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Wiesn-Logistik:Der Mann, der das Oktoberfest mit 200 000 Lebkuchenherzen beliefert

Stefan Vogler beliefert gut die Hälfte aller Oktoberfest-Sandbesitzer mit Süßigkeiten oder Zutaten.

250 verschiedene Formen, Größen und Beschriftungen hat Stefan Vogler im Sortiment, doch auf der Wiesn sind keine Experimente gefragt.

(Foto: Georgine Treybal)

Fast die Hälfte aller Standbesitzer bezieht ihre Süßigkeiten von Stefan Vogler. "Wie ein Heinzelmännchen" füllt er mit seinen Mitarbeitern nachts die Bestände auf - und verrät die beliebtesten Sprüche auf Wiesn-Herzen.

Manchmal, wenn der Wind günstig steht, duftet es nach gebrannten Mandeln, vielleicht riecht es auch mal nach Popcorn. Solche Nasen- und Gaumenkitzler würde man im Inninger Gewerbegebiet nahe der Lindauer Autobahn A 96 freilich nicht erwarten. Sie stammen aus dem Unternehmen von Stefan Vogler, einem Produzenten und Großhändler von Süßwaren. Vor allem in den Wochen und Monaten vor dem Oktoberfest herrscht Hochbetrieb in der Firma, die vor bald zwei Jahren aus Jesenwang im Landkreis Fürstenfeldbruck auf den letzten freien Platz im Gewerbepark gezogen ist.

Vogler beliefert einen Großteil der Schausteller auf der Wiesn mit eben diesen für das Oktoberfest typischen Süßigkeiten. Wobei er natürlich nicht die bereits fertig gerösteten Mandeln von Inning aufs Oktoberfest karrt, sondern seine Mitarbeiter nachts, wenn die Wiesn vermeintlich schläft, die einzelnen Stände abklappern und mit Rohware befüllen - also Mandeln, Zucker, Zimt und Nüssen aller Art. "Wie die Heinzelmännchen", sagt Stefan Vogler und lacht.

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Auch der Nachschub an Wiesnherzen darf natürlich nie versiegen. 250 verschiedene Formen, Größen und Beschriftungen hat er im Sortiment, doch auf der Wiesn sind keine Experimente gefragt. Rund 200 000 Herzen, die zum Großteil bei der Aschheimer Firma Zuckersucht in aufwendiger Handarbeit hergestellt werden, verkauft er. "Das Backen ist das eine, aber die Herzen zur richtigen Zeit an die richtige Stelle zu liefern, das andere", erklärt Vogler, der sich selbst einen Marktanteil von etwa 50 Prozent auf dem Oktoberfest ausgerechnet hat. Die andere Hälfte liefert eine Münchner Firma.

Jede Nacht zur Wiesnzeit schwärmt seine Außendiensttruppe los. Wenn die Standlbesitzer in der Früh aufsperren, ist alles da, was sie für die Produktion von frischen gebrannten Mandeln und Co. brauchen - insgesamt jeden Tag fünf Tonnen Waren. Auch die Mandelmaschinen, in denen mit einem großen Kochlöffel gerührt wird, stammen zum Teil von Vogler. "Wir bieten auch einen Reparaturservice an", sagt er. Nichts sei schlimmer, als wenn eine Röstmaschine während der Wiesn den Geist aufgibt.

Sein Unternehmen beliefert bayernweit die großen Volksfeste, den Gäuboden in Straubing, den Plärrer in Augsburg, das Rosenheimer Herbstfest und viele andere. Die Mandeln, die in den acht Öfen in der großen Halle in Inning geröstet werden, gehen ins Ausland oder werden in Feinkostgeschäften verkauft. "Nur von Januar bis März ist es ruhiger", sagt Vogler. Im April beginnt die Produktion der Herzen. "Eine Anfrage über 5000 Wiesnherzen, die im August von einer Firma herein kam, musste er ablehnen. Die Herzen, hauptsächlich aus Lebkuchenteig und Zuckerguss gebacken, halten laut Vogler wenigstens zwei Jahre. Ohnehin würden nur die wenigsten aufgegessen, sondern die meisten von der "Besten Mama der Welt" oder dem "Feschen Bua" an die Wand gehängt, bis sie zu bröckeln beginnen. Insgesamt beliefert Vogler rund 300 Schausteller.

