Süddeutsche Zeitung

Oktoberfest:Nach 27 Jahren in der Süßwarenfabrik mag er nicht mehr viel naschen

Bwessodjo Ouro-Adohi produziert mit seinen Kollegen in Inning derzeit bis zu einer Tonne gebrannte Mandeln am Tag - eine harte Arbeit.

Es war vor 27 Jahren, als Bwessodjo Ouro-Adohi auf Arbeitssuche ging. Der Flüchtling aus Togo nahm sein Fahrrad, stieg in die S-Bahn, fuhr bis Grafrath, stieg dort aus und klapperte alle Firmen in der Umgebung ab - und landete bei einem Süßwarenfabrikanten. "Anfangs hatte ich schon mit dem einen oder anderen Vorurteil zu kämpfen, aber ich habe mich gewehrt", sagt er. Und er ist der Firma, die heute Stefan Vogler gehört, über Jahrzehnte treu geblieben.

Mit seinen Kollegen produziert er zurzeit an den Mandelöfen jeden Tag eine halbe bis eine ganze Tonne Mandeln. "Das ist eine schwere Arbeit, nicht nur, weil es immer heiß ist", sagt der 52-Jährige. Man müsse viel hin- und her schleppen und in den Tiegel füllen, und auf die richtige Menge achten, immer ein Kilo Zucker zu einem Kilo Mandeln oder Nüssen. Zwölf bis 13 Minuten werden die Mandeln, die aus Spanien stammen, dann geröstet.

Eines erstaunt Desiré, wie er von allen genannt wird, immer noch: Dass in deutschen Schulen nicht gelehrt werde, dass seine Heimat Togo mal eine deutsche Kolonie war. "Ich habe viel über Deutschland in der Schule gelernt", sagt Desiré.

Zurück zur Arbeit. Ob er selbst viel nascht? "Ich esse schon mal eine Mandel, aber es hält sich in Grenzen", sagt er. An diesem Sonntag, 15. September, findet in Herrsching der Marktsonntag statt. Dort ist Desiré nachmittags mit seiner Mandelmaschine in der Bahnhofstraße vertreten.

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Quelle:
SZ vom 14.09.2019
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