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Bücher:Künstler von A bis Z

Der Starnberger Volker Buchner hat zwei neue Lexika über Maler und Bildhauer aus der Ammersee-Region herausgegeben. Mit Baselitz konnte er nur über die Türsprechanlage reden

Volker Buchner aus Starnberg hat großes Interesse an der Malerei und liebt seine Heimat. Seit mehr als zehn Jahren ist der gelernte Rundfunktechniker jede freie Minute in Sachen Kunst und Kultur in der Region unterwegs. Er besucht Ausstellungen, forscht im Internet und durchforstet alle Auktionskataloge, die ihm unter die Augen kommen. Auch ein 36-bändiges Kunstlexikon hat er durchgearbeitet. Daraus entstand die Idee, ein Nachschlagewerk über Künstler aus der Region zu erarbeiten. Das ist einmalig. Denn im Gegensatz zur Chiemsee-Region oder zum Dachauer Land gibt es bislang keine spezielle Übersicht über die zahlreichen Kunstschaffenden im Fünfseenland.

Buchner ist weder Kunsthistoriker noch Sammler, er ist Autodidakt. Quasi im Alleingang hat er vor sechs Jahren ein zweibändiges Nachschlagewerk mit mehr als 1000 Malern am Starnberger See herausgebracht. Auf Anregung vieler Leser folgen nun zwei neue Kunstbücher über die Malerei am Ammersee. Er sei völlig unbefangen an die Sache herangegangen, erklärt er. "Aber man muss sich persönlich interessieren und ein Auge dafür haben."

Da Buchner sehr hohe Qualitätsmaßstäbe setzt, hat er das Layout selbst erarbeitet, sein eigenes Vorwort geschrieben und die Bücher in seinem eigenen Verlag herausgegeben. In Eigenleistung hat Buchner 70 000 Euro investiert. Er ist sich jedoch sicher, dass sich die Kosten wieder amortisieren. Seine Starnberger See Bände haben ihn immerhin 120 000 Euro gekostet, und das Geld ist durch den Verkauf der Bücher wieder hereingekommen.

Buchner über Malerei am Ammersee; Zwei neue Bücher von Volker Buchner:

Unermüdlicher Kunstforscher: Volker Buchner mit seinen beiden Bänden über Maler am Ammersee.

(Foto: Franz-Xaver Fuchs)

Seit der 67-Jährige im Ruhestand ist, investiert er noch viel mehr Zeit in seine Leidenschaft. "Man hat schon Routine, es geht manches leichter", sagt Buchner. Die Beherrschung der Spezialsoftware ist für den IT-Spezialisten ohnehin nichts Neues. In nur vier Jahren hat er auf 600 Seiten 826 Künstler-Biografien aus der Ammersee-Region mit Wörthsee, Pilsensee und Weßlinger See verfasst. Ergänzt werden seine neuen Kunstbücher durch einen Nachtrag zu seinen Starnberger-See-Büchern mit weiteren 126 Biografien. Alle vier Bände umfassen insgesamt 1370 Seiten. Darin ist viel Wissenswertes von 1900 Malern in der Region nachzulesen, die in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet sind.

Die Zeitspanne reicht von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis heute. Im hochwertigen Druckverfahren sind 1150 Gemälde zu sehen. Lange hat sich der Hobby-Kunsthistoriker überlegt, nach welchen Auswahlkriterien er verfahren soll: historisch bedeutsame oder aktuelle Werke, bekannte oder auch unbekannte Maler, einheimische oder fremde Künstler, die nur wenige Tage hier verbracht und gemalt haben? "Ich habe nach jedem noch so kleinen Detail geforscht und bin der Sache nachgegangen", erklärt er. Von jedem Künstler hat er mindestens zwei, manchmal sogar drei Quellen überprüft. Bei den lebenden Künstlern hat er sich nach Erwähnungen in der Presse gerichtet und nach der Anzahl der Ausstellungen. Eine noch umfangreichere Suche hätte allerdings den Rahmen eines Lexikons gesprengt, daher musste Buchner immer wieder Kürzungen vornehmen.

"Es soll ein Anriss sein und Interesse wecken", sagt er. Jeder Leser könne sich anschließend selbst, je nach Interessenlage, näher mit einer bestimmten Thematik befassen. Manchmal allerdings ist Buchner bei den Recherchen an seine Grenzen gestoßen, etwa bei dem weltbekannten abstrakten Maler Walter Darby Bannard. Er hatte bis zu seinem Tod im vergangenen Jahr in Miami gelebt und nach Buchners Informationen Deutschland nie besucht. Warum der Amerikaner sein Werk von 1975 "Ammersee #2" nannte, konnte der Starnberger bis heute nicht klären.

Viele Informationen hat Buchner auch von Kunsthistorikern aus der Region bekommen. Zuweilen haben sie für ihn sogar den Kontakt zu Privatsammlern hergestellt, damit er Arbeiten, die nicht der Öffentlichkeit zugänglich sind, fotografieren konnte, wie etwa ein Werk von Pierre Auguste Renoir. Der Künstler war 1910 von einem Kunstsammler nach Weßling eingeladen worden, um seine Frau zu porträtieren. Manchmal indes musste Buchner passen. Alle Anfragen bei Georg Baselitz blieben unbeantwortet. Buchner ist zu dem Künstler, der Mitte der Siebzigerjahre mit seinen auf dem Kopf stehenden Bildern bekannt wurde, nach Inning gefahren. Dort konnte er sich mit ihm wenigstens über die Türsprechanlage unterhalten. Dennoch will der Autor auf keine dieser Erfahrungen verzichten. Die Arbeit habe ihm großen Spaß gemacht, meint er rückblickend.