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Photovoltaik:Auf den Dächern tut sich was

Die Energiegenossenschaft Fünfseenland baut und betreibt Photovoltaik-Anlagen. Die nächste große entsteht in Berg

Die Energiewende kommt zu langsam voran im Landkreis Starnberg. Da ist sich Gerd Mulert einig mit der Klimaschutzmanagerin Josefine Anderer-Hirt. Per Grundsatzbeschluss hat sich der Starnberger Kreistag das Ziel gesetzt, die Region bis zum Jahr 2035 vollständig mit erneuerbaren Energien zu versorgen. "Das ist nicht zu schaffen in dem Tempo, das wir jetzt gehen. Das geht viel zu langsam", sagt der Vorsitzende der Energiegenossenschaft Fünfseenland (EGF) in seinem Büro in Herrsching bei einer Zwischenbilanz über seine Arbeit. "Da muss der Knoten noch platzen", meint er.

Tatsächlich ist der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch noch nicht allzuhoch, wie aus dem Energiebericht des Landkreises hervorgeht, der auf den Zahlen von 2017 basiert. Mit Ausnahme von Berg, wo die Generatoren in vier Windrädern Strom produzieren, liegt dieser Anteil nach diesen Daten in allen anderen Gemeinden im Landkreis unter 20 Prozent, teilweise nur bei drei Prozent, und das 13 Jahre nach dem wegweisenden Kreistagsbeschluss. "Die Energiewende scheint ins Stocken geraten zu sein", befürchtet Mulert.

Die größte Rolle spielt bei den erneuerbaren Energien die Photovoltaik, und das dürfte auch ein Verdienst von Mulert und der Genossenschaft sein, die er immer noch in ehrenamtlicher Funktion leitet. Seit der Gründung der Initiative, die aus der Lokalen Agenda 21 und dem Energiewendeverein des Landkreises entstanden ist, haben er und seine Mitstreiter schon viele Solaranlagen geplant und konzipiert, finanziert oder zumindest angeregt. Einige werden immer noch in Eigenregie betrieben, etliche sind aber auch vermietet. Elf Anlagen mit Leistungen von zwölf bis knapp 50 Kilowatt betreibt die EGF im Auftrag von insgesamt acht Bürger-Gesellschaften: allein acht in Gilching, zwei in Herrsching und eine in Tutzing. Neun Anlagen in Tutzing, Berg, Andechs, Gilching, Herrsching, Wörthsee und Weßling besitzt die Genossenschaft selbst. Zum Teil sind sie an die Dachbesitzer vermietet. Die leistungsstärkste Anlage auf einem Dach und einem Carport in Höhenrain hat 132 Kilowatt.

Das nächste Projekt wird noch einmal erheblich größer. Auf dem Dach eines Gebäudes der Munich International School (MIS) in Buchhof in der Gemeinde Berg ist eine Photovoltaik-Anlage mit 200 Kilowatt geplant. Dabei geht es um eine Investition in einer Größenordnung von knapp einer Million Euro. Selbst ein Projekt in diesen Dimensionen kann die Genossenschaft mittlerweile stemmen. Eine Rundmail an die Mitglieder hat gereicht, um Zusagen über insgesamt eine halbe Million Euro zu bekommen, berichtet Mulert. "Das Vertrauen in uns ist hoch", weiß er. Die Darlehen laufen über zehn Jahre; die Kreditgeber dürfen mit einer Rendite von bis zu vier Prozent rechnen. In diesem Fall kann Mulert zufrieden sein. In anderen nicht. Viel zu selten werde bei der Planung von Neubauten daran gedacht, auch eine Photovoltaik-Anlage zu installieren, bedauert er.