Neues RathausViel Holz, wenig Energiekosten

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Das geplante Berger Rathaus wirkt aus dieser Perspektive, als würde es ein langgezogener Riegel. Von oben gesehen ist es aber dreistrahlig und wird sich nach Norden, Süden und Osten erstrecken.  Grafik: Gemeinde Berg
Das geplante Berger Rathaus wirkt aus dieser Perspektive, als würde es ein langgezogener Riegel. Von oben gesehen ist es aber dreistrahlig und wird sich nach Norden, Süden und Osten erstrecken. Grafik: Gemeinde Berg N/A

Der künftige Verwaltungssitz der Gemeinde Berg soll mit Sonnenkollektoren und Wärmepumpe auskommen. Die Kosten steigen auf fast 16 Millionen Euro.

Von Sabine Bader, Berg

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Es soll schmuck werden das neue Berger Rathaus - dreistrahlig, modern, mit viel Holz. Und es soll, obwohl man die Kosten minimieren will, so nachhaltig wie möglich sein. Das heißt: Geheizt wird über Sonnenkollektoren auf dem Dach und über eine "Sole Wasser Wärmepumpe", die als Wärme- und Kälteerzeuger dient. Dafür sind Tiefenbohrungen nötig. Geplant sind Kühldecken und -segel zur Kühlung der Büro- und Konferenzräume während der Sommermonate. Geheizt werden die Räume über Fußbodenheizung. Gelüftet werden sie, je nach Wunsch der Angestellten, ganz konservativ über die Fenster. Dass sich diese auch öffnen lassen, war den Planern wichtig. Lüftungsanlagen soll es nur im Sitzungssaal, im Trauzimmer und in den Besprechungsräumen geben.

In der Sitzung am Dienstagabend erläuterten Projektsteuerer Michael Graf und die am Projekt beteiligten Fachleute den Stand der Planung. Waren die Kosten im Juli dieses Jahres noch grob auf 14,7 Millionen Euro geschätzt worden, so bezifferte Graf die Summe nach dem jetzigen Planungsstand mit fast 16 Millionen. Die Summe beinhaltet ein sogenanntes Risikobudget von 500 000 Euro. Schließlich könne es sein, dass während der Arbeiten eine der beauftragten Firmen Insolvenz anmelden müsse oder sich der Bau zeitlich verzögere, hieß es. Mit ein Grund für die Preissteigerung ist auch die Tatsache, dass man wegen des hohen Grundwasserspiegels sogenannte Mikopfähle ins Erdreich treiben muss, damit das Gebäude nicht aufschwimmt. Darüber hinaus muss ein Regenwasser-Rückhaltebecken gesetzt werden, da eine Versickerung des Wassers laut Bodengutachten nicht möglich ist. Dank des Rückhaltebeckens kann das Regenwasser dann dosiert ins Kanalsystem abgeleitet werden, damit man auch bei Starkregen keine unangenehmen Überraschungen in Keller und Tiefgarage erlebt.

Apropos Tiefgarage: Über sie haben die Gemeinderäte sehr ausführlich debattiert. Denn jeder Garagenstellplatz kostet richtig viel Geld. Um genau zu sein rund 26 000 Euro. Bereits zu Beginn der Planungen hatte man die Tiefgarage darum von 29 auf 23 Stellplätze abgespeckt, was eine Ersparnis von 170 000 Euro einbrachte. Uneinig war sich das Gremium am Dienstag in der Frage, ob man die Garage jetzt noch einmal um vier Plätze auf 19 Stellflächen verkleinern könne (Einsparung: weitere 106 000 Euro). Während Elisabeth Fuchsenberger (SPD) für die abgespeckte Variante plädierte, machte sich Peter Sewald (EUW) dafür stark, möglichst viele Stellplätze vorzuhalten. Schließlich müsse die Gemeinde mit gutem Beispiel vorangehen. Letztlich entschied sich das Gremium für den Mittelweg und blieb denkbar knapp mit zehn zu acht Stimmen bei 23 Tiefgaragenplätzen. 21 oberirdische Stellplätze sind für Besucher des Rathauses geplant, sodass es insgesamt 44 Parkplätze geben wird. Gemäß Stellplatzsatzung wären 42 erforderlich. Es wird eine Ladestation für E-Autos geben, auch 38 Fahrradstellplätze sind geplant. Das neue Rathaus wird natürlich behindertengerecht. Zudem ist ein Leitsysteme für Blinde und Sehbehinderte geplant.

Über die Frage, ob man sich "Kunst am Bau" leisten soll, wurde an diesem Abend zwar debattiert, nicht aber entschieden. Während Katrin Stefferl-Wuppermann dafür plädierte, die "vielen tollen Künstler" in der Gemeinde zu fragen, regte Rathauschef Rupert Steigenberger in diesem Zusammenhang an, "Berufskünstler auf diese Weise zu fördern", sollte man sich überhaupt dafür entscheiden. Schließlich müssten sie mit Kunst ihren Lebensunterhalt bestreiten. Als nach fast dreistündiger Debatte ein Zuhörer mit zwei Halben von der Schänke des Gasthofs Post in den improvisierten Sitzungssaal zurückkehrte, meinte Projektsteuerer Graf mit Blick auf das Bier: "Das ist jetzt eine echt fiese Störung."

© SZ vom 08.10.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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