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Starnberger See:Wie das exklusive Hotel "La Villa" durch die Corona-Krise kommt

Niederpöcking:  La Villa

Geschäftsführerin Katja Lindo (links) und Direktorin Margarete Schultes nutzen die Zwangspause des Tagungshotels "La Villa" für Renovierungen.

(Foto: Nila Thiel)

Das Tagungshaus, das sich zwischen den Lockdowns auch für Einzelgäste öffnete, macht heuer vermutlich eine halbe Million Euro Verlust - und investiert trotzdem.

Von Jessica Schober

Dass ausgerechnet ein Tagungshotel im Corona-Jahr 2020 für den Starnberger Wirtschaftspreis nominiert wird, mag überraschen. Waren doch Seminarhäuser vielerorts die ersten, die zusperren und sich auf langfristige Verluste einstellen mussten - auch wenn sie noch so spektakulär gelegen sein mochten wie das "La Villa" in Pöcking am Starnberger Seeufer.

Doch der Betrieb mit seinen 30 Betten hat sich unter der Geschäftsführung von Katja Lindo während der Pandemie geöffnet und umgestellt. "Sie hat sofort in das digitale Angebot investiert, um ihren Gästen weltweit - wenn auch im Moment meist virtuell - diesen wunderbaren Platz zugänglich zu machen", begründet Annette von Nordeck von der Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung (GWT) die Auswahl der Jury. Bis zum Frühjahr bliebt das Haus nun geschlossen für Renovierungsarbeiten.

Die Geschäftsführerin Lindo, deren Vater das "La Villa" als Tagungshotel aufgebaut hatte, will sich die Zuversicht nicht nehmen lassen, auch nicht angesichts des neuerlichen Lockdowns. "Corona hat mich bestärkt und ermutigt", so Lindo, die rund 20 Jahre in den USA gelebt und für Onlinemedien und im Sportmarketing gearbeitet hat. Über sich selbst sagt sie: "Ich werde bei Krisen immer noch ruhiger als sonst."

Bislang setzte das Geschäftsmodell von "La Villa" zur Hälfte auf Konferenzen und zur anderen Hälfte auf Hochzeiten. Da die meisten zukünftigen Eheleute ihre Feiern verschoben haben, blieben noch kleinere Tagungen, deren Gäste zumindest in den Sommermonaten ins La Villa kamen. Zu den Stammkunden gehörten beispielsweise Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater, die sich regelmäßig für Weiterbildungen einmieteten. In der Pandemie hat Hotelchefin Lindo auch das Individualgeschäft mit den 30 Zimmern ihres Hauses hochgefahren. Das sei zwar aufwendiger, als eine Seminargruppe zu beherbergen, doch bleibe ihr bei den vielen stornierten Veranstaltungen kaum eine Wahl.

Lindo hat die Zahlen im Blick, denn das denkmalgeschützte Haus verschlingt meist mehr, als an Rücklagen zur Verfügung steht. "Wir sind im besten Fall ein Break-even-Unternehmen, fahren also keine Gewinne ein", sagt die Marketing-Expertin. Eine halbe Million Euro Verlust werde das Haus heuer wohl machen, schätzt Lindo. Trotzdem soll ein niedriger sechsstelliger Betrag in technische Investitionen fließen.

Niederpöcking:  La Villa

Sommelier Thorsten Brück hat in der Coronaauszeit gemeinsam mit einem Weingut den hauseigenen Weißwein "Gemeinsam" kreiert.

(Foto: Nila Thiel)

"Wir werden einen Kfw-Kredit aufnehmen", sagt Lindo. "Nicht nur für den Ausgleich der Umsatzverluste, wir wollen auch Geld in die Hand nehmen, um in technischen Fortschritt zu investieren." Zum Beispiel mit dem interaktiven Werkzeug "We Frame", das auch virtuelle Konferenzen für Tagungsteilnehmer ermöglicht. Außerdem soll der Internetanschluss des Hauses verbessert werden, was technisch gar nicht so leicht sei aufgrund der alten Kupferleitungen, die zum Grundstück führten. Im Januar werden alle Wände aufgetrennt und die hausinternen Kabel neu verlegt. Ihren 40 Mitarbeitern und Auszubildenden in den Bereichen Küche, Service und Technik, die nun wieder in Kurzarbeit gehen, sagt Lindo: "Ich glaube fest daran, dass wir weiter existieren werden."

Die Krise bot Gelegenheit, an Stellschrauben zum Thema Nachhaltigkeit zu drehen. Lindo hat zwei Elektroautos für die Mitarbeiter besorgt, für Gäste stehen ausgeliehene E-Roller zur Verfügung. Die Weinkarte hat sie um Bio-Weine erweitert, auch bei der Kosmetik für Gäste setzt Lindo auf einen zertifizierten Biopartner. Dem Thema Nachhaltigkeit widmet der Internetauftritt des Hauses neuerdings eine eigene Seite. Ein klimaneutrales Unternehmen sind sie schon länger. Und schon jetzt freut sich Lindo auf den März: "Wir sehen 2020 nicht als vergeudete Zeit, sondern als Herausforderung, die uns stärker macht. Wir alle werden verändert aus diesem Schlamassel herauskommen.

© SZ vom 18.11.2020

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