Neuer Streetworker in Herrsching:Der Quarterback unter den Sozialpädagogen

Neuer Streetworker in Herrsching: "Ich wollte, dass die merken: Der hört uns zu, der ist für uns da. . .": Streetworker und Hobby-Football-Spieler Jan Pleines.

"Ich wollte, dass die merken: Der hört uns zu, der ist für uns da. . .": Streetworker und Hobby-Football-Spieler Jan Pleines.

(Foto: Gemeinde Herrsching)

In seinem American-Football-Team war Jan Pleines der Spielgestalter, als Streetworker will er offen auf die Jugendlichen zugehen. Sie sollen merken, dass er kein "Zeigefinger-Typ" ist

Von Jessica Schober, Herrsching

Dass er auch mit einem raueren Umgangston gut zurechtkommt, hat Jan Pleines schon mit seinem Hobby bewiesen: Der Sozialpädagoge hat lange American Football gespielt, da darf einem ein kleiner Rempler nichts ausmachen. Als Quarterback war er Spielführer, vorher stand er an der sogenannten "offense line". Da lebte er noch in seiner Geburtsstadt Darmstadt. Vor fünf fünf Jahren zog er nach Starnberg, nun wird der 34-Jährige der neue Streetworker in Herrsching. Und will den Jugendlichen bei einem Schnuppertraining seine Leidenschaft für American Football näherbringen.

"Aufsuchende Jugendarbeit" nennt sich das, was Pleines vorhat. Das bedeutet, dass er von nachmittags an "raus auf die Straße geht" und in Herrsching die Seepromenade oder den Skaterplatz aufsucht, um dort in Kontakt mit Jugendlichen zu kommen. "Man braucht ein offenes Ohr, viel Empathie und muss in die Beziehungsarbeit investieren", sagt Pleines, "Und man muss auch akzeptieren, dass Jugendliche einfach gern unter sich sein wollen." Gleichzeitig schade es nicht, wenn man selber "jung im Kopf" bleibe, was Pleines nach eigenen Aussagen nicht schwerfällt, wie er lachend erzählt.

Seit Juli besetzt er die neue Stelle bei der Gemeinde Herrsching, die die bisherige Jugendarbeit ergänzen soll, und hat sich zunächst bei einigen Jugendlichen persönlich vorgestellt. "Ich wollte, dass die merken: Der hört uns zu, der ist für uns da, der ist kein Zeigefinger-Typ." Gleichzeitig will Pleines kein Berufsjugendlicher sein, er hat auch keinen Zugang zu der derzeit bei Teenagern so beliebten App Tiktok - und ist auch ganz froh darum, dass er weiterhin in Starnberg lebt und in die Arbeit nach Herrsching pendelt, "so kann ich Privates und Berufliches besser trennen."

Dass er sich auf die Arbeit mit Jugendlichen konzentrieren wollte, merkte er schon im Studium der Sozialpädagogik. "Man kann zu Menschen in diesem Alter noch Brücken bauen. Ich will den Jugendlichen helfen, ihre eigene Geschichte zu schreiben."

Zuletzt hat Pleines fünf Jahre in Starnberg in der offenen Jugendarbeit zu tun gehabt und zwischenzeitlich auch den Treff "Nepomuk" geleitet. In Herrsching sieht Pleines durchaus Bedarf für den niedrigschwelligen Kontakt zu Jugendlichen. "Sie brauchen Plätze für sich, an denen sie keinen Kaffee bestellen müssen, sondern einfach mit Gleichaltrigen abhängen können", sagt Pleines. Dass in der Coronakrise die meisten Anlaufstellen geschlossen waren, war für manche in seinem Klientel ebenfalls nicht so leicht. Bei seinen Gesprächen im Herrschinger Stellwerk konnte er auch schon die eine oder andere Verschwörungstheorie entkräften, die sich während der Zeit der Ausgangsbeschränkungen im Kopf eines Jugendlichen festgesetzt hatte.

Zum Ferienbeginn will Pleines nun ein besonderes Angebot zusammen mit der American Footballmannschaft der Starnberg Argonauts machen: Am Montag, 27. Juli findet von 14 bis 17 Uhr ein Schnuppertraining auf dem Sportplatz am Ammersee statt. Das Angebot richtet sich an Jugendliche im Alter zwischen 13 und 18 Jahren. Um Anmeldung im Jugendtreff Stellwerk wird gebeten.

© SZ vom 21.07.2020
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