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Pöcking:Abschied von der "kaiserlichen Hoheit"

Mit Festzug und Requiem erweist die Gemeinde am Starnberger See Otto von Habsburg die letzte Ehre.

Pöcking - Pöcking trauert. Otto von Habsburg war Weltbürger, aber am Starnberger See war er zuhause. Mit ihm haben die Pöckinger nicht nur einen Prominenten verloren, sondern auch einen sehr beliebten Mitbürger. Viele nannten den stets freundlichen und sehr bescheidenen Mann "kaiserliche Hoheit", er selbst aber drängte sich nie in den Vordergrund. Daher ist es den Pöckingern ein Bedürfnis, persönlich von ihm Abschied zu nehmen. Seit gestern ist Otto von Habsburg in der St. Ulrichskirche aufgebahrt. Hier liegt ein Kondolenzbuch auf, die Kirche ist auch nachts geöffnet.

Die Straßen vor der Kirche sind weitläufig abgesperrt, vor dem Kircheneingang drängeln sich Kamerateams. Den Sarg des Verstorbenen schmückt eine Decke in den schwarz-gelben Farben der Habsburger, die mit dem Reichswappen, dem Familienwappen sowie dem Pan-Europa-Symbol versehen ist. Eine Abordnung der katholisch-österreichischen Landsmannschaft hält Mahnwache und wird gerade von der Schützenkompanie Zirl abgelöst. Auch Vertreter der Pan-Europa-Union sind mit einer Fahnenabordnung aufmarschiert. Die Abordnungen werden den Verstorbenen bis zu seiner letzten Ruhestätte in der Kapuzinergruft in Wien begleiten. Bereits am Morgen hatte der Salzburger Weihbischof Andreas Laun eine private Trauerfeier für die Familie gehalten. "Mein Vater war Ehrenbürger von Pöcking und hat mehr als die Hälfte seines Lebens hier verbracht. Es ist gut, dass hier alles zu Ende geht", sagte eine seiner Töchter, die schwedische Parlamentsabgeordnete Walburga Habsburg Douglas.

In Pöcking wird bis zum Requiem am Samstag Ausnahmezustand herrschen. Es werden Trauergäste aus dem In- und Ausland erwartet. So lange ist der Bereich vor der Ulrichskirche halbseitig gesperrt. Absolutes Halteverbot herrscht von der Sozialstation bis zum Gasthof Post sowie an der Hindenburgstraße ab Hauptstraße bis zur Beccostraße. Parkplätze sind an der Grundschule sowie am Sportpark ausgewiesen. Am Samstag, 9. Juli, 11 Uhr, findet ein Trauerzug von St.Ulrich bis zur Pfarrkirche St. Pius statt, zu dem alle Pöckinger eingeladen sind. Für diese Zeit werden Haupt- und Hindenburgstraße sowie der Piusweg bis zur Kirche komplett gesperrt.

Das Requiem um 14 Uhr wird Diözesanbischof Konrad Zdarsa zelebrieren. Eine weitere Trauerfeier ist am Montag in der Münchner Theatinerkirche geplant, am Dienstag sollen der Verstorbene und seine 2010 gestorbene Ehefrau Regina in die Wallfahrtskirche Mariazell überführt und am 16. Juli in Wien beerdigt werden.

Eines der wichtigsten Ziele von Otto von Habsburg war, dass Kroatien Vollmitglied in der EU wird. Dieser Traum hat sich für den ältesten Sohn des letzten Kaisers von Österreich und langjährigen Europaparlamentarier in der vergangenen Woche noch erfüllt.

© SZ vom 06.07.2011

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