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Online-Unterricht:Digitale Trommelstunde

Die Musiklehrerinnen Lena von Liebieg (links) und Ava Schoenefeldt-Seiler übertragen digital ein Programm für Kindergartenkinder aus dem Saal der Musikschule Gauting-Stockdorf.

(Foto: Musikschule Gauting-Stockdorf)

Die Musikschule Gauting-Stockdorf bietet Programm für Kindergärten

Von Kathrin Haas, Gauting

Gefühl für den Rhythmus und aufeinander hören - das lernen Kinder beim gemeinsamen Musizieren. Bis zur Corona-Krise haben Lehrerinnen der Musikschule Gauting-Stockdorf mit zwölf Gruppen aus vier Kindergärten gemeinsam Instrumente ausprobiert und gesungen. Doch jetzt lassen einige Einrichtungen aus Infektionsschutzgründen keine externen Anbieter mehr ins Haus.

Bereits vor den Sommerferien begann die Musiklehrerin Ava Schoenefeldt-Seiler damit, von zu Hause aus digitale Musikstunden für einige Kindergärten zu geben, damit die Kleinen in Übung bleiben. Ihr Fazit: "Die Eltern sind dankbar für die Kontinuität, die Einrichtungen müssen nicht auf den Musikunterricht verzichten und die meisten Kinder stellen sich problemlos auf das neue Format um." Auch ihre Kollegin Lena von Liebieg war bereit, sich auf pädagogisches Neuland einzulassen. Die beiden Musiklehrerinnen haben sich im Saal der Musikschule nun eine Art Studio eingerichtet, von dem aus sie sich über eine Videokonferenz digital in Kindergärten schalten können.

Um mitzumachen, benötigen die Kindergärten lediglich ein Laptop, Zusatzlautsprecher, eine stabile Internetverbindung und vor allen Dingen Erzieher, die bereit sind, das neue Angebot auszuprobieren. Denn für sie bedeutet das Distanzprogramm doppelte Arbeit: Kindergärtnerinnen und Kindergärtner müssen vorab Instrumente herrichten, etwa Handtrommeln, Rasseln und ein Xylofon. Außerdem müssten sie die Betreuung der musizierenden Knirpse mitübernehmen, erklärt Musikschulleiter Christian Hiesel-Schill. Das haben sonst die Lehrerinnen erledigt.

Diese wiederum sehen sich mit der Herausforderung konfrontiert, den Drei- bis Sechsjährigen vor der Kamera ein möglichst spannendes Programm zu bieten und deren Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten. "Wir wissen, dass dieses Angebot den Präsenzunterricht nicht ersetzen kann, aber besser als abzuwarten ist es auf jeden Fall", sagt Lena von Liebieg. Eine Einrichtung nimmt bereits regelmäßig das digitale Programm in Anspruch.

Für die Corona-Zeit hat die Musikschule Gauting-Stockdorf ihren Saal aufgerüstet. Gute Mikrofone ermöglichen das Musizieren über Videokonferenzen in hoher Klangqualität. Die Bigband probt derzeit nicht gemeinsam, sondern die Rhythmusgruppe, Blechbläser und Saxofone nehmen getrennt voneinander ihre Lieblingsstücke mit neu angeschafften Aufnahmegeräten digital auf.

Das sei eine gute Übung und Alternative in der aktuellen Zeit, findet Musikschulleiter Hiesel-Schill: "Unsere Prämisse lautet: Alles ist besser, als nichts zu machen." Er hofft, dass bald noch mehr Kindergärten das digitale Angebot wahrnehmen, zwei haben bereits Interesse bekundet.

© SZ vom 25.11.2020
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