28 Jahre alt ist der Rüstwagen, mit dem die Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr (FFW) Tutzing vor allem zu technischen Hilfseinsätzen - und die machen inzwischen Zweidrittel aus - ausrücken. Das Fahrzeug habe einige Defekte und sei nicht mehr auf dem aktuellen Stand, so die Verantwortlichen. Dafür will Bürgermeisterin Marlene Greinwald (Freie Wähler) "keine Verantwortung mehr übernehmen", wie sie jüngst klipp und klar im Gemeinderat sagte. Als die knapp 600 000 Euro, verteilt bis 2022, für die Anschaffung eines neues Rüstwagens auf den Tisch kamen, stöhnten freilich einige Räte auf.
Selbst wenn mit einem staatlichen Zuschuss von mindestens 140 000 Euro gerechnet werde kann und das Geld schon in der mittelfristigen Finanzplanung einkalkuliert ist, bedeutet so ein Kauf für Tutzing mit einem Gesamthaushalt von nur rund 30 Millionen Euro eine gehörige Belastung. Und dabei ist der Rüstwagen auf der Liste eines gerade erstellten und noch gar nicht veröffentlichten Feuerwehrbedarfsplans unter der Federführung von Kommandant Markus Kuisl nur das erste Objekt; bis 2025 soll die Gemeinde weiteren Ersatz beschaffen, unter anderem für eine Drehleiter. Auch über ein neues Feuerwehrhaus für die bisher an der Oskar-Schüler-Straße untergebrachte Einsatztruppe wird nachgedacht. Die CSU-Gemeinderäte Florian Schotter und Thomas von Mitschke-Collande schlugen daher ein Gesamtkonzept vor und regten außerdem an, mit der Bestellung noch zu warten.
Dem widersprach der 3. Bürgermeister Franz Matheis, selbst Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr im Tutzinger Ortsteil Traubing: "Es ist nicht so, dass wir blind wohin rennen." Die Anschaffungen seien "strategisch nötig", unter anderem weil Tutzing mit der Nähe zum See und zur Bahn als Stützpunktfeuerwehr überörtliche Bedeutung für den ganzen Landkreis habe. Der neue Rüstwagen sei als "große fahrende Werkzeugkiste" (Matheis) so ausgelegt, dass er bei großen Schadensereignissen eingreifen könne, etwa mit Abstützmaterial, wenn zum Beispiel nach einer Explosion Einsturzgefahr besteht, mit einem Stromerzeuger und einer Seilwinde für zehn Tonnen.
Die Feuerwehr adäquat auszurüsten, gehört zu den Pflichtaufgaben einer Gemeinde, zumal es um ehrenamtliche Helfer geht, die bei den Einsätzen oft genug ihr Leben riskieren, wie Claus Piesch (FW) hervorhob. Schon jetzt hinkt Tutzing zwei bis drei Jahre bei den Beschaffungen hinterher. Denn heuer ist erst mal nur die Ausschreibung für den Rüstwagen vorgesehen. Bis das neue Feuerwehrfahrzeug 2022 einsatzbereit ist, muss das alte noch bis zu seinem 30. Geburtstag durchhalten. Mit einer Gegenstimme (Mischke-Collande) beauftragte der Tutzinger Gemeinderat das Rathaus mit der Anschaffung.