Weltraumtechnik:Der Methusalem unter den Satelliten

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Weltraumtechnik: Die beiden Zwillingssatelliten TerraSAR-X und TanDEM-X im Formationsflug.

Die beiden Zwillingssatelliten TerraSAR-X und TanDEM-X im Formationsflug.

(Foto: DLR)

Der von Oberpfaffenhofen aus betriebene TerraSAR-X sollte eigentlich nur gut fünf Jahre im Einsatz sein - doch auch nach anderthalb Jahrzehnten dreht er immer noch seine Runden im All.

Von Pauline Graf

Schön muss es sein, dort oben im Weltall. So schön, dass man gar nicht mehr nach Hause gehen will. Das empfindet offenbar zumindest der Radarsatellit TerraSAR-X so. Warum soll er auch zurück nach Oberpfaffenhofen, zum Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), wenn er den Landkreis Starnberg doch auch aus kilometerweiter Höhe mit seinem "Staring Spotlight Mode", seinem Super-Zoom, beobachten kann. Das DLR als Betreiber hat damit gerechnet, dass der Satellit schon 2012, nach fünfeinhalb Jahren, arbeitsmüde wird. Wird TerraSAR-X aber nicht - vergangene Woche hat der Satellit seinen 15. Geburtstag im Weltraum gefeiert. Damit ist er fast dreimal so alt wie vorgesehen.

TerraSAR-X ist ein Deutscher, der, wenn man so will, mit kasachischem Reisepass durchs All düst: Er verließ die Erde 2007 auf einem Raketenstartplatz in Baikonur und ging auf Umweltschutz-Mission. Für das DLR soll er die Veränderungen des Planeten dokumentieren - und damit "frühzeitig zu erkennen geben, wo irreversible Schäden entstehen und wo Eingriffe notwendig sind", wie das DLR erklärt. TerraSAR-X war dabei fleißig: Der Satellit hat bis dato über 400 000 Radaraufnahmen gemacht und die Erde mehr als 83 000 Mal umkreist. Das DLR hat errechnet: Wenn er seit 2007 geradlinig von der Erde weggeflogen wäre, hätte TerraSAR-X jetzt fast den Neptun erreicht. Flott und fleißig, der Satelliten-Senior.

Viellicht nimmt er seine Mission so ernst, dass er deshalb nicht kaputt gehen will. Vielleicht versteht TerraSAR-X, dass er mit Klimaschutz am Puls der Zeit ist: Mittlerweile werden seine Daten in mehr als 1800 Forschungsprojekten in 64 Ländern verarbeitet. Das DLR lobt: Der Satellit biete dadurch eine "essentielle Grundlage für Maßnahmen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene".

Gemeinsam mit einem Zwillingssatelliten kartiert TerraSAR-X die Erdoberfläche

TerraSAR-X ist also quasi der erfahrene Greis dort oben im All, umgeben von Teenagern: So fliegt unter anderem TanDEM-X, ein nahezu baugleicher Satellit, seit 2010 an seiner Seite. Gemeinsam bilden sie ein Team und geben präzise Angaben zur Kartierung der Erdoberfläche.

Seit Kurzem gibt es nun aber einen Streber unter den Youngstern, einen Emporkömmling, der dem Senior-Satelliten ernsthafte Konkurrenz machen könnte: Tandem-L. Das DLR arbeitet derzeit zwar noch an den Details, das Raumfahrtunternehmen spricht aber schon von einer "nächsten Generation von Radarsatelliten für Klimaforschung und Umweltbeobachtung" - also genau dem Zuständigkeitsbereich von TerraSAR-X. Tandem-L könne die "dringend benötigten Informationen zur Lösung hochaktueller Fragestellungen liefern", auf die der Weltklimarat IPCC aktuell dränge, heißt es beim DLR. Außerdem sei Tandem-L "dynamischer", er könne schließlich 3D-Bilder machen, und das im Wochenrhythmus immer wieder neu.

Bis jetzt lässt sich TerraSAR-X von solch ambitionierten Jung-Projekten nicht beirren - "mit seinen stolzen 15 Jahren ist TerraSAR-X fit wie am ersten Tag". Die Forscher sind deshalb optimistisch: Kommt es zu keinen außergewöhnlichen Zwischenfällen, könnte TerraSAR-X noch bis Ende des Jahrzehnts zuverlässig seine Kreise um die Erde drehen.

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