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Pähler Schlucht:Staatsanwalt ermittelt wegen Waldverwüstung

Forstarbeiten in der Pähler Schlucht

Schweres Gerät und eine nicht fachgerechte Holzernte haben im Naturschutzgebiet irreparable Schäden an Flora und Faun hinterlassen.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Umstrittene Fällaktion in der Pähler Schlucht wird im bundesweiten Waldreport 2016 angeprangert

Vor zwei Jahren sind Teile des Naturschutzgebiets Pähler Schlucht bei Holzfällarbeiten zerstört worden. Der nicht fachgerechte Eingriff im labilen Waldbiotop, der gravierende Schäden im Oberlauf des Burgleitenbachs und an geschützten Tuffsteinquellen hinterließ, erregt nun auch bundesweit Aufsehen: In der neuen Ausgabe des jährlichen "BUND-Waldreports" führt die Schlucht die Liste von zehn negativen Fallbeispielen in Deutschland an. Im Artikel werden nicht nur die Waldbesitzer und Forstunternehmer kritisiert, sondern auch die Behörden, die auf den Naturfrevel bis heute nicht konsequent reagiert hätten.

Richard Mergner, Landesbeauftragter des Bundes Naturschutz (BN), schreibt dazu in einer Pressemitteilung von "Zuständigkeitswirrwarr und schlechter Zusammenarbeit von Forst- und Naturschutzbehörden in Bayern". Der BN verlangt, dass Umweltschäden wie in der Pähler Schlucht künftig geahndet werden. Angesichts der "schlimmen Waldverwüstungen" müsse die Regierung "endlich einen gesetzlichen Rahmen für gute fachliche Praxis in der Waldwirtschaft festlegen", so Mergner.

Im Waldreport 2016 des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wird die Fällaktion als Negativ-Beispiel beleuchtet. Monika Scherping-Beck hatte als Haupteigentümerin des Walds den Forstunternehmer Hannes Zwölfer beauftragt, im Naturschutzgebiet Holz ernten zu lassen. Im Februar 2014 wurden auf der 13 Hektar großen Fläche 2200 Festmeter an alten Bäumen gefällt, auf Teilarealen entnahm man die Hälfte des Holzvorrats: In diesen Lücken, die sich zum Teil nach Stürmen im Oktober 2014 und März 2015 weiter ausgedehnt haben, habe sich das Mikroklima verändert. Zudem seien ökologisch wichtige Biotopbäume gefällt worden, heißt es im Waldreport. Das Bachbett habe man Hunderte Meter lang als Rückeweg missbraucht, Tuffquellen wurden vernichtet. Massive Bodenschäden entstanden, weil Zwölfer entgegen vorheriger Zusagen den Holztransport zu einer Zeit veranlasste, als der Waldboden nicht gefroren war.

Obwohl zwei Gutachter bereits im Sommer 2014 befanden, dass "eine erhebliche Beeinträchtigung des Flora-Fauna-Habitats entstanden ist", hat die Obere Naturschutzbehörde an der Regierung von Oberbayern immer noch nicht über Sanktionen entschieden: Paradoxerweise wohl deswegen, weil die Zerstörung so schwer ist, dass sie nicht mehr repariert werden kann - denn das Umweltschadensgesetz sieht nur eine Sanierung der Schäden aber keine monetäre Wiedergutmachungen oder Bußgelder vor. Damit der Naturfrevel nicht ungeahndet bleibt, hat der BN ergänzend Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft München II gestellt. Damit rannte man freilich offene Türen ein, denn eine Privatperson hatte bereits im März 2014 Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Wie ein Sprecher der Behörde sagt, ermittele man wegen Gefährdung schutzbedürftiger Gebiete inzwischen konkret gegen zwei Personen und warte derzeit auf ein in Auftrag gegebenes Schadensgutachten.

© SZ vom 09.02.2016

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