So groß wie zwei Fußballfelder oder etwa 50 Tennisplätze ist der neue Wertstoffhof an der Gilchinger Nicolaus-Otto-Straße 5. „Hier braucht man ja fast schon ein Navi“, staunt eine Frau. Ein anderer lobt: „Schön geworden, einfach geilo.“ Immer wieder werden Christoph Wufka, Vorstand der Abfallwirtschaft Starnberg, und sein Kollege Sebastian Roth bei der Führung über das Gelände angesprochen. In ihren orangefarbenen Sicherheitsjacken geben sie sich als Teil des Awista-Teams zu erkennen. Sichtlich stolz erklären sie die Neuerungen auf einem der größten Wertstoffhöfe in Süddeutschland. In nicht einmal einem Jahr wurde das Wertstoffzentrum für rund fünf Millionen Euro errichtet.
Über das neue Angebot spricht Wufka in Superlativen. „Das ist ein XXL-Wertstoffhof mit dem größten Annahmespektrum, den es jemals im Landkreis gab.“ Seit dem 1. September läuft der Probebetrieb. Noch sind nicht alle Arbeiten fertig. Bei der Grüngutannahme montieren Handwerker auf einer Hebebühne die Holzfassade. Auch die Wände und Regale für die Wertstoffbörse fehlen. Nach der offiziellen Eröffnung mit geladenen Gästen am Montag, 22. September, wird sie als Verschenke-Halle starten. Dort können gut erhaltene Dinge abgegeben oder kostenlos mitgenommen werden. Schon jetzt ist das Wertstoffzentrum gut besucht.
„Am Samstag war die Hölle los“, erinnert sich Wufka. „Die Leute kommen aus dem ganzen Landkreis zu uns, um ihre Wertstoffe abzugeben.“ Das ist auch erwünscht, denn das Wertstoffzentrum Gilching ist für die gesamte Landkreisbevölkerung, versichert er. Manche kommen aber auch einfach nur so aus Neugier, mal zu Fuß oder mit dem Fahrrad, um sich die Anlage einmal anzusehen. Am früheren Standort an der Rudolf-Diesel-Straße mussten Fahrzeuge oft in einer langen Warteschlange auf den Einlass warten. Jetzt gibt es 25 Parkplätze, einige davon sind extrabreit. Das ist nicht nur für Menschen mit Behinderung praktisch, sondern auch für Transporter oder Anhänger. Rechts und links von den geparkten Fahrzeugen gruppieren sich die Container in L-Form. „Man muss keine Treppe mehr hochklettern, um Sachen reinzuwerfen“, erklärt Wufka. Die Container sind ebenerdig im Boden eingelassen. Etwa ein Meter hohe Betonmauern dienen als Sicherung, damit niemand hineinfällt.
Ein Mann holt sich einen Schiebewagen und stapelt aus seinem Auto Kartonagen und Schachteln hinein. Die Wagen sind ein neuer Service, damit die Wertstoffe vom Auto bequem zu den Containern transportiert werden können, erklärt Wufka. Bevor die Schachteln in den Container kommen, kontrolliert Awista-Mitarbeiter Dragan Cvetanovic den Inhalt. „Da sind noch Plastikverpackungen drinnen. Das darf nicht ins Papier, sondern muss vorher entfernt werden“, erklärt er und hilft beim Trennen. Seine neue Arbeitsstätte gefällt ihm. Übersichtlicher sei es. Es gebe mehr Platz und die Kunden seien entspannter. Schlechte Laune habe hier sowieso keinen Platz: „Die wird bei uns einfach weggelächelt“, sagt seine Kollegin Annett Flemming.


Das Team wurde von vier auf zehn aufgestockt. Die Mitarbeiter haben jetzt sogar einen Aufenthaltsraum für Pausen sowie einen Schulungsraum, in dem künftige Fortbildungen und Treffen der Wertstoffhofleiter stattfinden sollen. Besonders freuen sich Wufka und Roth über den begehbaren Schadstoffcontainer. Günter Fauler, Fachkraft für Gefahrenstoffe, sammelt darin Medikamente, Düngemittel, Farben, Lacke, Batterien und Chemikalien fein säuberlich sortiert in blauen Plastiktonnen.
Eine Kiste ist bis obenhin voll mit Sprühdosen, aus einer anderen dringt ein stechender Geruch. Laugen, Säuren, Öle, Gase (beispielsweise in Feuerzeugen), alles kommt in Extra-Tonnen. Selbst wenn eine Flasche ohne Etikett abgegeben wird, kann Fauler sie mit seinen Kenntnissen in Chemie identifizieren. „Das ist kein Hexenwerk“, sagt er lächelnd und zeigt eine Broschüre, die er zusammen gestellt hat, mit Hinweisen wie sich die Stoffe unterscheiden lassen. Donnerstags bis samstags hat die Giftstoffannahme offen. An den übrigen Tagen ist mittelfristig geplant, den kompletten Container auf einem Lastwagen zu verladen und für mobile Giftstoffsammlungen auf den anderen Awista-Wertstoffhöfen einzusetzen.

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Eine weitere Besonderheit der neuen Anlage ist die Waage – die erste ihrer Art im Landkreis. Mit ihr können ab Frühjahr 2026 auch größere Mengen von Asbest, Dämmstoffen und künstlichen Mineralfasern angenommen werden. Bisher mussten solche Materialien außerhalb des Landkreises abgegeben werden.
Gleich neben dem Einfahrtstor liegt die riesige Grüngutannahme. Die Halle ist überdacht, sodass Äste, Grasschnitt und die Blätter im Trockenen liegen und die Anlieferer nicht nass werden. Die anderen Container haben größtenteils ebenfalls Dächer, auf denen Solarmodule montiert sind.
Als Unternehmen, das auf Nachhaltigkeit setzt, war der Awista ein umweltbewusstes Bauen wichtig. Regenwasser fließt in Brauchwasserzisternen und die Photovoltaikanlage ist an Energiespeicher gekoppelt, außerdem gibt es Lademöglichkeiten für den elektrisch betriebenen Fuhrpark mit Radlader und Kehrmaschine.


Die Bevölkerung ist eingeladen, am Samstag, 4. Oktober, von 10 bis 17 Uhr zum Tag der offenen Tür unter dem Motto „Wenn Abfall Zukunft hat“ zu kommen. Es gibt Führungen, Vorträge zur Abfall- und Kreislaufwirtschaft im Landkreis, einen Fassanstich mit Landrat Stefan Frey um 12 Uhr, Musik, die Bewegungskünstler des Christoph-Probst-Gymnasiums treten auf und an Ständen stellen sich Vereine, Initiativen und Dienstleister vor. Für Kinder werden eine Hüpfburg und ein Sinnesparcours aufgebaut. Foodtrucks bieten Speisen und Getränke an. Wer sich einen Kindheitstraum erfüllen möchte, „der kann eine Mülltonne in ein Fahrzeug einhängen und auskippen“, so Wufka. Die Einladung zum Tag der offenen Tür kam übrigens nicht per Post in alle Gilchinger Haushalte, sondern wurde von den Müllwerkern bei ihrer letzten Tour an die Tonnen gesteckt – passender lässt sich für ein Wertstoffzentrum kaum werben.
Führungen sind auch im Regelbetrieb für Kindergärten, Schulklassen, Vereine oder andere Gruppierungen geplant. Das Wertstoffzentrum hat an sechs Tagen pro Woche geöffnet: Montags von 13.30 bis 18 Uhr, dienstags bis freitags von 9 bis 18 Uhr sowie am Samstag von 8.30 bis 13 Uhr.

