Pöcking Dieser Mann will Schnaps neu erfinden

Der Pöckinger Oliver Bischoff hat schon in vielen verschiedenen Bereichen gearbeitet. Mittlerweile hat er sich auf Spirituosen spezialisiert - mit großem Erfolg.

(Foto: Arlet Ulfers)
  • Oliver Bischoff aus Possenhofen sorgt derzeit für Aufsehen in der Gastronomie: Er ist einer der kreativsten Schnapshersteller.
  • Seit 2013 gibt es die Marke "SissiS" erst. Heute produziert Bischoff bereits 25 000 Flaschen pro Jahr, die unter anderem auf dem Tollwood und auf der Wiesn ausgeschenkt werden.
  • Wegen der komplizierten Rechtslage wird der Schnaps allerdings nicht im Landkreis gebrannt, sondern am Bodensee.
Von Astrid Becker

Böse Zungen könnten ihm vielleicht einen Hang zur Unbeständigkeit nachsagen. Weitaus zutreffender dürften allerdings zwei ganz andere Attribute sein, um Oliver Bischoff zu beschreiben: Mut und Kreativität. Denn der 45-jährige Pöckinger hat sich in seinem Leben schon ziemlich oft neu erfunden. Weil er es so wollte, weil es nötig war oder weil es ihm einfach nur Spaß machte. Mal traf das eine zu, mal das andere. Wenn es allerdings um das geht, womit er derzeit ziemliches Aufsehen in der Gastronomieszene erregt, könnte es sich sogar mal um eine Lebensaufgabe handeln.

Bischoff macht nämlich in Spirituosen. Und das ist wahrlich keine einfache Sache, wenn man zum Beispiel bedenkt, dass derjenige, der sich auf die Herstellung von Schnaps kapriziert, um damit Geld zu verdienen, ein Brennrecht braucht. So ein Recht ist nichts, was man einfach so beantragen könnte.

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Denn ein Brennrecht für eine größere Menge, wie sie erzeugt werden muss, um damit Handel treiben zu können, liegt in der Regel auf einem Anwesen und wird von Generation zu Generation weitervererbt. Beides hat Bischoff nicht: weder ein solches Anwesen noch eine Familie, die sich von alters her mit dem Brennen von Schnaps beschäftigt hat. Trotzdem ist Bischoff derzeit in der Szene einer der aufsehenerregendsten Schnapshersteller.

Das mag zunächst an seinem Äußeren liegen: Der Mann, dessen Bart mehr Haare aufweist als sein Kopf, erscheint zum Pressertermin im einzigen Sternelokal des Landkreises, im "Aubergine" im Hotel Vier Jahreszeiten, in der Hirschledernen, in Weste und mit Trachtenhut. Authentisch schick auf der einen Seite, aber irgendwie auch wild. Früher sei er Punk gewesen, erzählt er. Auch heute wirkt er so, als ob er allenfalls mit dem Establishment der Gegenwart kokettiert.

Mit dem neumodischen Heimatgefühl zum Beispiel. Der Eindruck entsteht zumindest, wenn er auf die Frage, warum er seine Schnapsfirma in Possenhofen angesiedelt habe, ohne dort ein Brennrecht zu besitzen, antwortet, dass er schließlich dort aufgewachsen sei und: "Weil ich meinen ersten Rausch in Possenhofener Schlosspark hatte."

Bei dem Rausch, von dem er da spricht, spielte Schnaps allerdings noch keine Rolle, sondern vielmehr Bier. "Wir sind da immer rumgehangen, da waren wir so zwischen 14 und 20 Jahre alt", erzählt er. Und das "wir" in diesem Zusammenhang ist besonders wichtig. Denn mit dabei war zum Beispiel auch ein Kumpel, der später Brauer geworden ist und mit dem Bischoff heute seine Firma betreibt: Konrad Schraml. Dieser Kumpel braut heute kein Bier mehr, sondern arbeitet hauptberuflich im Merchandising für ein Plattenlabel im Düsseldorf. Im "SissiS" tritt er dann auf, wenn er sich mal wieder zu einem Heimaturlaub aufrafft.

Hier entstehen Brände und Geiste, die in der Gastroszene Aufsehen erregen.

(Foto: SissiS)

Bischoff hingegen widmet sich mittlerweile ganz dem Spirituosengeschäft. Dabei begann er nach der Schule erst einmal eine Ausbildung zum Verwaltungsbeamten im Münchner Kreisverwaltungsreferat. Schon dort habe er mit Gastronomie zu tun gehabt: "Meine Abteilung war für Konzessionen zuständig", sagt er. Nach der Ausbildung erkennt er, dass er studieren müsste, um mehr als 1800 Mark im Monat zu verdienen.

Also sattelt er um, erst auf Offsetdrucker, dann auf Mediengestalter. 1994 macht er sich zum ersten Mal mit einer Internetagentur selbständig. So wie Bischoff das betreibt, ist das zu dieser Zeit noch relativ neu. Viele große Münchner Firmen klappert er ab; Langenscheidt beispielsweise, das Staatliche Hofbräu, BMW, Krankenhäuser und viele mehr und erklärt ihnen, was E-Mails sind und warum sie besser als jedes Fax sein können. Offenbar mit Erfolg, denn seine Agentur wächst auf 30 Beschäftigte an.

In der allgemeinen Finanzmisere in den 2000ern wird es für ihr schwierig. Bischoff muss seine Firma 2002 verkaufen und sich wieder einmal neu orientieren. Diesmal versucht er sich im Vertrieb eines Familienunternehmens, das sich auf Medizintechnik spezialisiert hat. Doch in ihm keimt der Wunsch nach etwas "Handfestem, nach etwas mit der Region Verbundenem", wie er es im nachhinein beschreibt. Mit Schraml fährt er erst einmal in Urlaub: "Wir suchten Erholung und fanden "SissiS".