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Pfarrer Jürgen Fliege:Experte für Gott & Co

Der ehemalige Fernsehpfarrer Jürgen Fliege versucht jetzt auf dem Esoterik-Markt sein Glück. Gott habe ihn geschickt, um den Menschen in die "spirituellen Schuhe" zu helfen, sagt er.

Als Fernsehpfarrer hatte er ein Millionenpublikum. Aber auch vor hundert Zuhörern in der Starnberger Schlossberghalle legt sich Jürgen Fliege am Samstag mächtig ins Zeug, kniet sich auf die Bühne und breitet die Arme aus, um dieses Vater-Mutter-Kind-Ding zu erklären, streckt die Arme weit nach oben, wenn er über das Göttliche redet. Allerdings geht es beim Esoterik-Kongress "Seelentor 2011" mehr um Vorbestimmung und Verheißung. "Der liebe Gott hat mich geschickt, um den Menschen in die spirituellen Schuhe zu helfen", glaubt Fliege.

Landeskirche leitet Disziplinarverfahren gegen Juergen Fliege ein

Pfarrer Jürgen Fliege versucht jetzt auf dem Esoterik-Mark sein Glück.

(Foto: dapd)

Diese Art von Sendungsbewusstsein, und vor allem Flieges Geschäftstüchtigkeit im Grenzbereich zwischen Kirche und Esoterik, gefällt der Amtskirche offenbar weniger. Sie hat gegen den 64-Jährigen vor einiger Zeit ein Disziplinarverfahren angestrengt. Dabei geht es unter anderem um eine "Fliege-Essenz" mit Segen, die der ehemalige Fernsehpfarrer für 39,95 Euro anbietet. Sie ist Teil eines kleinen Fliege-Universums, zu dem auch Fliege-Magazin, Fliege-Bücher und Fliege-Reisen gehören. Und womöglich könnte das Disziplinarverfahren, wie die Rheinische Post am Wochenende berichtet, noch ausgeweitet werden, weil in einem nicht von Fliege verfassten Artikel im aktuellen Magazin praktische Tipps zum Kirchenaustritt gegeben werden.

Die Besucher in Starnberg stört dies nicht. Vor allem Frauen lauschen andächtig dem Ruhestandspfarrer aus Tutzing. Eineinhalb Stunden spricht er mit bedächtiger Stimme. Und das mit einer Eindringlichkeit, als würde er jetzt gleich in einen seiner Fans hineinschlüpfen wollen.

Überhaupt sind sie alle sehr lieb miteinander bei dem Treffen, das die Starnbergerin Bärbel Schlamp nun zum dritten Mal organisiert hat. Hunderte sind zum Teil von weit her angereist. Während Fliege am Samstag im großen Saal predigt, gibt es draußen Lebenshilfe aller Art: Zwei Minuten Beratung für nur fünf Euro ("Messeangebot"), den Wunderstein aus Tsesit aus Namibia für 15 Euro oder "Energiekörperbetrachtung durch inneres Sehen" für zehn Euro. Als Messe möchte Veranstalterin Schlamp das Ganze aber nicht bezeichnen, weil ihr das zu kommerziell klingt. Lieber spricht sie von einem "Ort des Bewusstseins".