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Pandemie im Landkreis Starnberg:Freiwilliger Reihentest für Schüler

Herrsching Volleyball Bundesliga GCDW, Nikolaushalle

Vom Sportzentrum zum Klassenzimmer: die Nikolaushalle Herrsching bei einem Spiel vor vier Jahren.

(Foto: Georgine Treybal)

Landratsamt will zum Start des Präsenzunterrichts das Infektionsrisiko verringern.

Von Astrid Becker, Leonie Daumer und Lisa Hamm, Starnberg

Es geht wieder los. Von Montag, 22. Februar, an ist für Grundschulen, Abschlussklassen und Förderschulen in Bayern Wechselunterricht beziehungsweise Präsenzunterricht zugelassen, wenn ein Sicherheitsabstand von 1,5 Metern zwischen den Schülern gewährleistet ist. Um die Infektionsgefahr zu minimieren, haben das Landrats- und das Schulamt Starnberg das Testzentrum Gilching mit einer Sonderschicht am Wochenende beauftragt: Schüler und Lehrer aller Schulen im Landkreis können sich von 8.30 bis 16.30 Uhr einem freiwilligen, kostenlosen PCR-Reihentest unterziehen.

Die Schulen geben dafür einen Code an ihr Personal und an die Eltern heraus, mit dem diese auf der Homepage des Testzentrums einen Termin vereinbaren können. Die Ergebnisse sollen rechtzeitig zu Schulbeginn verfügbar sein. Vereinzelt engagieren die Schulen auch Vertragsärzte für eigene Tests der Lehrer; das Otto-von-Taube-Gymnasium hat das am kommenden Dienstag vor. Ein negatives Testergebnis sei keine Voraussetzung dafür, am Unterricht teilnehmen zu können, und werde auch nicht abgefragt, teilt die Kreisbehörde mit.

Starnberg

Im Gymnasium Starnberg wird die komplette Q 12 Präsenzunterricht haben. Die Schüler könnten alle im Gebäude untergebracht werden, heißt es im Gymnasium. In der Grundschule Percha gibt es von Montag an Wechselunterricht. Was die Notbetreuung betrifft, hofft man darauf, dass die Eltern diese Einrichtung nur in Notfällen beanspruchen. Denn die Lehrkräfte seien bereits "im Unterricht eingebunden".

Gauting

Auch Sylke Wischnevsky, Direktorin des Otto-von-Taube-Gymnasiums in Gauting, kann die gesamte Q12 am Montag wieder im Präsenzunterricht willkommen heißen. Kleinere Kurse könnten in den Klassenzimmern, größere im Computerraum gehalten werden, in dem es besonders viel Platz zum Abstandhalten gebe. Die Lehrer seien deshalb "mit dem Metermaß durch die Fachräume gegangen" und hätten Punkte an den Stellen aufgeklebt, an denen die Schüler sitzen können. Für Klausuren erwäge man, in Zukunft die Turnhalle zu benutzen.

In der Realschule Gauting bleibt es laut Konrektor Reinhard Schlamp erst mal beim Hybridunterricht mit täglichem Wechsel. Man habe sich zwar überlegt, die Turnhalle oder einen Mehrzweckraum zu benutzen. Dort aber gebe es keine Möglichkeit, die nötigen Ladestationen und Programme zu installieren. Denn die Schüler arbeiteten alle mit Ipad, generell würden für den Unterricht allerhand technische Einrichtungen benötigt.

Gilching

Auch in Gilching wird für den Präsenzunterricht viel Aufwand betrieben. Im Christoph-Probst-Gymnasium können durch die Nutzung großer Räume alle 150 bis 160 Schüler der Abschlussklasse Q12 an Ort und Stelle unterrichtet werden, sagt Schulleiter Peter Meyer. Der Mehrzweckraum sei in ein Klassenzimmer für 30 Schüler verwandelt worden. Das sei wichtig, da einige Oberstufenkurse mit 28 Schülern besetzt seien. Weiterhin wurden Mensa und Aula zu Klassenzimmern umfunktioniert, beide hätten eine "hervorragende Lüftungsanlage". Die Hausmeister seien mit den Vorbereitungen "rund um die Uhr beschäftigt" gewesen. Abstandsschilder mussten erneuert, Gänge unterteilt werden. Mit den elften Klassen, die vielleicht schon bald wieder zum Präsenzunterricht kommen dürfen, werde es "logistisch schwierig", so Meyer. Denn sie seien nicht in einem gesonderten Trakt wie Fünft- und Sechstklässler untergebracht.

