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"Acoustic Corner" in Oberpfaffenhofen:Das nächste Aus in der Corona-Krise

Erik Berthold sperrt zu

Aus, Äpfe, Amen: Erik Berthold schließt sein Musikgeschäft, das er mit Unterbrechung seit 2007 geführt hatte.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Der bekannte Musiker Erik Berthold muss seinen "Acoustic Corner" schließen - Bühne, Musikschule und eines der wenigen Gitarrengeschäfte weit und breit. Wegen der Pandemie ist ihm ein Standbein weggebrochen.

Von Gerhard Summer

Erst wieder auf, jetzt endgültig zu: Erik Bertholds "Acoustic Corner" in Oberpfaffenhofen, eines der ganz wenigen Gitarrengeschäfte im Fünfseenland samt integrierter Musikschule, Werkstatt und Bühne, macht gut eineinhalb Jahre nach ihrer Wiedereröffnung dicht. "Das bricht mir ja das Herz", sagt der 57-jährige Inhaber, "aber ich muss das hinter mir lassen." Denn wegen der Pandemie sei ihm sein "wichtigstes Standbein" weggebrochen: die eigenen Auftritte, ob auf der Wiesn oder auf Hochzeiten, zu Tollwood, Firmenfeiern oder Floßfahrten.

In guten Zeiten gab Berthold an die 200 Konzerte im Jahr, "jetzt fehlen mir 40 000 Euro, da kannst du alles vergessen". Bis 30. Juni will er den Laden geräumt haben, weil er sich die Nebenkosten schlicht nicht mehr leisten könne. An diesem Montag startet um 10 Uhr der Ausverkauf. Auf neue und gebrauchte Instrumente sowie Zubehör gibt es 50 Prozent Ermäßigung.

"Ich muss jetzt erst mal schauen, dass ich die Kosten runterfahre", sagt der Folkgitarrist und Sänger. "Vielleicht vermiete ich dann den Laden, irgendwas fällt mir schon ein." Vergangenes Jahr habe ihn noch gerettet, dass sich viele Veranstalter loyal zeigten: Sie hätten Honorar gezahlt, auch wenn das gebuchte Konzerte ausfiel. Außerdem gab es staatliche Hilfen.

Doch heuer sehe es trotz deutlich gesunkener Inzidenzwerte zappenduster aus: "Im März musste du absehen können, was läuft - aber der ganze Kalender ist leer." Dazu komme noch, dass "uns der Freistaat überhaupt nicht hilft, denn sobald du Einnahmen aus anderen Quellen hast wie Unterricht, Instrumenten- oder Lebensmittelverkauf, sehen die, dass Geld reinkommt". Im Herbst 2020 war Berthold auf die Idee gekommen, einen kleinen Markt mit Produkten aus der Region in seinem Musikladen zu eröffnen. Was nahe lag, schließlich habe es vor etwa 30 Jahren in dem Haus an der Gautinger Straße ein Lebensmittelgeschäft gegeben. Berthold ließ die Genehmigung vom Landratsamt auffrischen, wie er sagt, stellte bald aber fest: "Du kannst von 15 Kaffee und zehn Stückerl Kuchen am Tag nicht leben."

Der Profimusiker hatte das geräumige Anwesen 2006 gekauft und renoviert, ein Jahr später eröffnete er im Erdgeschoss seinen Acoustic Corner. Anfang 2017 macht er den Laden zum ersten Mal dicht. Vorschriften und Auflagen, ob sie geschützte Holzarten betrafen oder Zuschüsse für Lehrer, hatten ihm das Leben schwer gemacht. Doch im Herbst 2019 startete er wieder durch. Immer wieder hatten ihm nämlich Kunden Instrumente zur Reparatur gebracht, auch die Nachfrage nach Musikunterricht riss nicht ab.

Nun aber soll endgültig Schluss sein, Berthold wohnt inzwischen auch nicht mehr in dem alten Haus in Oberpfaffenhofen, sondern am Waldrand in Gauting. Nach wie vor aber gibt der Folkgitarrist, Sänger und fünffache Vater, der selbst einen Sohn mit Down-Syndrom hat, Musik-Workshops für Kinder mit und ohne Behinderung. Derzeit unterrichtet er Schüler im Auftrag des Kreisjugendrings, das Abschlusskonzert ist an diesem Samstag, 14 Uhr, im Starnberger "Nepomuk".

© SZ vom 05.06.2021
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