An einer Wand im Bürotrakt hängen mehrere Dutzend Wiesnherzen hinter einem Besprechungstisch. Die kleinsten werden für rund vier, fünf Euro verkauft, das größte kostet rund 50 Euro. Es misst 55 mal 55 Zentimeter. "Das größte Herz für die größte Liebe der Welt", lautet die Aufschrift. "Das geht richtig gut und ist immer schnell ausverkauft", sagt Vogler.

Die beliebtesten Herzerl-Sprüche

Platz 1: Ich liebe Dich

Platz 2: I mog Di

Platz 3: Prinzessin

Platz 4: Oktoberfest 2019

Platz 5: Schee, dass es Di gibt

Vogler ist sozusagen in die Firma hineingewachsen. "Es war vor mehr als 30 Jahren, da war ich pleite, und wollte gerade wegen eines Kredits zur Bank gehen, als mich im Treppenhaus mein Nachbar gefragt hat, ob ich nicht im Betrieb eines Bekannten arbeiten will", erinnert sich Vogler. Sein Nachbar war Schausteller auf der Wiesn, der Betrieb ein Familienbetrieb, der Wiesnherzen, Magenbrot und Schokolade auf Volksfeste lieferte - allerdings in viel kleinerem Maßstab, als Vogler dies heute tut. "Da bin ich halt hingefahren und habe angefangen als Lagerist, als Fahrer und habe mich dann bis zum Prokuristen hochgearbeitet." Der Familienbetrieb hatte keine eigenen Nachfolger, und so erwarb Vogler die Firma 2008 und ist seitdem alleiniger Inhaber.

Sein Betrieb wuchs und gedieh, bis es am Standort Jesenwang endgültig zu eng wurde. "Inning ist ein idealer Standort für uns, weil viele Mitarbeiter aus dem Raum westlich von München kommen", sagt Vogler. 25 Beschäftigte hat der Betrieb, darunter einige Afrikaner, die vor allem Mandeln rösten. "Das ist eine Arbeit, die kein Deutscher bei mir lange durchgehalten hat", sagt Vogler. Vor allem die Hitze mache vielen zu schaffen. Anders offenbar als dem Team um Produktionsleiter Bwessodjo Ouro-Adohi, einem Mann aus Togo, den alle nur Desiré nennen.

In den großen Hallen und Lagern stapeln sich Kartons und Kisten mit Lebkuchenherzen, sie sind schon beschriftet mit den Namen der Schausteller, zu denen sie demnächst geliefert werden. In einem anderem Raum stapeln sich große Säcke mit Popcorn, die gerade mal zehn Kilogramm wiegen. Und dann ist da noch der Raum, in dem Nusssplitter mit diversen Schokoladen überzogen oder Pralinen gefertigt werden. Rund 350 Tonnen Zucker werden jährlich in Inning verarbeitet. "Wir haben die Menge aber schon reduziert", sagt Vogler. Die Maschinen hat Vogler mit einem Maschinenbauer zusammen selbst konstruiert. Es stehen zehn Liter Kanister mit Eierlikör und Whisky herum. "Für das Aroma der Pralinen", sagt Vogler und grinst.

Wie behält man angesichts dieser ständigen Versuchungen die schlanke Linie? Er bleibt mit dreimal Sport in der Woche fit - Joggen, Radfahren und Schwimmen. Vogler ist gelernter Großhandelskaufmann, der 53-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder. "Nein, das sind auch keine ausgesprochenen Naschkatzen. Höchstens meine Frau sagt manchmal: Bring' halt mal was mit", sagt der Inhaber. Und wie hält es Vogler selbst mit dem Oktoberfest? "Dienstlich bin ich jeden Tag dort", sagt er. Privat geht er mit seiner Familie am letzten Wiesnsonntag und gönnt sich eine Mass bei der Fischer-Vroni.

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