.

© SZ vom 19.04.2016
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