Ornithologie:Flussseeschwalben im Fokus

Damit die Vögel in Ruhe brüten können, ist ein neues Floß auf dem Starnberger See gebaut worden. Klaus-Peter Hütt hat einen Dokumentarfilm darüber gedreht

Von Kim Fischer, Starnberg

Schon als Kind sah er den Vögeln begeistert beim Fliegen zu und dokumentierte seine Beobachtungen: Der Diplomgeograf Klaus-Peter Hütt arbeitet zwar heute in der Tourismusbranche, kombiniert jedoch in der Freizeit sein Interesse für Vögel mit einer zweiten Leidenschaft - dem Produzieren von Filmen. Seit Jahren ist er bei Projekten als Autor und Kameramann für den lokalen Sender Olatv des Seeshaupter Filmemachers Walter Steffen involviert. Seine neueste Dokumentation "Flussseeschwalben am Starnberger See" feierte nun auf der Jahresversammlung des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) Premiere. Interessierte könen den Film von nächster Woche an online abrufen.

Ornithologie: Auf Beutefang: Die Flussseeschwalbe gehört zu den Flugkünstlern unter den Vögeln.

Auf Beutefang: Die Flussseeschwalbe gehört zu den Flugkünstlern unter den Vögeln.

(Foto: Manfred Kühn; Landesbund für Vogelschutz)

Er wolle den Menschen nahebringen, was an ihrem See so alles passiert, sagt der 59-Jährige. Sein 25-minütiges Werk dokumentiert den Bau eines neuen Floßes als Brutplatz für die Flussseeschwalben. Die Vogelart sei in den Achtzigerjahren in Bayern beinahe ausgestorben, weil sie kaum noch in Ruhe brüten konnte. Die von Natur- und Vogelschützern erbauten Flöße seien die einzige Möglichkeit gewesen, den Bestand wieder zu vergrößern. Die Dokumentation erzählt in vier Teilen die historischen Hintergründe der Flöße, den Abbau des alten und den Aufbau des neuen Floßes im Starnberger See und gibt einen Ausblick in die Zukunft. Daneben gibt es reichlich Naturaufnahmen aus respektvoller Distanz. "Mir liegt der Schutz dieser Tiere am Herzen", sagt Klaus-Peter Hütt. "Und ich will auch andere dafür sensibilisieren."

Ornithologie: Er wolle den Menschen nahebringen, was an ihrem See so alles passiert, sagt der 59-Jährige Geograf Klaus-Peter Hütt.

Er wolle den Menschen nahebringen, was an ihrem See so alles passiert, sagt der 59-Jährige Geograf Klaus-Peter Hütt.

(Foto: Privat)

Die Dokumentation hat er ehrenamtlich erstellt, deswegen wünscht er sich, dass sie möglichst viele Menschen zu sehen bekommen. Seitdem er als Zehnjähriger von seinen Eltern das Buch "Ich filmte 1000 Tiere" des Tierfilmers Eugen Schuhmacher geschenkt bekam, interessiere er sich leidenschaftlich für das Schneiden und Produzieren von Filmen. Lange Zeit wollte er Dokumentarfilmer werden wie sein großes Vorbild. Doch dann studierte er Geografie, reiste als Studienreiseführer durch die Welt und schrieb Reiseführer. Durch die Einschränkungen während der Corona-Pandemie habe er wieder mehr Zeit gehabt, sich der Fotografie und Dokumentationen zu widmen, erzählt der 59-Jährige. Ein großes Thema für ihn sei das bayerische Oberland, das er auch gerne in seinen Filmen zeige. Geboren ist er zwar in Appenweier bei Offenburg, doch es hat ihn seit einigen Jahren nach Iffeldorf an die Osterseen gezogen. Für die Vogelarten an den bayerischen Seen interessiert er sich besonders. Er ist unter anderem einer der Wasservogelzähler, über die er ebenfalls schon einen Dokumentarfilm gedreht hat. Die ehrenamtlichen Helfer sind Teil eines europaweiten Projektes, das unter anderem die staatliche Vogelschutzwarte in Garmisch-Partenkirchen koordiniert. Während der Wintermonate zählen sie in regelmäßigen Abständen den Bestand der Wasservögel, um diesen überwachen zu können. Hütts Gebiet ist am Starnberger See zwischen dem sogenannten Paradies in Possenhofen und Tutzing, auch die Roseninsel sei mit dabei. Während des Zählens würden ihn oft Passanten ansprechen, die dann sehr interessiert an der Aktion seien. "Die meisten denken, ich fotografiere, bis sie dann mein Fernglas sehen und sich wundern."

Ornithologie: Diplomgeograf Klaus-Peter Hütt hat die Entstehung des neuen Nistfloßes auf dem Starnberger See dokumentiert.

Diplomgeograf Klaus-Peter Hütt hat die Entstehung des neuen Nistfloßes auf dem Starnberger See dokumentiert.

(Foto: LBV-Kreisgruppe Starnberg)

Sein Film über die Wasservogelzähler brachte den LBV darauf, bei Hütt wegen der Floß-Dokumentation anzufragen. Im März 2021 begannen der Bau des Floßes und somit die Dreharbeiten. In den Sommermonaten pausierte Hütt mit seiner Kamera, um den Vögeln genug Ruhe zur Eingewöhnung zu geben. Um Abgeschiedenheit zu gewährleisten, ist das Floß auch nicht direkt sichtbar, sondern eher versteckt. Vom Badestrand bei St. Heinrich aus könne man es jedoch mit bloßem Auge sehen und die Vögel beobachten.

Sein persönliches Highlight seien die Interviews mit dem langjährigen Vorsitzenden der LBV-Kreisgruppe Starnberg, Horst Guckelsberger, gewesen, sagt der Dokumentarfilmer. Guckelsberger finanziert seit Jahren die Flöße für die Flussseeschwalben mit und kommt auch deshalb im Film vor. Außerdem habe er unter anderem als stellvertretender Vorsitzender der "Stiftung Bayerisches Naturerbe" beim Thema Umweltschutz wahnsinnig viel bewegt, sagt Hütt: "Er ist eine beeindruckende Persönlichkeit, die keine Scheuklappen hat, sondern das große Ganze sieht.". Mit dem Film habe er ihm Respekt zollen wollen.

Die Dokumentation "Flussseeschwalben am Starnberger See" ist von nächster Woche an auf der Website der Kreisgruppe des LBV Starnberg zu sehen (starnberg.lbv.de). Der Sender Olatv, ein Streamingportal für das bayerische Oberland, wird ihn im Laufe des Novembers zeigen.

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