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Neubaupläne:Wörthseer begehren auf

Anwohner schließen sich zum "Bündnis: Rettet den Kuckuckswald" zusammen und sammeln Unterschriften gegen den Bau eines Lebensmittelmarktes. Moniert werden die Größe, der Standort und der Umgang mit der Natur

Von Christine Setzwein, Wörthsee

In Wörthsee startet ein Bürgerbegehren gegen den geplanten Vollsortimenter an der Straße "Zum Kuckucksheim". Wie Doja Muggenthaler am Donnerstag mitteilte, habe sich das "Bündnis: Rettet den Kuckuckswald" gegründet, das nun bis zum 22. Dezember Unterschriften sammelt. "Etwa 500 brauchen wir."

Die Initiative bemängelt die Größe des Supermarktes - "1200 Quadratmeter Verkaufsfläche" -, den Standort, nur etwa 1,2 Kilometer entfernt vom Edeka sowie den "ökologische Langzeitschaden" durch die Fällung zahlreicher gesunder alter Buchen und die Beeinträchtigung des Amphibien-Wandergebiets. Die geplanten Ausgleichsmaßnahmen könnten das nicht ausgleichen. Wegen der Größe des Nahversorgers und den vielen Parkplätzen entstünde mitten im Ort an einer ohnehin unübersichtlichen Kreuzung ein neuer Verkehrsanziehungspunkt, die Anwohnerinnen und Anwohner würden durch Lärm und Abgase geschädigt. "Viele Menschen in Wörthsee wünschen sich, gerade in Zeiten des Klimanotstands, den auch Wörthsee ausgerufen hat, einen Laden, in dem sie nachhaltige und faire Produkte aus der Region kaufen können", schreibt Muggenthaler. Vor vier Wochen haben Naturschützer und Grüne bereits gegen den Bau des Supermarkts protestiert.

Wörthsee: Kuckuckstrasse - Protest gegen bevorstehende Waldrodung

Mit Transparenten haben kürzlich Wörthseer gegen die geplanten Waldrodung im Zusammenhang mit dem Bau eines Supermarktes protestiert.

(Foto: Nila Thiel)

Im Umlauf ist auch ein Flugblatt mit dem Titel "Information von Bürgern für Bürger". Wer es verfasst hat, ist unbekannt, obwohl nach dem Bayerischen Pressegesetz auch auf Flugblättern die Verfasser oder Herausgeber genannt werden müssen. Auf dem Handzettel werden die Wörthseer aufgefordert, zum Entwurf des Bebauungsplans "Sondergebiet Lebensmittelvollsortimenter" Stellung zu beziehen und das Vorhaben abzulehnen. Der Entwurf liegt bis zum 22. Dezember im Rathaus aus.

Wörthsee

So kann man sich den geplanten Lebensmittelmarkt an der Wörthseer Kuckuckstraße vorstellen.

(Foto: Gemeinde Wörthsee/oh)

In der Gemeinderatssitzung am Mittwoch sagte Ortsentwicklungsreferent Thomas Bernhard (Freie Wähler), dass "falsche Argumente im Umlauf sind". Der Gemeinderat habe sich viele Gedanken über das Areal zwischen Kuckucksheim und Am Teilsrain gemacht. Zusammen mit dem Supermarkt, dem Wohnungsbau und dem Seniorenwohnen der Kirchenstiftung sei eine Gesamtplanung für diesen Ortsbereich entstanden, "die ich sehr positiv sehe".

Bürgermeisterin Christel Muggenthal sagte am Donnerstag, dass sich der Gemeinderat grundsätzlich darin einig war, "dass dort, wo Wohnverdichtung stattfindet, auch Einkaufsmöglichkeiten entstehen sollen". Im Rahmen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) sei eine Feinuntersuchung für das gesamte Areal in Auftrag gegeben worden. Das Ergebnis - Nahversorger, Genossenschaftswohnen, Kinderhaus am Teilsrain und Seniorenwohnen auf dem Kirchengelände - sei seit Mai 2018 bekannt. Für den Bau des Nahversorgers habe Investor Max von Bredow von "Quest Immobilien" den Vorarlberger Architekten Professor Hermann Kaufmann gewinnen können, der den Markt in Holzbauweise plant, ergänzt durch Mietwohnungsbau mit sogenannten Starterwohnungen im Obergeschoss. Die Geschossfläche betrage 1470 Quadratmeter, davon sind 940 Quadratmeter Verkaufsfläche und 100 Quadratmeter für einen Backshop. Für die Zufahrt müssten an der Kuckuckstraße Bäume auf einer Fläche von etwa 2000 Quadratmetern gefällt werden, so Muggenthal. "5000 Quadratmeter dieses wertvollen Buchenwalds bleiben erhalten."

Die Unterschriftenlisten des Bürgerbegehrens liegen im Obst- und Gemüseladen Saeed, beim Edeka, in der Wörthsee-Apotheke und in der Gärtnerei am Osterholz aus. Die Frage, mit der die Initiatoren das Projekt zu Fall bringen wollen, lautet: Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Wörthsee für den geplanten Neubau eines Lebensmittelvollsortimenters mit Wohnungen keine planungsrechtlichen Voraussetzungen schafft und deshalb das Bauleitplanverfahren für den Bebauungsplan Nr. 76 "Sondergebiet Lebensmittelvollsortimenter und Wohnen nördlich Zum Kuckucksheim" sowie die "7. Änderung des Flächennutzungsplans der Gemeinde Wörthsee" hinsichtlich des Sondergebietes "Lebensmittelmarkt und Wohnen" einstellt und nicht weiterverfolgt?

© SZ vom 11.12.2020
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