Diese Buslinie ist etwas Besonderes: Firmen haben Unterschriften dafür gesammelt, der Landrat hat sich bei Ministern dafür eingesetzt, der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) und der Landkreis Starnberg starten die Expressverbindung zwischen Großhadern und Weßling nun im "Notbetrieb", wie MVV-Chef Alexander Freitag bei einer Feier zum offiziellen Start sagte. An diesem Mittwoch fährt der erste Bus der Linie X 910.
"Schnell, bequem, direkt." So beschrieb Landrat Karl Roth in seiner Ansprache vor geladenen Gästen vor dem Marriot-Hotel in Gilching den Expressbus. Er erinnerte an die schwierige Vorgeschichte, als bürokratische Hindernisse auftauchten, die zunächst den Start in weite Ferne rückten. "Wir waren überrascht, dass es dann doch so schnell funktioniert hat", sagte Roth. Möglich wurde das durch eine von der Regierung von Oberbayern genehmigte Ausnahmeregelung, die es erlaubt, den Betrieb schon einmal ohne die zeitaufwendige europaweite Ausschreibung aufzunehmen; die wird nun nachgeholt, während der Bus schon fährt.

In der "Rekordzeit" von nur drei Monaten sei die Linie installiert worden, betonte auch der MVV-Geschäftsführer Freitag. Juristisch sei das eigentlich gar nicht möglich. Er wies darauf hin, dass der X 910 nicht nur eine schnelle Verbindung von und zur U-Bahn schafft, sondern auch die beiden S-Bahn-Linien 6 und 8 nach Tutzing und Herrsching miteinander verbindet. "Gewaltige Investitionen" seien dafür nötig. Er sprach von einer halben Million Euro in der Anlaufphase. "Je mehr Deckungsbeitrag kommt, desto mehr lässt sich das rechtfertigen", sagte er, was als Appell zu verstehen ist, den Bus zu nutzen. Der frühere Start bringt für den Landkreis Starnberg zusätzliche Ausgaben mit sich, weil er auch beim X 910 das Defizit deckt. Verkehrsmanagerin Susanne Münster sprach im Kreis-Mobilitätsausschuss von Ausgaben in Höhe von 350 000 Euro; die Gemeinden bleiben von einer finanziellen Beteiligung verschont, machte Landrat Roth deutlich. "Nutzen Sie die Buslinie", forderte auch Wirtschaftsförderer Christoph Winkelkötter, der noch einmal deutlich machte, wie wichtig das Angebot für die vielen Mitarbeiter aus München ist: "Die möchten nicht alle mit dem Auto fahren und im Stau stehen".
Die neue Linie ist vor allem attraktiv für Pendler aus der Stadt, die zum Beispiel zu einer Firma im Gilchinger Gewerbegebiet, zum Technologiepark in Oberpfaffenhofen oder zur Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DLR) wollen. Mehr als 5000 Mitarbeiter profitieren nach Angaben des Starnberger Landratsamtes davon. Die Chefs vieler Unternehmen haben immer wieder deutlich gemacht, wie wichtig die Anbindung ist.
Mit dem neuen Expressbus verringert sich die Anfahrt für viele Beschäftigte erheblich. Die Fahrt von Großhadern bis zur S-Bahn in Weßling dauert 50 Minuten. Betriebszeitraum ist montags bis samstags im Stundentakt, in der Hauptverkehrszeit verstärkt durch einen 30-Minuten-Takt. Auf der Linie werden vier zwölf Meter lange Standardbusse eingesetzt. Sie legen zusammen im Jahr 400 000 Kilometer zurück, hat MVV-Chef Freitag ausgerechnet.
Mit dem Expressbus sind für die Firmen beim Sonderflughafen Oberpfaffenhofen aber längst noch nicht alle Wünsche erfüllt. Christian Juckenack vom Flughafenbetreiber Triwo nutzte die Gelegenheit, sich für einen Bahnhof in Weichselbaum einzusetzen und verteilte Handzettel mit der Aufschrift "next step S-Bahn-Halt Weichselbaum".