Herrsching

Ganze Klassen zeitgleich zu unterrichten, ist in Coronazeiten ein schwieriges Unterfangen. In Herrsching hat man daher große Anstrengungen unternommen, um dies zumindest den Abschlussklassen der Christian-Morgenstern-Mittelschule zu ermöglichen - zum Beispiel in der Nikolaushalle, in der der Volleyball-Bundesligist "Der Geilste Club der Welt" nach wie vor Heimspiele bestreitet. So auch an diesem Samstag. Die Umbau der Halle in zwei Klassenzimmer soll dann am Sonntagmorgen geschehen - logistisch nicht ganz einfach. Denn die Volleyballer werden noch mindestens ein weiteres Spiel, eine Woche später, dort bestreiten. Der Boden, der extra dafür einzogen wird, soll daher verbleiben: "Der ist aber kleiner als die Halle selbst, daher werden wir noch für einen extra Boden an den Rändern sorgen", erzählt Bürgermeister Christian Schiller. Die Volleyballer hätten sich sogar überlegt, doch in ihre zweite Spielstätte auszuweichen, den Audidome. Doch das koste sie 30 000 Euro Miete, "und das bei null Einnahmen, sie dürfen ja keine Tickets verkaufen", so der Rathauschef: "Das ging also alles nicht, aber ich bin froh, dass wir nun eine gangbare Lösung gefunden haben, um den beiden Klassen Präsenzunterricht zu ermöglichen."

Tutzing

Das Gymnasium Tutzing hat Aula, Turnhallen und Mensa aufwendig hergerichtet, um der ganzen Q 12 wieder Präsenzunterricht zu ermöglichen, sagt Schulleiter Andreas Thalmaier. Die kleinen Kurse des Abijahrgangs mit zwölf oder weniger Schülern könnten in den Klassenzimmern unterrichtet werden, weil dort genug Platz sei. Bei den großen Kursen würden die Schüler auf fünf Klassenzimmer aufgeteilt und per Stream gebündelt unterrichtet. Um genügend Leinwände für Beamer-Präsentationen zur Verfügung zu haben, musste man auch auf Bettlaken aus dem Theaterfundus zurückgreifen.

An der Grund- und Mittelschule Tutzing gibt es laut Rektorin Anne-Katrin Schallameier keine zusätzlichen Unterrichtsräume. Öffentliche Flächen anzumieten, sei aufgrund der fehlenden technischen Ausstattung zu problematisch. Dennoch freue man sich, mit den drei Abschlussklassen in den täglichen Wechselunterricht zurückzukehren.

Weßling

Weil die Gemeinde den Schulen mehrere wegen Corona leer stehende Räume zur Verfügung stellt, können Weßlinger Grundschüler aller Klassen wieder in den Präsenzunterricht. Die Kinder sollen nun auch im Pfarrstadl, Feuerwehrhaus und Theatersaal unterrichtet werden, sagt Maria Streifinger, die Leiterin der Grundschule. Dadurch sei es möglich, alle 217 Kinder wieder ganz altmodisch zu unterrichten. Dahinter stehe eine "Mega-Organisation". "Wir hatten das schon im November angedacht", so Streifinger, die Bürgermeister Michael Sturm (FW) und die Eltern rasch mit ins Boot holte. Die Schulbusse müssten nun andere Routen fahren und die Räume noch technisch ausgestattet werden. "Wir tun es für die Kinder, damit sie wieder soziale Kontakte knüpfen können", so Streifinger. Was da gerade passiere, sei ein "gemeinschaftliches Erlebnis", alle hielten zusammen. Besonderes Lob spricht sie dem Bürgermeister aus: Sturm sei "immer da gewesen", wenn sie ihn gebraucht habe. Streifinger rechnet damit, dass die Räume der Gemeinde erst einmal bis zu den Osterferien in dieser Form genutzt werden können. Doch sie plane "von Woche zu Woche". Immer wieder komme ja "ein Stein in den Weg".

© SZ vom 20.02.2021
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