Jedes Mal an Ostern muss ich an diesen Satz denken, der quasi für die Ewigkeit gemacht ist: „Eier! Wir brauchen Eier“, sprach einst Olli Kahn, der zurecht als großer, wenn nicht sogar als größter Fußball-Philosoph Deutschlands gilt. Seinerzeit hatte sein FC Bayern gerade eine herbe 0:2-Klatsche kassiert, die der „Titan“ in simpler Weisheit zwar treffend kommentierte, gleichwohl aber die Frage aufwarf, wozu Fußballer – womöglich auch Fußballerinnen – in Ausübung ihrer sportlichen Tätigkeit nun ausgerechnet Eier brauchen. Zumal es da nicht Ostern, sondern November war.
Gleichwohl hat Ollis Eier-Erkenntnis bedrückende Aktualität. Blickt man mit gewissem Mitleid in die USA, könnte der Satz auch Präsident Donald J. Trump zugeordnet werden: Unsere amerikanischen Freunde leiden ja geraume Zeit schon unter einem Eier-Notstand. Jetzt mal ganz offen und ehrlich: Wer mag schon für ein Dutzend popeliger Bio-Eier 12,99 Dollar plus Zoll berappen? Erinnert sei bei dieser unpassenden Gelegenheit in aller Bescheidenheit an den preisgekrönten Dokumentarfilm von 1993: „Das Ei ist eine geschissene Gottesgabe“.
Gottfroh können wir jedenfalls sein, dass Trump bislang nicht auf die Idee einer bedingungslosen Übergabe aller deutschen Legehennen gekommen ist. Zumal unsere Eier, gelegt von mehr oder weniger glücklichen Hühnern, zu Ostern bekanntlich nur einer bringt: der Osterhase. Und zwar umsonst. Landauf, landab durchstreifen dann wieder Heerscharen von Eiersuchern Gärten und Parkanlagen in der Hoffnung, jene Eier zu finden, die angeblich vom bumsfidelen Hasentier versteckt wurden. Wobei klar ist: In jedem siebten Ei steckt kein kleiner Schlumpf und auch kein Nepomuk.

Der Papagei frisst keine harten Eier, und mir sind Eier eigentlich auch ziemlich wurscht. Wer dieser ganzen österlichen Eierei ebenfalls nichts abgewinnen kann, weder im Dießener Schacky-Park noch mit der Gautinger CSU-Hasen suchen mag, könnte seine Zeit auch anderweitig verschwenden. Etwa in Tutzing am Sonntag bei einer „Osterhaswanderung mit Irmi“ oder am Montag beim Eiersuchen im „Paradies“ mit der DLRG in Pöcking. Oder bei einer tollen Aktion des Starnberger Landratsamts. Hier brüten bekanntlich keine Hasen, sondern höchst kreative Mitarbeiter permanent neue Eier – Verzeihung: Ideen – mit Maskottchen „Radl-Rudi“ aus: Beim „oSTAradeln“ kann man am Wochenende durch den Landkreis radeln und Preise gewinnen!
Dazu fährt man kreuz und quer auf amtlichen Radlwegen durchs Fünfseenland, fotografiert kleine Sticker auf Hinweisschildern, gelangt über einen QR-Code zu einem Schadensmelder – und erhält dafür ein Los. „Diese Sticker sind zwar nicht mehr ganz so auffällig wie die Ostereier-Aufkleber aus den Vorjahren“, heißt es auf der Homepage der Behörde, „bleiben dafür jedoch dauerhaft erhalten“. Na denn. Abzuwarten bleibt, ob die Sticker ebenso für die Ewigkeit taugen wie Ollis Eier-Spruch. Wer sich nun aber fragt, was das alles miteinander zu tun haben soll, dem sei verraten: Gar nichts! Aber das habt ihr euch sicher schon gedacht. Sonnige Festtage und dicke Eier wünscht
Euer Nepomuk

