Doppelmord in Krailling:Neue Indizien belasten Thomas S.

Habgier als Motiv? Möglicherweise wollte der Mörder der zwei Kinder in Krailling auch die Mutter töten - wenn sie zur Tatzeit zuhause gewesen wäre. Indes werden immer mehr Details der Mordnacht bekannt.

Christian Deussing und Monika Maier-Albang

Die Mutter der beiden ermordeten Kinder aus Krailling hat möglicherweise nur deshalb überlebt, weil sie nicht zu Hause war, als die Mädchen getötet wurden. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung könnte der mutmaßliche Täter Thomas S. vorgehabt haben, aus Habgier auch seine Schwägerin Anette S. zu ermorden. Die Polizei wollte sich zu dieser Spekulation allerdings nicht äußern. Wie bislang bekannt, hatte sich die 41-Jährige geweigert, eine gemeinsam geerbte Wohnung zu verkaufen.

Polizei sucht weitere Zeugen im Mordfall von Krailling

Die Polizei sucht nach Zeugen, die den grünen Van von Thomas S. in der Tatnacht gesehen haben.

(Foto: dapd)

Neue Indizien belasten den tatverdächtigen Familienvater unterdessen immer stärker. Er soll in der Mordnacht, vermutlich unter einem Vorwand, sein Haus in Peißenberg früher als üblich verlassen haben. Nach SZ-Informationen hat Thomas S. seine Frau, die an diesem Morgen früh zur Krebsnachsorge nach München musste, telefonisch geweckt und ihr erzählt, er habe wegen heftiger Zahnschmerzen nicht weiterschlafen können. Seinen Dienst trat der Postzusteller laut Zeugen pünktlich um 6.30 Uhr in Feldafing an. Wenn er vom Tatort direkt in die Arbeit gefahren ist, wovon die Ermittler ausgehen, müsste er sich zuvor seiner blutverschmierten Kleidung entledigt haben.

Die Polizei ist sich offenbar sicher, dass sie im Kraillinger Mordfall den Richtigen gefasst hat. Es gibt deshalb Erwägungen, die Soko "Margarete" zu verkleinern. Das deutet darauf hin, dass die Spuren, die bislang gefunden wurden, ausreichen könnten, um Thomas S. zu überführen - selbst wenn der Onkel der ermordeten Mädchen weiter schweigt, und obwohl endgültige Ergebnisse der Untersuchung von Speichel- Haut und Faserpartikeln, die am Tatort gefunden wurden, erst im Laufe der Woche erwartet werden. Auch nach einem zweiten Täter oder einer zweiten Täterin, über die es Spekulationen gab, wird nicht gesucht.

Gesucht allerdings werden Zeugen, die das Auto von Thomas S., einen grünen Kia Carnival mit Weilheimer Nummer, in der Nacht vom 23. auf 24. März in den frühen Morgenstunden gesehen haben. Auffällig an dem Fahrzeug ist, dass die Stoßstange vorne rechts beschädigt ist. Falls der Wagen zur Tatzeit in Krailling oder zwischen Krailling und Feldafing gesehen wurde, wäre dies ein weiteres belastendes Indiz. Am Montag hatten 300 Polizeibeamte die Straßenränder zwischen Krailling und Feldafing abgesucht - auf der kürzesten Strecke, die Thomas S. genommen haben könnte. Zudem wurden Taucher in einem Weiher unweit des Tatortes eingesetzt. Bislang habe man aber kein "tatrelevantes Material" gefunden, so die Polizei.

Der Anwalt des Inhaftierten betont, dass die "jetzige Beweislage" nicht ausreiche, seinen Mandanten zu verurteilen. Unklar sei auch weiterhin das Motiv: Einen "mörderischen Konflikt" habe es zwischen den Familien nicht gegeben, sagt der Verteidiger.

© SZ vom 13.04.2011/vsch
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