Nepoumuk Hoffen auf Regen

Die Stadtradler sind bald wieder unterwegs. Vielleicht werden sie ja vom Wetter ausgebremst.

Von Eurem  Nepomuk

Der Fortschritt bleibt für mich ein Rätsel. Nach dem endlich jeder im Landkreis einen automobilen Untersatz besitzt und dafür hart gearbeitet hat, heißt es jetzt auf einmal: Fahrt doch endlich wieder Rad! Radfahren ist gesund, schont die Umwelt und macht schön. Ja, spinn' ich denn! Wo bleibt da der Fortschritt! Meine ganze Jugend habe ich mich mit dem Radl durch die Stadt geplagt, bin klatschnass geworden im Frühling, im Sommer, im Herbst und im Winter und jetzt, wo ich endlich ein mobiles Dach über dem Kopf habe, soll ich mich wieder dem Unbill des Wetters und des Schicksals aussetzen. Nein, liebe Freunde ohne mich. Da mögen noch so viele Bürgermeister, Gemeinderäte, Landräte und Rentner in die Pedale treten, ich habe keinen Bock mehr auf Fahrtwind. Da lobe ich mir die Grundstücksbesitzer, die um jeden Quadratmillimeter kämpfen, den sie für einen Radweg hergeben sollen. Wofür braucht es eigentlich Radwege? Es gibt genügend Straßen. Schöne, gerade Straßen; kleine, verwinkelte Straßen und einsame Waldwege.

Ihr seht, ich bin ein bisschen angefressen. Dieses Retro-Getue regt mich einfach auf. Und Ende Juni kommt wieder die Aktion Stadtradeln. Das ist der dreiwöchige Klassenausflug der Fußlahmen. Ich hatte ja schon die Hoffnung, dass kein Geld mehr da ist, aber leider hat sich der Landkreis breit schlagen lassen. Also wird auch heuer wieder sinnlos gestrampelt. Das gibt selbst mein Freund zu, der Michi Muther, seines Zeichens Bürgermeister von Weßling. Er muss es wissen, denn Weßling ist immer ganz vorn beim Stadtradeln dabei und hat sogar irgendeinen Pokal gewonnen. Gott sei Dank geht aber den Weßlingern langsam die Puste aus. Im vergangenen Jahr ging die Zahl der zurückgelegten Kilometer deutlich zurück. Und fragt mal, welcher Grund dafür angegeben wurde: das schlechte Wetter mit viel Regen. Ach, kann ich nur sagen. Wenn es regnet, will man nicht mehr radeln. Es besteht also Hoffnung, dass das Radfahren auch so ein vorübergehender Trend ist wie Brotbacken oder Batiken, brummt