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Pizzeria "Il Kiosko" am Steinebach:Italien liegt am Wörthsee

Wörthsee See Il Kiosko

Seit 30 Jahren sind Franca und Generoso Aurigemma in Steinebach als Gastronomen erfolgreich - früher mit ihrem Ristorante an der Hauptstraße.

(Foto: Georgine Treybal)

Vor 30 Jahren haben Franca und Generoso Aurigemma eine Pizzeria in Steinebach übernommen. Heute vermitteln sie den Besuchern des Il Kiosko am Badeplatz südländische Lebensfreude.

Es gibt Momente, in denen er seine italienischen Wurzeln nicht verleugnen kann. Zum Beispiel, wenn ein Gast bei ihm "Cappukkino" bestellt oder darauf besteht, dass "Gnotschi" seine Lieblingspasta sei. Dann kann es passieren, dass Generoso Aurigemma aus der Haut fährt. Weil er so eine Missinterpretation der italienischen Sprache und der italienischen Küche nicht ertragen kann. Zum Glück für ihn sind diese Momente in den 30 Jahren, die er nun schon als Gastronom in Steinebach verbringt - zuerst in seinem Ristorante in der Hauptstraße, nun in seinem "Il Kiosko" am See - immer seltener geworden.

Das mag daran liegen, dass der "Gene", wie ihn hier fast alle nennen, seine vielen Stammgäste sukzessive an das gewöhnt hat, was heute unter italienischem Lebensgefühl verstanden wird. Und damit sich und seiner Frau Franca ein Stück Heimat bewahrt hat. Denn als sich Generoso Aurigemma mit Anfang 20 als Wirt selbständig macht, übernimmt er ein kleines Lokal an der Hauptstraße in Steinebach. Im Sommer verkauften schon seine Vorgänger dort Eis, im Winter Pizza. Als Aurigemma, Jahrgang 1962, davon hört, ist er begeistert. Denn sein eigentlicher Beruf, Dreher und Spengler im Flugzeugbau, gefällt ihm nicht mehr. "Mich hat es schon immer in die Gastronomie gezogen", sagt er. Obwohl er in diesem Metier Autodidakt ist, gehört er nicht zu denjenigen, die keine Vorkenntnisse besitzen und trotzdem Wirt werden.

Denn bereits in seiner Kindheit, die er südlich von Neapel verbringt, dreht sich fast alles nur um Essen und Trinken. Aurigemmas Vater Carmine war 1960 als Gastarbeiter nach Germering gezogen, kurz vor der Geburt seines Sohnes Generoso holte er auch seine Frau Maria nach Deutschland. Weil sie zu dieser Zeit jedoch keine beheizbare Wohnung hatten, schicken die Eltern ihren kleinen Sohn zur Großmutter nach Italien zurück. "Sie hatte einen Bauernhof, und da war es ganz normal, alle eigenen Erzeugnisse für das ganze Jahr zu konservieren: Wir trockneten Tomaten, wir legten Gemüse ein, wir machten Käse oder auch Salami aus unserem eigenen Vieh."

Seine Kindheit verbringt Aurigemma also in der Küche seiner Oma. Mit sieben Jahren holen ihn seine Eltern nach Deutschland. Ein Schock für den Buben, der sich bis dahin mit seinen vielen Freunden auf dem italienischen Land völlig frei bewegen konnte. In Germering angekommen, ist er ein Fremder. Er spricht keinerlei Deutsch zu diesem Zeitpunkt, was auf viel Unverständnis stößt. Eine unangenehme Erfahrung, die auch Aurigemmas Frau Franca nachempfinden kann. 1973 kommt sie, ebenfalls als Siebenjährige, von Sizilien nach Aubing. Auch sie war, zusammen mit ihren fünf Jahre älteren Schwester, bei den Großeltern aufgewachsen, weil Vater und Mutter in Deutschland arbeiteten. Was anfangs so schwierig erscheint, wird in den Jahren für beide immer besser: Sie lernen die Sprache, sie fühlen sich immer wohler in der einst so fremden Gegend.

Sie lernen sich in der Eisdiele kennen

Als gemeinsame Freunde Franca eines Tages in Generosos Eisdiele mitnehmen, lernen sich die beiden kennen und verlieben sich. Nur drei Monate später kündigt Franca ihren Job als Kosmetikerin und Friseurin: "Dieser Beruf war eh' nicht meins", sagt auch sie. Noch so eine Gemeinsamkeit, die sie mit ihrem Mann verbindet.

Sie steigt in Generosos Lokal ein, am 31. Januar 1987, genau ein Jahr, nachdem sie sich kennengelernt hatten, heiraten sie. Gemeinsam verwandeln sie die einstige Eisdiele zunächst in eine Pizzeria, später in ein richtiges italienisches Restaurant. Immer wieder erfinden sie sich dabei neu: "Weil man sich immer verändern und an sich wachsen muss - in allen Bereichen", sagen sie. Diese Einstellung pflegen sie auch in ihrem "Il Kiosko", schon allein bei der Auswahl neuer und unbekannter Produkte - wie zum Beispiel der fast hohlen Pommes aus Frankreich, die es nur dort gibt, oder des Hechendorfer Bio-Grüntees aus der Flasche namens "Kano".

Lange hatten die Aurigemmas davon geträumt, ihr Ristorante an den See zu verlegen. Die Chance ergibt sich 2009, als der in die Jahre gekommene Kiosk am Birkenweg durch einen Neubau ersetzt werden sollte. Anfangs betreiben sie beide Lokale parallel. "Das war hart", sagen sie heute. Generoso Aurigemma wird krank, bekommt vier Bypässe gesetzt. Das Paar gibt sein Restaurant auf und setzt ganz auf seinen Betrieb am See. Eine Entscheidung, die sie nicht bereuen - auch weil sie, wenn es regnet oder stürmt, mehr Zeit füreinander haben. Nur dann bleibt "Il Kiosko" geschlossen. Auch das haben die Gäste von Franca und Gene mittlerweile verstanden.